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00:01 18.08.2016
Blick auf einige historische Postkarten von Zinnowitz auf der Insel Usedom. Quelle: St. Sauer/dpa

„Wetter gut. Essen schmeckt!“ Urlaubsgrüße wie diese werden seit Jahrzehnten an die Daheimgebliebenen verschickt. Und obwohl Kurznachrichten übers Mobiltelefon immer beliebter werden, stirbt die gute, alte Postkarte nicht aus. Drei von vier Deutschen verschicken sie immer noch. Auch in den Souvenirshops und Kurverwaltungen entlang der Ostseeküste gehören Postkarten zurzeit zu den Bestsellern. Ann-Kathrin Thaden verkauft in Rostock mindestens 150 Exemplare pro Tag. „Die meisten Kunden sind Deutsche, die ihren Freunden Grüße aus Mecklenburg-Vorpommern schicken möchten“, sagt sie.

Postkarten werden immer noch gern gekauft. Anna Weinkauf (20) vom Printzentrum Rostock zeigt ein beliebtes Ostseemotiv. l Quelle: Dietmar Lilientha

In der Verkaufsstelle der Stralsunder Tourismuszentrale gehen an Spitzentagen bis zu 300 Karten täglich über den Tresen, berichtet Leiter André Kretzschmar. Buch- und Souvenirshops dazugerechnet dürften es allein in der Welterbestadt mehr als täglich 1000 Karten sein. Im Ostseebad Warnemünde verkauft Cynthia Walther täglich etwa 400 Postkarten. „Am beliebtesten sind die, auf denen mehrere Motive zu sehen sind, wie Strand, Leuchturm, Wasser und Schiffe“, erzählt sie. Kundin Maria Heiseck kauft gleich ein paar Postkarten für Freunde und Familie, aber auch für sich selbst. Die Urlauberin aus Sachsen bewahrt sich so die Erinnerungen an die Ostsee. Und: Die 51-Jährige sucht immer nach neuen Motiven – vor allem vom Meer. Sie schickt sich sogar selbst Karten. „Ich freue mich, wenn ich nicht nur Rechnung und Reklame im Briefkasten finde.“

Nach Angaben der Deutschen Post sind die Sommermonate der Zeitraum, in dem die meisten Postkarten verschickt werden. Von den etwa 210 Millionen Postkarten, die sie im Jahr befördert, wird ein knappes Drittel in den Monaten Juni bis August verteilt. Doreen Zander (31) aus Rostock schreibt nicht nur im Sommer Postkarten. Sie nutzt regelmäßig die Internetseite postcrossing.com. Dort können Menschen aus der ganzen Welt, die sich gar nicht kennen, einander Postkarten mit Bildern und Grüßen schicken. „Ich sammle Postkarten seit meiner Kindheit, und diese Seite ist für mich eine hervorragende Möglichkeit, neue aus exotischen Ländern zu erhalten.“ Sie hat schon 175 Postkarten selbst verschickt und etwa ebenso viele aus Japan, Südafrika, Brasilien und von den Philippinen bekommen. Auch ihre Karten sind gefragt. „Hier in Mecklenburg-Vorpommern ist es sehr leicht, gute Ansichten zu finden, weil Warnemünde und Rostock so schöne Motive bieten. Viele sammeln Leuchtturmpostkarten oder ähnliches“, erzählt Doreen Zander. Manchmal fotografiert sie den Strand oder die Ostsee und verschickt ihre Fotos als Postkarten. Das kann sie einfach im Internet oder mit Apps (Anwendungssoftware) tun. Dafür könnten einzelne Bilder verwendet werden oder mehrere, aus denen man eine Collage macht. „Dann eine Nachricht schreiben und am nächsten Tag liegt die Karte im Briefkasten.“

Die Postkarte wird heute parallel zu digitalen Grüßen verschickt. 62 Prozent der deutschen Urlauber – so ergab eine Sommerumfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom – versenden ihre Urlaubsgrüße in diesem Jahr auf elektronischem Weg per SMS, WhatsApp, per E-Mail, über Facebook und Twitter.

Die alte und auch die neue Form der Urlaubsgrüße nutzt Jaiminsinh Parmar aus Indien. Der 23-Jährige studiert zurzeit an der Universität Rostock und schickt normalerweise Nachrichten oder Fotos über das Mobiltelefon an Familie und Freunde. „Aber meine Schwester hat bald Geburtstag, und ich möchte etwas Schönes für sie finden“, erzählt er und greift sich eine Postkarte aus der Hansestadt.

Aus der Mode gekommen ist die Postkarte also nicht. Das bestätigt auch Karl Meyer aus Chemnitz, der als Rettungsschwimmer in Zinnowitz auf der Insel Usedom arbeitet: „Eine Postkarte kann man an den Kühlschrank heften, eine WhatsApp nicht.“

Millionenfach verschickt

210 Millionen Postkarten wurden 2014 in Deutschland verschickt. Damit machen sie nur zwei Prozent der Postsendungen aus. Der Großteil besteht aus Geschäfts- und Werbe-Briefen. Trotz digitaler Konkurrenz versendet jeder zweite Urlauber (52 Prozent) seine Feriengrüße auf konventionellem Weg. Allerdings sind nur 39 Prozent der 14- bis 29-jährigen Urlauber Kartenschreiber.

1870 begann die Ära der Postkarte in Deutschland, seinerzeit noch „Correspondenzkarte“ genannt. Eingeführt wurde sie als günstige Mitteilungsform für die Bevölkerung.

Ekaterina Astafyeva und Martina Rathke

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