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MV aktuell Abgesagte Reisen der „Aidanova“: Aida entschädigt Urlauber
Nachrichten MV aktuell Abgesagte Reisen der „Aidanova“: Aida entschädigt Urlauber
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14:53 26.10.2018
Die „Aidanova“ bei der Überführung in die Nordsee. Quelle: Hero Lang / Meyer-Werft
Rostock/Papenburg

Für die Meyer-Werft in Papenburg und ihre Tochter in Warnemünde, die Neptun-Werft, ist die „Aidanova“ nicht irgendein Neubau. Das knapp eine Milliarde Euro teure Schiff soll für den Familienbetrieb aus Niedersachsen der „Türöffner“ für eine (weiterhin) erfolgreiche Zukunft sein: Der 337 Meter lange Luxusliner ist der erste Luxusliner der Welt, der komplett mit dem schadstoffärmeren Flüssiggas LNG betrieben werden kann. Ein technologischer Quantensprung, der Meyer auf Jahre volle Auftragsbücher bescheren soll. Doch ausgerechnet das Musterschiff bereitet der Werft und der Rostocker Reederei Aida Cruises nun Probleme. Die könnten richtig teuer werden.

„Nicht eine zentrale Ursache“

Erst am Donnerstag hatte Aida alle vier geplanten Vorpremieren-Reise mit dem neuen Flaggschiff absagen müssen. Statt am 15. November soll die „Aidanova“ nun erst am 2. Dezember mit Passagieren in See stechen. Einen Tag zuvor war zudem bekannt geworden, dass es auf dem Neubau, der derzeit zur Endausrüstung in niederländischen Eemshaven liegt, gebrannt hatte. „Das Feuer an Bord war nicht hilfreich, aber es war nicht maßgeblich für die Verzögerungen“, sagte am Freitag der Sprecher der Meyer-Werft, Peter Hackmann, der OZ. Aber ja: Das Unglück habe beispielsweise zur Folge gehabt, dass eine für gestern geplante Erprobungsfahrt auf See abgesagt werden musste.

Das erste vollständig mit Flüssiggas betriebene Kreuzfahrtschiff steht kurz vor der Fertigstellung. Die „AIDAnova“ wurde am Dienstagabend auf der Meyer Werft ausgedockt.

Dass das Kreuzfahrtschiff nicht wie geplant an die Reederei übergeben werden, haben mehrere Gründe: „Es gibt nicht die eine zentrale Ursache“, so Hackmann. „Bei solchen Projekten stehen alle Beteiligten immer unter Zeitdruck. Wir haben noch eine Menge an Bord vor uns, aber Qualität hat höchste Priorität.“ Gerüchte in den sozialen Netzwerken, wonach es bereits mehrmals auf der „Aidanova“ gebrannt habe, dementiert Hackmann. Nach OZ-Informationen sollen die Verzögerungen auch nicht auf den neuen LNG-Antrieb zurückzuführen sein, der auf der Neptun-Werft und beim Rostocker Motoren-Hersteller Caterpillar maßgeblich entwickelt und gebaut wurde. „Natürlich ist bei Prototypen aber immer so, dass es vor der Übergabe noch Verbesserungspotenzial gibt.“

Teurere Probleme für Werft und Reederei

Dennoch: Sowohl für die Meyer-Werft als auch für Aida wird die verzögerte Auslieferung teuer. Werft-Sprecher Hackmann bestätigte auf Nachfrage, dass bereits für die zwei Wochen verspätete Auslieferung eine Vertragsstrafe fällig werde. Um welche Höhe es dabei geht, sei aber vertraulich. „Natürlich reden wir darüber mit unserem Kunden.“ Bei den beiden bislang jüngsten Schiffen der Rostocker Kussmund-Flotte, der „Aidaprima“ und der „Aidaperla“, verzögerte sich die Auslieferung von der japanischen Werft Mitsubishi Heavy Industries jeweils um mehr als ein Jahr. Der Großkonzern musste mehr als eine Milliarde Euro Strafe an die Rostocker Auftraggeber zahlen.

Kunden bekommen Rabatt

Allen Kunden, die Fahrten zwischen dem 15. November und dem 2. Dezember auf der „Aidanova“ gebucht hatten, hat Aida zwischenzeitlich eine Entschädigung angeboten: „Wir werden selbstverständlich den vollen Reisepreise erstatten – und auch alle anderen bereits gebuchten Leistungen“, so Aida-Sprecher Hansjörg Kunze. Zusätzlich erhalten die Urlauber, wenn sie sich für eine andere Reise auf einem anderen Aida-Schiff entscheiden, 50 Prozent Rabatt auf die Buchung. „Wir haben für die Betroffenen eine Sonderhotline eingerichtet, die alle Fragen beantworten kann.“

Sonderhotline: Telefon 0381/20 27 07 40

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Andreas Meyer