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MV aktuell „Viele Abhängige klauen die Opioid-Pflaster von Verwandten“
Nachrichten MV aktuell „Viele Abhängige klauen die Opioid-Pflaster von Verwandten“
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00:01 17.06.2016

Nach dem Tod der 14-jährigen Schülerin Selina aus Wolgast werden Fragen laut, wie Betäubungsmittelkonsumenten an die Schmerzpflaster kommen, ohne sie überhaupt zu benötigen. „Opioide wirken euphorisierend. Sie sollen eigentlich körperliche Schmerzen lindern, aber sie lindern auch seelischen Schmerz“, erklärt Conrad Kretschmar, ärztlicher Leiter der evangelischen Suchtberatung MV. Die Gefahr bestehe jedoch darin, dass eine zu hohe Dosierung zu Atemlähmung führe. Jugendliche griffen oft aus Neugier zu den Pflastern, oft würden sie von drogen erfahrenen Freunden herangeführt. „Bei ihnen wirkt das Fentanyl dann umso stärker, weil sie es nicht gewohnt sind“, warnt der Experte.

Er sieht Fentanylpflaster bislang eher als Randphänomen. „An meiner Klinik ist derzeit einer von 45 Patienten opioidabhängig“, sagt Kretschmar. Allerdings gebe es eine sehr große Dunkelziffer.

Opioide seien häufig nicht das Einzige, was die Abhängigen konsumieren. „Etwa zwei Drittel nehmen auch noch andere Drogen, sind spielsüchtig oder trinken Alkohol“, sagt Kretschmar. Vor allem Alkohol sei in Verbindung mit Opioiden sehr gefährlich, da er die Wirkung verstärke.

An die Pflaster kommen die Abhängigen oft leicht heran, weiß Kretschmar: „Manche Ärzte verschreiben Fentanyl unkritisch. Viele Konsumenten klauen die Pflaster aber auch von Verwandten, denen sie verschrieben wurden.“

Die Behandlung eines Opioid- Abhängigen beginne in 80 Prozent der Fälle mit einer stationären Entgiftung, um die Wirkstoffe aus dem Körper zu bekommen. „Im Rahmen einer Psychotherapie wird anschließend auf die Probleme im sozialen Umfeld geachtet, die vielleicht zur Sucht geführt haben“, beschreibt der Arzt. Dann erforsche der Therapeut die Ressourcen des Patienten, um diese zu stärken und so möglichst das negative Verhalten abzustellen.

Nach Angaben des Landeskriminalamts MV sind Opioide in MV auf dem Vormarsch: „In letzter Zeit haben wir das verstärkt wahrgenommen“, sagt Sprecher Michael Schuldt. Auch wenn Opioide im Vergleich zu anderen Drogen zahlenmäßig nur eine untergeordnete Rolle spielten, werde die Entwicklung mit Sorge beobachtet, da die Gefahr, daran zu sterben, ungleich höher sei. Im Mai 2015 starb ein 57-jähriger Schweriner, der sich ein Pflaster aufgeklebt hatte. „Gehandelt werden die Pflaster wie andere Drogen auch“, sagte Schuldt. Auch Beschaffungskriminalität, wie Diebstähle und Rezeptfälschungen, werde beobachtet.

An einer Überdosis Fentanyl war im April auch Pop-Ikone Prince gestorben. Meist wird zu dem Pflaster gegriffen, wenn andere Drogen nicht mehr wirken. Die Konsumenten sind deshalb oft schon lange Zeit abhängig von Betäubungsmitteln. Neben dem starken Schmerzpflaster greifen viele Leute auch zu Tabletten namens Oxycodon, in der Szene auch „Oxis“ genannt. Neben der normalen Einnahme über den Mund werden sie auch verkleinert und durch die Nase gezogen. In der Regel reden die Menschen dann sehr viel und sind übermäßig „gut drauf“. Auffällig seien die verlangsamte Motorik, Ausfallerscheinungen und die geistige Abwesenheit. Eine längere Einnahme führt auch äußerlich zu Veränderungen, wie grauer Hautfarbe, knöchrigem Gesicht und starkem Gewichtsverlust.

Axel Büssem und Cornelia Meerkatz

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