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MV aktuell Viel Lärm unter Wasser: Stört das die Pinguine?
Nachrichten MV aktuell Viel Lärm unter Wasser: Stört das die Pinguine?
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00:11 16.05.2018
Tierpflegerin Anne May füttert die Pinguine in der Felsenanlage auf dem Dach des Ozeaneums. Die Tiere werden seit vier Wochen auf den Hörtest vorbereitet.

Stralsund. Das kleine junge Männchen mit dem gelben Kabelbinder am rechten Flügel gibt sich als Musterschüler: Für etwa vier Sekunden berührt der Humboldtpinguin mit seinem Schnabel ein farbiges Brettchen. Zur Belohnung gibt es nach einem Klickgeräusch eine Sprotte aus der Hand von Tierpflegerin Anne May. In der Pinguin-Anlage des Stralsunder Ozeaneums lernen vier Jungtiere, abgeschirmt vom restlichen Bestand, seit etwa vier Wochen stufenweise auf vorgegebene Reize zu reagieren.

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Stralsunder Meeresmuseum erforscht das Hörvermögen der flugunfähigen Seevögel

Mit den trainierten Tieren will das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund später nicht die Besucher beeindrucken. Die Tests haben einen wissenschaftlichen Zweck: Meeresbiologen aus Deutschland und Dänemark wollen das Hörvermögen von Pinguinen erforschen. Die Tiere sollen später anzeigen, wenn sie ein ausgesendetes Tonsignal an Land oder im Wasser gehört haben.

Durch die immer stärkere wirtschaftliche Nutzung der Meere hat der von Menschen verursachte Unterwasserlärm in den vergangenen Jahrzehnten enorm zugenommen: Schiffspropeller erzeugen ein permanentes Brummen. Verankerungen für Bohrinseln und Windräder werden in den Meeresboden gerammt. Das Problem Lärm hat für die Tiere in den Meeren einen ähnlich hohen Stellenwert wie das Problem Müll, ist aber bei weitem noch nicht so in der Öffentlichkeit bekannt“, sagt der Direktor des Meeresmuseums, Harald Benke.

Bislang ist nicht nur unbekannt, ob der Unterwasserkrach Auswirkungen auf das Hörvermögen der Pinguine hat und ob er die Tiere auf ihren Wanderungen durch die Ozeane irritiert. Die Forscher wissen nur ansatzweise, in welchem Frequenzbereich und in welchen Lautstärken diese Vögel hören. Bis auf eine neuseeländische Studie aus dem Jahr 1969 über das Hörvermögen von Brillenpinguinen an Land gebe es weltweit bislang kaum wissenschaftliche Untersuchungen zu dem Thema, sagt der Leiter des Forschungsprojektes, der Stralsunder Meeresbiologe Michael Dähne. „Um künftig auch eine Prognose über die Auswirkungen von Unterwasserschall auf Pinguine zu erstellen, werden zunächst Basisdaten benötigt“, begründet er die nun gestarteten Untersuchungen. In dem auf drei Jahre angelegten Forschungsprojekt wollen die Forscher Audiogramme für verschiedene Pinguin-Arten erstellen. Dazu gehen die Tiere nicht in ein Hörlabor, sondern werden später in Schallkammern an Land und unter Wasser mit unterschiedlichen Tönen und Signalen beschallt. An dem Projekt sind neben dem Meeresmuseum die Süddänische Uni Odense, das Marine Science Center der Universität Rostock und das Berliner Museum für Naturkunde beteiligt. In Stralsund entsteht eine Schallkammer für die Luft-Hörtests. Die Unterwasser-Hörtests sollen in Rostock und in Odense erfolgen. „Pinguine sind amphibische Wesen, Grenzgänger zwischen zwei Welten. Sie leben an Land und im Wasser“, erklärt Dähne. In ihrer evolutionären Entwicklung haben die Pinguine ihre Flugfähigkeit verloren und sich an den Lebensraum Meer angepasst. Sie können lange Zeit auf See verbringen, sich effizient unter Wasser bewegen und jagen. Wie sich diese Anpassungen auf das Hörsystem ausgewirkt haben, sei unklar.

„Die Lernkurve zeigt bei den Humboldtpinguinen steil nach oben“, sagt Tierpflegerin Anne May über ihre Schützlinge, die ohne Scheu um ihre Beine schleichen und neugierig die Hälse recken. Ob die Tiere intelligent seien, mag May noch nicht beurteilen. „Man darf mangelnde Scheu nicht mit Intelligenz verwechseln“, sagt sie.

Martina Rathke

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