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MV aktuell Urlauber als Täter
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00:00 30.07.2018
Tatort Hotel: Hier lassen Gäste immer wieder Gegenstände mitgehen. Quelle: Foto: Stefan Sauer/dpa
Rostock/Usedom

Für einige Gäste ist es eine schöne Urlaubserinnerung, rein juristisch ist es Diebstahl: Wenn Handtücher, Bademäntel oder Kleiderbügel aus Hotels unbezahlt im Koffer landen und Kugelschreiber ungefragt in der Handtasche verschwinden, begehen die Urlauber eine Straftat. Wie eine Umfrage unter Hotels in Mecklenburg-Vorpommern ergab, sind vor allem Handtücher mit Hotellogo, Bademäntel oder auch Kaffeelöffel gefragt.

Allerdings sei die überwiegende Mehrheit der Urlauber ehrlich, hieß es aus den Häusern. Höchstens ein Prozent der Gäste nähmen aus den Hotels etwas mit, was ihnen nicht gehöre, schätzt der Usedomer Hotelier Rolf Seelige-Steinhoff. Jährlich müssten in seinen 15 Seetel-Hotels auf Usedom aber immerhin Hotelgegenstände im Wert von 40 000 bis 50 000 Euro ersetzt werden, die spurlos verschwunden oder vorsätzlich gestohlen worden seien.

Begehrt bei Gästen seien vor allem Handtücher und Bademäntel. Auch Kleiderbügel mit dem Hotellogo verschwänden mitunter bei der Abreise im Koffer, sagt Seelige-Steinhoff. „Je besser die Qualität, desto begehrter sind die Artikel.“ Auch aus der Minibar würden schon mal Flaschen mitgehen. Die Seetel-Hotels zählen pro Jahr etwa 400 000 Übernachtungen.

Der Direktor des Speicher-Hotels am Ziegelsee in Schwerin, Christian Petersen, gibt zu: „Hier und da kommen ein paar Sachen weg.“ So würden Deko-Kissen mitgenommen und manchmal würden sogar Duschköpfe und -schläuche abgeschraubt. Einmal habe sogar jemand den Hotel-Duschkopf durch einen alten ersetzt. „Manche Artikel verschwinden halt, das kalkuliert man mit ein“, sagte Peters.

Diskretion ist eine Schlüsseleigenschaft der Hotelbranche. Dehoga-Hauptgeschäftsführer Matthias Dettmann spricht – wenn es um den Diebstahl durch Urlauber geht – von einem sensiblen Thema. So richtig werde darüber nicht gesprochen, auch weil die Hotels kein Porzellan im Umgang mit dem Hotelgast zerschlagen wollen. „Da überlegt man dann schon: Was wiegt mehr, das Handtuch oder der Gast?“, sagt Dettmann. Viele Gegenstände, die verschwinden, würden zum Jahresende abgeschrieben und dann ersetzt. Zur Anzeige würden nur ganz selten Fälle gebracht.

Hoteliers verzichten inzwischen aber auch auf Anzeigen, weil die überwiegende Zahl der Verfahren eingestellt werde, berichtete ein Hotelchef. Meist versuchen die Häuser das Problem in der direkten Kommunikation mit dem Gast zu klären. Manche Hotels schicken dem Gast eine Rechnung, andere bitten, die „versehentlich“ im Koffer gelandeten Handtücher beim nächsten Aufenthalt mitzubringen.

„Hotelgäste sind viel ehrlicher, als manche Menschen glauben“, sagte die Direktorin des Intercity-Hotels in Schwerin, Astrid Ludwig. Dass Gäste Duschbad mitnehmen, sei so gewollt. „Die kleinen Fläschchen werden extra dafür hergestellt, sie sind Werbeträger“, erklärt sie. „Dass mal jemand ein Handtuch mitnimmt, will ich gar nicht ausschließen“, räumte sie ein. Oder dass mal jemand einen Teelöffel für den Joghurt unterwegs mitgehen lasse. Aber dass Bettwäsche oder gar Fernseher eingepackt werden, das habe sie in 15 Jahren als Chefin des 180-Zimmer-Hauses noch nicht erlebt.

Anders als in den 1990er Jahren stünden TVs oder Kunstwerke kaum noch auf der Liste des von Urlaubern geklauten Hoteleigentums, sagt auch Seetel-Chef Seelige-Steinhof. Zum einen hängt dies vermutlich damit zusammen, dass Elektronik inzwischen deutlich preiswerter geworden ist. Wird ein Bild von der Wand genommen, werde dort ein Hinweis sichtbar, dass dort ein Bild hängen müsse. „Das schreckt offenbar ab.“

Die Polizeistatistik weist zwar Diebstähle in und aus Gaststätten, Kantinen, Hotels und Pensionen aus, doch fast alle registrierten Fälle betreffen Täter, die von außen in die Einrichtungen eindrangen und es auf Tresore oder Schmuck absahen. 747 Fälle registrierte das Landeskriminalamt im vergangenen Jahr. Der Schaden wird mit 589 000 Euro angegeben. Die Aufklärungsquote liegt bei 25,2 Prozent. Bei Diebstählen durch Urlauber geht das LKA von einer hohen Dunkelziffer aus. „Wir schätzen, dass nur wenige Fälle zur Anzeige gebracht werden“, sagte eine Sprecherin des LKA. Der Grund: Der entstandene Schaden sei im Einzelfall gering. Ein hochwertiges Handtuch kostet etwa zehn Euro.

Charis Schalley, Chefin im „Parkhotel Rügen“ in Bergen auf der Insel Rügen, berichtet, dass der Diebstahl von Bademänteln und Handtüchern deutlich zurückging, nachdem das Hotel darauf verzichtet habe, sie mit einem Logo zu besticken. Für Urlauber, die einen Bademantel oder ein Handtuch als Urlaubserinnerung mitnehmen wollen, gibt es legale Alternativen. Das Neptun-Hotel in Warnemünde beispielsweise verkauft Bademäntel mit dem Neptun-Zacken.

Martina Rathke

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