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Vier Tage Folter: Drei Männer versuchten, Neustrelitzer zu skalpieren

Neubrandenburg Vier Tage Folter: Drei Männer versuchten, Neustrelitzer zu skalpieren

Wegen einer geradezu bestialischen Gewaltorgie müssen sich seit gestern drei Männer vor dem Landgericht Neubrandenburg verantworten.

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Sie schwiegen vor Gericht: Die drei Angeklagten (links, mitte, rechts) mit ihren Anwälten beim Prozess in Neubrandenburg.

Quelle: Susan Ebel

Neubrandenburg. Wegen einer geradezu bestialischen Gewaltorgie müssen sich seit gestern drei Männer vor dem Landgericht Neubrandenburg verantworten. Sie sollen Ende September einen 45-Jährigen in Neustrelitz vier Tage lang gefangen gehalten und schwer gefoltert haben. Die Anklage wirft den 21, 31 und 41 Jahre alten Männern unter anderem Freiheitsberaubung, schwere Körperverletzung und sexuelle Nötigung vor.

Beim Skat fing alles an. Die mutmaßlichen Täter und ihr Opfer saßen erst arglos zusammen, tranken und spielten. Bis einer behauptete, der 45-jährige Ronald G. hätte früher wegen Kindesmissbrauchs im Gefängnis gesessen. Damit begann eine lange Tortur. Die Täter schlugen und traten G., bis dieser unter Druck das — falsche — Gerücht vom Kindesmissbrauch bestätigte. Das stachelte die Gewalt der drei Männer offenbar noch mehr an. Zumindest einer von ihnen gehört dem rechtsextremen Milieu an.

G. wurde mit Stiefeln ins Gesicht getreten, musste Zigarettenkippen schlucken und aus einem Napf trinken, in den die anderen uriniert hatten. Mit einer Fuchsschwanz-Säge versuchten die Täter, den Mann zu skalpieren. Dabei wurde die Schädeldecke verletzt.

Am nächsten Morgen verlegten die Peiniger den Tatort in die Wohnung des 45-Jährigen. Die rasende Quälerei ging weiter. Die Männer überschütteten Kopf und Genitalbereich von Ronald G. mit Benzin und zündeten es an. Ihm gelang es, die Flammen zu ersticken. Er wurde mit Messern gestochen, mit einem Schlagstock malträtiert, ein Finger wurde ihm gebrochen. In den Nächten musste G. auf dem Balkon schlafen, während sich die drei Täter in seiner Wohnung von den Anstrengungen erholten.

Am vierten Tag fotografierten sie ihr Opfer mit einem Schild, auf dem er sich des Kindesmissbrauchs bezichtigt. Das Foto luden sie bei Facebook hoch. Dort entdeckte es ein Mann aus Süddeutschland und alarmierte die Polizei in MV. Beamte befreiten den schwer Verletzten.

Noch sichtbar gezeichnet sah G. gestern seine Peiniger wieder. Die mutmaßlichen Täter sitzen in U-Haft. Die zwei Älteren haben ein langes Vorstrafenregister mit Gewaltdelikten, einer war gerade erst aus der Haft entlassen worden. Zu den Vorwürfen schweigen sie.

Der Vorsitzende Richter Carl Christian Deutsch verhandelte nach eigenen Angaben früher etwa einmal jährlich einen vergleichbaren Fall von extremer Gewalt am Neubrandenburger Gericht. „Seit fünf, sechs Jahren gab es so etwas nicht mehr“, sagt er. Das Urteil fällt voraussichtlich am 4. April.

 



gkw

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