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Urlauber geschockt: Tote Schweinswale am Ostsee-Strand

Börgerende/Nienhagen Urlauber geschockt: Tote Schweinswale am Ostsee-Strand

Experten registrieren 30 Totfunde pro Jahr. Größte Gefahr für die Tiere sind Netze.

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Kadaver am Strand: Der trächtige Schweinswal ist verendet. Sein Kalb hängt aus dem stark verwesten Mutterleib.

Quelle: Jessica Hadrava

Börgerende. Der Anblick ist schockierend: Am Strand zwischen Nienhagen und Börgerende (Landkreis Rostock) liegt ein toter Schweinswal. Aus seinem Bauch ragt das Köpfchen eines Babywals. Unversehrt, doch mit leblosen Augen. Über den Kadavern kreisen bereits die Möwen. „Es sieht aus, als seien die Tiere bei der Geburt gestorben“, bedauert Jessica Hadrava. Die Berlinerin hat die Wale am Sonntagmittag entdeckt und umgehend den Tierschutz und das Stralsunder Meeresmuseum informiert.

Für das Museum sind solche Todfunde keine Seltenheit. Bis zu 30 verendete Wale registrieren die Meereskunde-Experten jedes Jahr an den Küsten des Landes. Gerade im Juli ist vor allem der Nachwuchs bedroht, denn es ist Kalbzeit bei den Schweinswalen.

Die beiden Wale von Nienhagen werden in den kommenden Tagen in Stralsund obduziert. Gestern sind die Kadaver vom Veterinäramt Bad Doberan geborgen worden. „Dort liegt die Mutter mit dem Kalb jetzt in der Tiefkühltruhe“, erklärt Dr. Harald Benke, Direktor des Deutschen Meeresmuseums. Anhand der ersten Sichtung lasse sich schon jetzt sagen: Das hochträchtige Weibchen ist nicht bei der Geburt verendet. Woran es starb, sei durch den Verwesungszustand schwer zu ermitteln. „Dass ein Muttertier so weit verfault ist, dass man schon das Kalb sehen kann, ist sehr selten“, sagt Benke. Er vermutet deshalb, dass der Wal von einer anderen Stelle an den Fundort geschwemmt worden sein könnte. Doch auch zwischen Nienhagen und Fischland-Darß sind Schweinswale derzeit keine Seltenheit. „Gerade der Bereich ist ein wichtiges Aufzuchtgebiet“, verdeutlicht der Experte.

Gefahren für die Säuger in der Ostsee gibt es viele. „Größtes Problem sind die Grundstellnetze“, erklärt Benke. In ihren Maschen verenden die Tiere. Auch die sogenannte akustische Verlärmung setze den Säugern zu: Werden die Gewässer zu laut — etwa durch zunehmenden Schiffsverkehr — können die Tiere nicht mehr miteinander kommunizieren. Gerade für Kälber sei es lebensgefährlich, wenn der Kontakt zur Mutter abreißt. Der Lärm erschwere auch die Jagd, denn er beeinträchtige den Echo-Ortungssinn, mit dem die Wale Beutetiere wie Hering oder Kabeljau ausmachen. Kritisch sieht Benke in diesem Zusammenhang die Rammungen beim Bau von Off-Shore-Anlagen. Sie können die Wale dauerhaft taub machen. „Die Tiere sind dann verloren.“

Wie es um die Schweinswal-Population in deutschen Ostsee-Gewässern steht, sei schwer zu sagen, so Harald Benke. Zählungen zwischen dänischer Küste und polnischer Grenze hätten in den vergangenen Jahren stark variierende Ergebnisse von 350 bis 2900 Tieren gebracht. Fest steht: Die Population nimmt stark ab. Für eine fundierte Trendanalyse brauche es aber mehr Informationen, erklärt der Museumsdirektor. Die soll es 2014 geben. In den vergangenen zwei Jahren wurden 300 Schweinswal-Detektoren in der gesamten Ostsee ausgelegt. Wissenschaftler werten derzeit die Daten aus.

Register für Sichtungen
Der Gewöhnliche Schweinswal ist die einzige in der Ostsee vorkommende Walart. Durchschnittlich ist er 1,60 Meter lang und zwischen 50 und 90 Kilogramm schwer. Der Säuger kann bis zu 22 Jahre alt werden.

Mit dem Projekt „Wassersportler sichten Schweinswale“ sammelt das Stralsunder Meeresmuseum Daten über die Wal-Population in der Ostsee. Seit 1980 werden neben allen Sichtungen auch die Totfunde von Meeressäugern an der Küste registriert.

 

Antje Bernstein

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Börgerende
Die verendeten Schweinswale am Strand von Börgerende bei Bad Doberan.

Spaziergänger haben das Muttertier mit einem Baby bei Börgerende (Kreis Rostock) entdeckt.

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