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03:45 07.09.2013
Dr. Helmut Hentschel, Leiter des Gemeinsamen Giftinformationszentrums (GGIZ)

1In Anklam (Kreis Vorpommern-Greifswald) ist eine 19-Jährige gestorben, weil sie Feuerzeuggas geschnüffelt hat. Was lösen diese Gase im Körper aus?

Bei dem Versuch, sich mit Gasen in einen Rauschzustand zu versetzen, können die Konsumenten das Bewusstsein verlieren. Sie bekommen Atemstörungen und können durch den daraus folgenden Sauerstoffmangel ersticken. Herz und Kreislauf kann der Notarzt vielleicht noch reanimieren. Aber das Gehirn toleriert nur wenige Minuten Kreislaufstillstand. Der Hirnschaden ist schnell da. Das zweite Problem: Wie bei anderen Narkosegasen kann es zu schweren Herzrhythmusstörungen kommen: Es tritt Kammerflimmern ein. Der Kreislauf bricht zusammen. Das Gehirn bekommt keinen Sauerstoff. Der dritte Fall ist noch ungünstiger: Beim Schnüffeln haben die Leute im Gegensatz zu einer Narkose-Vorbereitung keinen leeren Magen. Wenn der Konsument bewusstlos wird und sich erbricht, kann er daran ersticken. Doch auch wenn man nicht dabei stirbt: Die Gefahr, sich das Gehirn zu zerschießen, ist groß. Der Konsument wird zwar wiederbelebt, hat aber erhebliche Folgeschäden, zum Beispiel gelähmte Arme und Beine.

2 Wie gehen die Schnüffler vor?

Von einmal dran riechen fällt man nicht um. Sie nutzen Flüssiggase aus Feuerzeugen, aber auch Treibgase aus Deo- und Raumspraydosen werden als Rauschmittel verwendet. Sie enthalten Butan. Es wird in Tüten gefüllt und von den Konsumenten zurückgeatmet.

3 Wie verbreitet ist das Schnüffeln?

Wir sehen nur die Spitze des Eisberges. Es ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen. Gerade für junge Leute ist Butangas eine Billigdroge, die sie legal bekommen können. Es ist bekannt, dass sich sogar ganze Schulklassen zu sogenannten Sniffing-Partys treffen. Gerade junge Mädchen machen das immer wieder, um sich in einen Rausch zu versetzen, der ähnlich ist wie bei Alkohol, nur kürzer anhält. Die Risiken werden dabei total unterschätzt. Gerade weil viele das Schnüffeln allein machen, kommt es immer wieder zu Todesfällen, weil keiner Hilfe holen kann.

4 Macht das Gas-Schnüffeln abhängig?

Man wird nicht körperlich abhängig. Man kann allerdings psychisch abhängig werden in dem Sinne, dass man immer wieder diesen Zustand erreichen will. Es löst ähnlich wie Alkohol in der Anflutungsphas, beim größtmöglichen Rausch angenehme Emotionen aus. Auch sexuelle Stimulation. In diesem Zusammenhang gibt es immer wieder Unfälle, die tödlich enden können.

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