Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Untreue-Verdacht: Die Justiz ermittelt in der Rostocker IHK
Nachrichten MV aktuell Untreue-Verdacht: Die Justiz ermittelt in der Rostocker IHK
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
04:11 16.04.2013
Der IHK-Hauptsitz im Zentrum von Rostock. Quelle: Frank Hormann/ nordlicht

Gerüchte, Zwist, gezielte Indiskretionen — die Wahl eines neuen Präsidenten an der Industrie- und Handelskammer zu Rostock (IHK) wurde gestern von lauten Misstönen begleitet. Mehrere Informanten meldeten sich in den vergangenen Tagen bei der OSTSEE-ZEITUNG und berichteten unabhängig voneinander über Hausdurchsuchungen in Privatwohnungen von führenden Vertretern der Kammer. Es gehe um Betrug und Untreue, vergangenen Donnerstag sollen die Ermittler zeitgleich in aller Frühe zur Razzia an mehreren Orten angerückt sein.

Die Staatsanwaltschaft Rostock bestätigt, dass es Durchsuchungen gab. „Es ging um die Herausgabe von Unterlagen“, sagt ein Sprecher. Die von der Razzia betroffenen Personen seien kooperativ gewesen.

Die Behörde geht einem Anfangsverdacht nach. Gegen wen, wegen welcher Delikte, wo die Durchsuchungen stattfanden — das alles will die Staatsanwaltschaft vorerst nicht mitteilen. Die Untersuchungen stünden noch ganz am Anfang. Man wisse noch nicht, ob an der Sache etwas dran sei und wolle den Verdächtigten nicht schaden, falls sich die Vorwürfe doch nicht erhärten sollten.

„Ich bin sehr betroffen“, sagt ein IHK-Präsidiumsmitglied, das seinen Namen nicht nennen möchte, zu den Vorwürfen. Er habe nichts von Durchsuchungen oder Ermittlungen gehört — nehme die Vorwürfe aber ernst. Wolfgang Hering, bis gestern Abend noch IHK-Präsident, sagte ebenfalls, er wisse von nichts. Hauptgeschäftsführer Andreas Sturmowski ließ Anfragen unbeantwortet.

Ein Mitglied der 45-köpfigen IHK-Vollversammlung, die aus ihrer Mitte in nicht öffentlicher Sitzung den neuen Präsidenten wählte, nennt bereitwillig die Namen der Beschuldigten — und bedauert, dass diese noch nicht den Weg in die Öffentlichkeit fanden. Der Unternehmer gehört zum Kreis jener Personen, die Interesse am begehrten und einflussreichen Posten des Präsidenten haben sollen. Geht es hier um Aufklärung — oder tobt unter den ehrenamtlichen IHK-Funktionären eine Schlammschlacht, bei der mit allen Mitteln persönliche Interessen durchgesetzt werden? Das bleibt offen.

Es ist nicht die erste Krise der angesehenen Kammer. Vor zwei Jahren musste Lars Bosse nach nur drei Monaten den Posten des Hauptgeschäftsführers räumen. Die Gründe für den schnellen Abgang blieben im Dunkeln. Angeblich eckte Bossen mit seinem kantigen Führungsstil an und setzte sich zu laut für eine Fusion mit der IHK Schwerin ein. Anfang 2012 übernahm Andreas Sturmowski das Amt. Seine Ernennung lief intern nicht diskussionsfrei ab — der frühere Bahnmanager stand auf seinem letzten Chefposten bei den Berliner Verkehrsbetrieben unter anderem wegen zweifelhafter Finanzgeschäfte in der Kritik. Seine Zeit als Chef der Nahverkehrsgesellschaft von Hannover endete mit Spesenrückforderungen des alten Arbeitgebers und Berichten über eine angeblich undurchsichtige, aber üppige Altersversorgung.

Kammer vertritt 36 000 Firmen

5 Jahre beträgt die Amtszeit des IHK-Präsidenten. Der Chefposten an der Spitze der Industrie- und Handelskammer ist eine ehrenamtliche Tätigkeit. Im Januar gab der bisherige Amtsinhaber Wolfgang Hering bekannt, dass er seinen Posten aus gesundheitlichen Gründen abgeben wird. Er war erst im Jahr zuvor wiedergewählt worden. Der Kammerbezirk reicht von Bad Doberan bis Rügen. Die IHK beschäftigte Ende 2011 rund 80 Mitarbeiter und nahm knapp sechs Millionen Euro Gebühren ein. 2012 wurden die Gebühren gesenkt. 36 000 Unternehmen sind Mitglied der IHK.

Gerald Kleine Wördemann

Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten: Bahnhof verkauft. In Berlin sind gestern 50 Bahnhofs-Gebäude unter den Hammer gekommen, darunter sechs aus Mecklenburg-Vorpommern.

16.04.2013

Wegen versuchten Mordes und versuchter schwerer Vergewaltigung hat das Landgericht Rostock einen 32 Jahre alten Rostocker zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

16.04.2013

Japanische Politiker informieren sich über Rückbau.

16.04.2013
Anzeige