Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Urlaubszeit: Tausende Lehrer in den Sommerferien arbeitslos
Nachrichten MV aktuell Urlaubszeit: Tausende Lehrer in den Sommerferien arbeitslos
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 10.08.2018
Ein Mathe-Lehrer wischt die Tafel ab. Tausende Pädagogen gehen bei Start der Sommerferien in die sechswöchige Arbeitslosigkeit. Quelle: Foto: H. Wolfraum/dpa
Schwerin

Sommer, Sonne, große Ferien: Schulkinder, Eltern und auch Lehrer erholen sich in dieser Zeit vom Stress in den Klassenzimmern oder in ihrem Berufsleben.

„Das Land übernimmt alle Lehrer so weit wie möglich unbefristet in den Schuldienst.Birgit Hesse (SPD),

Bildungsministerin MV

Jedoch nicht für alle Pädagogen sind die Sommerferien die schönste Zeit des Jahres. Deutschlandweit werden Tausende befristet angestellte Lehrer von den Bundesländern für sechs Wochen in die Arbeitslosigkeit geschickt. Deutschlandweit haben sich laut Bundesagentur für Arbeit in den Sommerferien etwa 5000 Lehrkräfte arbeitslos gemeldet. Grund: Damit sparen einzelne Länder umfangreiche Gehaltszahlungen – bis zu mehr als zehn Millionen Euro im Jahr.

Der Deutsche Lehrerverband kritisiere die Praxis scharf als „Ausbeutung“ und „arbeitnehmerfeindliche Regelungen“, erklärt Präsident Heinz-Peter Meidinger. Er halte es für „skandalös“, dass sich trotz Lehrermangels und massiven Unterrichtsausfalls viele Bundesländer weigern, befristete Verträge in dauerhafte Arbeitsverhältnisse umzuwandeln.

In puncto Sommer-Job-Aus gibt es große Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern. In Mecklenburg-Vorpommern gebe es die vom Lehrerverbandschef Meidinger kritisierten Verhältnisse nicht, erklärt Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD). Sie teilt Meidinger in einem Brief mit, die Zahl befristeter Arbeitsverträge von Lehrern mit zweitem Staatsexamen, die zum Ende des Schuljahrs am 31.

Juli 2018 enden, „liegt bei lediglich 11“. Der Grund für die geringe Anzahl liege im „dauerhaft hohen Einstellungsbedarf“ für Lehrer in MV. „Das Land übernimmt alle Lehrer so weit wie möglich unbefristet in den Schuldienst“, sagt Birgit Hesse. An den staatlichen allgemeinbildenden und beruflichen Schulen in MV arbeiteten im Schuljahr 2017/ 2018 insgesamt 11700 Lehrkräfte. Die meisten Arbeitslosmeldungen von Lehrkräften hat es in den vergangenen Sommerferien laut Bundesagentur für Arbeit in Baden-Württemberg (1680), Bayern (860) sowie Niedersachsen (470) gegeben. Auch im eher kleinen Hamburg war die Zahl mit 260 relativ hoch. In der Schlussgruppe liegen Bremen, MV, Thüringen, das Saarland sowie Sachsen-Anhalt.

Deshalb könne in MV keine Rede von einer „Sparmaßnahme“ des Landes sein, teilt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mit. Wenn es zur Arbeitslosigkeit nach einer Befristung komme und eine Wiedereinstellung nach den Ferien erfolge, könne das Sommerferien-Gehalt laut Erlass des Bildungsministeriums nachgezahlt werden.

Auch der Philologenverband, der die meisten Lehrer in MV vertritt, hält die Praxis in MV „für sehr sinnvoll“. Dadurch sei für Vertretungslehrer eine finanzielle Planung möglich, sagt Landesvorsitzender Jörg Seifert. Vertretungslehrer würden bis zum letzten Schultag bezahlt, wenn ihr Vertrag bis dahin läuft. Sollte bis zum letzten Schultag klar sein, dass sie auch im darauffolgenden Schuljahr wieder als Vertretungslehrer arbeiten, werden sie über die Sommerferien im Umfang des abgelaufenen Schuljahres bezahlt.

Die Linksfraktion im Schweriner Landtag zweifelt die Angaben von Bildungsministerin Birgit Hesse an. In MV würden regelmäßig „um die einhundert befristet angestellte Lehrkräfte über die Sommerferien in die Arbeitslosigkeit geschickt“, kritisiert Fraktionsvorsitzende Simone Oldenburg. Das ergebe sich aus den Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Demnach steige die Zahl arbeitsloser Lehrkräfte in jedem Jahr im August um etwa 30 Prozent. Das sei unverständlich: MV braucht dringend zusätzliche Pädagogen, aber schicke zeitgleich Lehrkräfte in die Arbeitslosigkeit.

Einem Bericht der Bundesagentur für Arbeit zufolge steigt „die Zahl arbeitsloser Lehrkräfte regelmäßig in den Sommerferien stark an“. Nach den Sommerferien gehe die Arbeitslosenzahl dann wieder zurück.

Im Spitzenreiterland Baden- Württemberg sind es nach Angaben des Bildungsministeriums 3300 Lehrer, deren Arbeitsvertrag spätestens mit dem Beginn der Sommerferien geendet hatte. Eine weitere Bezahlung der Vertretungslehrer in den Sommerferien hätte das Land demnach 12,5 Millionen Euro gekostet. Rheinland-Pfalz will diese Praxis angesichts des Lehrermangels zukünftig ändern. Das Bundesland will ab 2019 alle Vertretungslehrer auch in den Ferien bezahlen.

Bernhard Schmidtbauer

Gutachter sagte im Prozess gegen in Schwerin verhafteten Syrer aus

10.08.2018

Feuerwehr findet bei Einsatz in Sassnitz Leiche / Brandursache noch unklar

10.08.2018

Um 20 Uhr hat die Bahn den Zugbetrieb im Fernverkehr nördlich von Hannover eingestellt. Betroffen ist auch die Strecke Hamburg-Stralsund.

09.08.2018
Anzeige