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MV aktuell „Viele Hoffnungen haben sich erfüllt“
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00:24 15.05.2018
Reihard Dettmann in seinem Büro Quelle: Foto: Bernd Wüstneck/dpa
Teterow

Nach 28 Jahren nimmt Reinhard Dettmann Abschied als Bürgermeister von Teterow. Er bleibt aber Vorsitzender des Städte- und Gemeindetages von Mecklenburg-Vorpommern.

Herr Dettmann, Sie sind seit 1990 im Amt. Wann und warum haben Sie die Entscheidung getroffen, in Teterow die Verantwortung als Bürgermeister zu übernehmen?

Reinhard Dettmann: Während der Wende zog es mich in meiner Heimatstadt an den Runden Tisch. Für mich war sehr schnell klar, dass man nicht nur einreißen kann, sondern auch aufbauen muss. Also studierte ich die neuen Gesetzlichkeiten, und eine zusätzliche Motivation war das Kennenlernen der Partnergemeinden Scheeßel in Niedersachsen und Bad Segeberg in Schleswig-Holstein. Als im Mai 1990 die Kommunalwahlen anstanden, wurde ich in den Kreistag Teterow und kurz darauf mit nur einer Gegenstimme zum Bürgermeister in Teterow gewählt.

Welche Hoffnungen an die Zukunft hatten sie damals – und haben sich diese erfüllt?

Die wichtigsten Fragen waren damals: Wie wird sich das Arbeiten und Wohnen in unserer Stadt gestalten lassen? Wie können wir das, unter Beachtung des Umweltschutzes, durch den Aufbau einer neuen Infrastruktur realisieren? Wird diese Daseinsvorsorge auch durch die Kommune bestimmt werden können? Ja, meine Hoffnungen haben sich zum allergrößten Teil erfüllt. Wir haben fünf neue Gewerbegebiete geschaffen – mit mehr als 70 Neuansiedlungen und über 1500 Arbeitsplätzen. In die Stadtsanierung sind mehr als 30 Millionen Euro investiert worden; da sind die Eigeninitiativen der Bürger noch gar nicht eingerechnet. Neue Eigenheimstandorte sind entstanden, und die stadteigene Wohnungsgesellschaft sanierte und verwaltet mehr als 1000 Wohnungen.

Großen Wert habe ich auch auf das kommunale Miteinander gelegt und stehe seit mehr als 25 Jahren einem zukunftsorientiert arbeitenden Zweckverband für Abwasser und Trinkwasser vor, geführt von den Stadtwerken. Und mit der Glasfasertechnologie werden wir Bürgern und Gewerbe ein vollständiges digitales System zur Verfügung stellen. Sehr wichtig war mir das soziale und kulturelle Miteinander.

Dank des positiven Haushalts können wir auch denen helfen, die es aus eigener Kraft nicht schaffen.

Nach der Wende stieg die Arbeitslosenquote in Teterow auf mehr als 30 Prozent, derzeit liegt sie bei knapp sechs Prozent. Wie war die Wirtschaft in Teterow vor der Wende strukturiert und wie ist sie es heute?

Teterow ist als eine Ackerbürgerstadt ländlich geprägt gewesen. Der Umbruch begann Mitte der 90er Jahre mit der Idee, neue Technologien nach Teterow zu holen. Mir kamen dabei die Beziehungen zur Universität Rostock zugute. Wertvolle Impulse gab auch unser Ehrenbürger Prof. Horst Klinkmann. So sind wir nun seit gut 20 Jahren ein Standort für die Biomedizin mit mehr als 700 Arbeitsplätzen. Und es erfüllt mich mit besonderer Freude, dass weltweit agierenden Firmen wie Miltenyi Biotec und Allmed Medical Industries in Teterow weiter expandieren.

Sie bleiben weiterhin Vorsitzender des Städte- und Gemeindetags MV. Was hat sich seit 1990 in den Kommunen im Wesentlichen verändert?

Die wichtigste Errungenschaft ist, dass kommunale Selbstverwaltung nicht nur ein formaler Begriff blieb. In mehr als 700 Kommunen in MV können die Bürger die Geschicke ihres Ortes in die eigene Hand nehmen. Dabei spielt die finanzielle Ausstattung der Kommunen eine wesentliche Rolle – das Ringen darum durchzieht die gesamte Zeit meines Wirkens im Städte- und Gemeindetag. Es ist ein ständiges Mühen um ein faires Miteinander von Bund, Land und Kommunen. Die Akzeptanz, sich auf Augenhöhe begegnen zu können, muss immer wieder gefordert werden. Das Ziel der gleichwertigen Lebensverhältnisse ist noch nicht erreicht. Derzeit kämpfen wir um ein noch stabileres und gerechteres Kommunales Finanzausgleichsgesetz für die nächsten Jahre.

Mit 68 Jahren gehen Sie als Bürgermeister in den Ruhestand. Können Sie loslassen, und womit werden Sie die Freizeit füllen?

Wenn ich am 1. Juni im Rathaus meinen Abschied nehme, freue ich mich, dass ich eine Reihe von Ehrenämtern noch ausüben darf. Darüber hinaus möchte ich mehr Zeit für die Wissenschaft haben und bleibe im Kontakt mit der Rostocker Universität. Meine Frau und die vier Kinder freuen sich auch schon auf den Gewinn an freier Zeit – und auch die drei Enkel, die auf ihren Opa warten. Meine Frau und ich sind sehr kunstinteressiert, und wir werden viel reisen – im eigenen Land und auch in fernere Orte von Italien bis nach Japan.

Interview: Axel Meyer

Ein Sohn Teterows

Reinhard Dettmann wurde am 19. Mai 1950 in Teterow geboren. Er ging in der Stadt zur Schule und machte dort sein Abitur. Anschließend studierte er Physik und promovierte an der Universität Rostock über die Ladungsverteilung in der Ionosphäre. Im Bereich der Medizin sammelte er als Physiker Erfahrungen in der Stimm- und Sprachakustik. Dettmann war als Parteiloser 28 Jahre lang Bürgermeister in Teterow, das 2017 den Zusatznamen „Bergringstadt“ erhielt.

OZ

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