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MV aktuell Verträge für umstrittenen Swinetunnel unterzeichnet
Nachrichten MV aktuell Verträge für umstrittenen Swinetunnel unterzeichnet
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12:08 19.09.2018
Die Stadt Swinemünde und Polen geben grünes Licht für den Bau des umstrittenen Swinetunnels. Quelle: GDDKiA
Swinemünde

Die Stadt Swinemünde und Polen geben grünes Licht für den Bau des umstrittenen Swinetunnels. Am Montag wurden in der polnischen Hafenstadt im Beisein des polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki die Verträge für den 1,8 Kilometer langen Tunnel unterzeichnet, wie die Stadt mitteilte. Die Bauzeit wird auf knapp vier Jahre veranschlagt, Anfang 2019 soll es losgehen. Rund 85 Prozent der mit über 200 Millionen Euro bezifferten Gesamtkosten sollen von der EU getragen werden, den Rest will die Stadt finanzieren.

Das Tunnelprojekt wird von einem Konsortium bestehend aus der österreichischen Porr-Gruppe, dem türkischen Unternehmen Gülermak und der polnischen Energopol-Szczecin gebaut. Das Auftragsvolumen für das Konsortium beträgt den Angaben zufolge rund 150 Millionen Euro netto. „Die Bewohner von Swinemünde sowie die gesamte Region werden maßgeblich von der verbesserten Verkehrsinfrastruktur profitieren“, sagte Piotr Kledzik, Vorstandsvorsitzender von Porr S.A.

Lösung für viele Verkehrsprobleme

Der Tunnel soll ab Herbst 2022 den Ost- und Westteil der Grenzstadt miteinander verbinden. Für die 41 000 Einwohner zählende Stadt soll der Tunnel eine Vielzahl an Verkehrsproblemen lösen. Die Stadt erstreckt sich über den östlichen Teil der Insel Usedom und über die Inseln Wollin und Kaseburg. Usedom und Wollin sind durch die Swine, einen Meeresarm der Ostsee, getrennt. Der Verkehr zwischen den Inseln erfolgt bislang über Fähren. Gerade im Sommer führt das zu langen Staus. Knapp 80 Prozent der Einwohner der Stadt wohnen auf der Insel Usedom. Dort befinden sich auch die Verwaltungszentren und touristischen Einrichtungen.

Swinetunnel

Auf der deutschen Seite der Insel ist der Tunnelbau umstritten, weil Touristiker und Anwohner besonders im Insel-Süden durch die Verbindung eine deutliche Zunahme des Verkehrs befürchten.

Bis zu 45 Prozent mehr Lkw-Verkehr befürchtet

Verkehrsplaner errechneten im Auftrag des Landes bis 2030 eine Zunahme des Gesamtverkehrs auf Usedom um 13 und des Schwerlastverkehrs um 32 Prozent – bereits unabhängig vom Tunnelbau. Das Worst-Case-Szenario mit einem Schwerlastanteil von 45 Prozent würde dann eintreten, wenn zusätzlich zum Bau des Tunnels die Tonnage-Begrenzung für Lastwagen am Grenzübergang Garz (bislang 7,5 Tonnen) aufgehoben und die Bundesstraße 110 ausgebaut werden würde.

Das Verkehrsministerium hält die Tonnage-Begrenzung für rechtssicher. Allerdings gibt es auf Usedom inzwischen Forderungen, die B 110 auszubauen. „Wir befürchten, dass damit die Tonnage-Begrenzung kippen könnte“, sagte der SPD-Kommunalpolitiker Günther Jikeli. Er plädierte dafür, nachdem nun Polen Fakten geschaffen habe, die Planungen zur Revitalisierung der südlichen Eisenbahnanbindung nach Usedom zu forcieren.

Ortsumfahrung bei Zirchow geplant

Der Bund hat auf die polnischen Planungen zum Swinetunnel inzwischen reagiert und durch neue Berechnungen der Verkehrsströme den wirtschaftlichen Nutzen einer Ortsumfahrung bei Zirchow anerkannt. Das Land habe den Planungsauftrag für diese Maßnahme erhalten und bereite derzeit die europaweite Ausschreibung der Planungsleistungen vor, sagte eine Sprecherin des Verkehrsministeriums. Sollte die Umfahrung im Planungsprozess gesamtvolkswirtschaftlich positiv bewertet werden, finanziert der Bund den Bau.