Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 6 ° Regenschauer

Navigation:
Vogelgrippe: Viele Wildvögel infiziert

Schwerin/Greifswald Vogelgrippe: Viele Wildvögel infiziert

Aggressiver Erreger in sieben Nutzgeflügelbeständen in MV. Auch Tierparks sind betroffen.

Voriger Artikel
Schwerin steht im Finale!
Nächster Artikel
Wachstum nur gegen Geld: Hansestadt bittet Umland zur Kasse

In Sperrbezirken (rot) dürfen unter anderem gehaltete Vögel nicht aus dem Bestand entfernt werden. Das Verbot gilt für 21 Tage. An den Eingängen der Ställe müssen Desinfektionseinrichtungen vorhanden sein. In Sperrbezirken und Beobachtungsgebieten (gelb, Transportverbot: 15 Tage) dürfen Hunde und Katzen nicht frei umherlaufen. Geflügel muss in Ställen oder unter Abdeckungen gehalten werden. Täglich kommen neue Gebiete hinzu.

Schwerin/Greifswald. . Die Vogelgrippe weitet sich aus. Der hochpathogene Erreger H5N8 wurde mittlerweile in sieben Geflügelhaltungen in MV nachgewiesen. Die neuesten Fälle betreffen zwei kleine Geflügelställe in Neu Boltenhagen bei Greifswald, informiert das Agrarministerium. Zudem sei in zwei Haltungen im Vogelgrippe-Sperrbezirk von Mesekenhagen (Vorpommern-Greifswald) eine niedrigpathogene H5-Variante nachgewiesen worden. Alle Tiere wurden getötet.

Im Tierpark von Sassnitz auf der Insel Rügen ist ebenfalls ein infizierter toter Vogel entdeckt worden. Die Folge: Der Tierpark ist geschlossen, mehrere Tiere mit direktem Kontakt zum Fundort müssen getötet werden.

Die vergangenen Tage hätten gezeigt, dass man es mit einem wachsenden Seuchengeschehen zu tun habe, sagte eine Sprecherin des Agrarministeriums. Zum Glück seien bislang keine Großtierbestände im Nordosten betroffen. Landesweit gibt es rund 41 600 Geflügelhaltungen mit fast 14,5 Millionen Tieren. Rund 300 Betriebe halten mehr als 1000 Tiere. Eine landesweite Übersicht, in welchen Gebieten welche Beschränkungen bestehen, existiert bislang nicht. Ein Grund: die sich ständig ändernde Lage. „Wir beobachten derzeit ein sehr dynamisches Geschehen mit starken Ausbreitungstendenzen“, erklärt der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts, Thomas C. Mettenleiter.

Fakt ist: Die Rate der positiv getesteten toten Wildvögel ist im Vergleich zur Vogelgrippe H5N1 vor zehn Jahren sehr hoch. Tote Wasservögel würden in der Natur von Füchsen, Mardern oder auch Greifvögeln gefressen, so Mettenleiter. Damit könnten Erreger verbreitet werden. Mettenleiter zufolge muss davon ausgegangen werden, dass infizierte Wildvögel in der Inkubationszeit oder solche Vögel, die gar keine Krankheitssymptome bekommen, als „mobile Virusträger“ die Ausbreitung forcieren. So war der Erreger H5N8, der deutschen Geflügelhaltern Sorge bereitet, im Juni 2016 im russisch-mongolischen Grenzgebiet bei gesund erlegten Graureihern, Haubentauchern, Kormoranen und Möwen nachgewiesen worden.

Bislang gibt es laut Mettenleiter keinen Nachweis, dass Säugetiere an H5N8 erkranken. Dennoch dürfen Katzen und Hunde in den nach Vogelgrippe-Funden verhängten Sperrgebieten derzeit nicht frei herumlaufen. Ziel: Die Viren sollen nicht weiter verbreitet werden, etwa weil der Kot infizierter Tiere an den Pfoten oder im Fell haftet oder weil Hunde oder Katzen sich an toten Vögeln zu schaffen machten.

Nach dem Bekanntwerden des ersten Falles in Neu Boltenhagen habe man begonnen, weitere Ställe im Umkreis zu überprüfen, sagte Holger Vogel, Amtstierarzt in Vorpommern-Greifswald. In einem Nachbarbestand wurde der Erreger auch nachgewiesen. Diese Bestände wurden getötet, ebenso Enten, Puten und Hühner aus zwei privaten Haltungen im Umkreis von Mesekenhagen, wo eine niedrigpathogene H5-Variante bei Enten und Puten gefunden wurde. In Mesekenhagen war vor etwa zwei Wochen das erste Mal der H5N8-Erreger in einer Kleinstgeflügelhaltung in MV entdeckt worden.

Derweil gibt es verstärkt Kritik an der Tötung von Tieren, die mit der weniger gefährlichen H5-Variante infiziert sind. Die Biochemikerin Prof. Karina Reiß vom Universitätsklinikum Kiel erklärt, dass ein Übergang der ungefährlichen in eine gefährliche Form noch nicht beobachtet worden sei. Was sich aktuell abspiele, sei „übertriebener Aktionismus“. Tiere würden unnötig getötet, Bürger verunsichert. Reiß fordert die Änderung der Geflügelpestverordnung. Das Agrarministerium MV widerspricht: Sowohl bei amtlicher Feststellung der hoch als auch der niedrigpathogenen Vogelgrippe sei „die Tötung und unschädliche Beseitigung des Hausgeflügelbestandes anzuordnen“.

Wirtschaftliche Folgen bislang noch gering

Schwerin . Die Geflügelpest wurde bislang bei Vögeln in elf Bundesländern nachgewiesen. In MV und Schleswig-Holstein verendete auch Hausgeflügel. Mehrere Länder verbieten inzwischen die Einfuhr von Geflügel.

Wie groß ist der Schaden bisher?

Für die betroffenen Geflügelbetriebe, die Zehntausende Tiere verloren, ist der Schaden natürlich immens – auch wenn sie von den Tierseuchenkassen entschädigt werden. Hinzu kommen für die gesamte Branche Einbußen durch das Wegbrechen von Exportmärkten. Bisher haben Israel, Japan, Südafrika und Südkorea Einfuhren von Geflügelprodukten verboten.

Welchen Umfang haben die Exporte?

Nach Angaben des Zentralverbandes der Geflügelwirtschaft (ZDG) ist der Anteil der Exporte in Drittländer außerhalb der EU gering. Hauptsächlich produziert Deutschland für den eigenen Bedarf.

Kaufen deutsche Kunden jetzt weniger Geflügelfleisch?

Das ist nach Angaben der Branche bislang nicht zu spüren.

Verringert sich die Legeleistung, wenn ans Freiland gewöhnte Hennen in den Ställen bleiben müssen?

Vorübergehend passiert das durchaus, einen signifikanten Rückgang gibt es jedoch nicht. Oft haben die Hennen auch weiter die Möglichkeit, ans Tageslicht zu kommen – in Wintergärten. Dann fehlen nur Auslauf und frisches Grün.  

Legen aufgestallte Hühner weiterhin Freiland-Eier?

Ja! Rein rechtlich können die Eier von Freiland-Hühnern, die wegen einer tierseuchenrechtlichen Verfügung im Stall gehalten werden müssen, bis zu zwölf Wochen lang als Freiland-Eier verkauft werden.

Danach müssen sie als Eier aus Bodenhaltung vermarktet werden.

Stimmt es, dass Freiland-Hühner im Stall aggressiv werden?

Ja. Um zu verhindern, dass die Tiere einander attackieren, brauchen sie Beschäftigungsmaterial, wie Einstreugetreide und Grünfutter.

Martina Rathke und Thomas Luczak

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Begehrtes Heißgetränk
Tee verkosten im Probierzimmer der Onno Behrends Teeimport GmbH.

Zum Hamburger Hafen ist es nicht weit, das ist die europäische Drehscheibe für den Tee. Und so werden in der Nordheide Teebeutel gefüllt, Milliarden von ihnen. Loser Tee ist auch im Angebot. Doch was ist nun besser?

mehr
Mehr aus MV aktuell
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.