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Vogelgrippe zwingt Puten zum Umzug

Zieslübbe Vogelgrippe zwingt Puten zum Umzug

Stallpflicht für Geflügel: Federvieh soll keinen Kontakt zu Wildvögeln haben / Weitere tote Vögel untersucht

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Mitarbeiter des Biohofs Zieslübbe bei Parchim trieben gestern bisher frei lebende Waldputen zusammen und transportierten sie in speziell vorbereitete Stallanlagen.

Quelle: Jens Büttner/dpa

Zieslübbe. . Die Waldland-Puten von Zieslübbe kennen nichts anderes als Freiheit. Eigentlich sollten die Tiere eines Biobetriebes bei Parchim bis kurz vor Weihnachten im gut drei Hektar großen Areal mit Wald und Wiesen herumlaufen. Vorbei. Wegen des Ausbruchs der Vogelgrippe müssen sie in den Stall. Zugvögel machen den Nordosten Deutschlands zu einem Risikogebiet fürs Federvieh.

 

OZ-Bild

Vom Plauer See wurden am Wochenende zwei tote Wildenten geborgen.

Quelle: Susan Ebel

Ab heute gilt daher in MV landesweiter Einsperrzwang. In Zieslübbe wurden die Puten am Wochenende eingefangen. Acht Mitarbeiter des Hofes treiben die 2400 Puten zusammen. Ausgerüstet mit signalgelben Plastikplanen scheuchen sie die Tiere der englischen Rasse „Kelly Bronze“ in Gatter, um sie per Hand in Hänger zu setzen. Dann werden sie zu nahen Ställen transportiert. Das seien Getreidelagerhallen, in die im Notfall in kürzester Zeit Futter- und Wasserleitungen eingebaut würden, erklärt Armin Kremer, Geschäftsführer des Biohofes, eines Partnerunternehmens des Geflügelverarbeiters Mecklenburger Landpute. Der Betrieb müsse solche Hallen ganzjährig bereithalten.

Zu einer ersten Sitzung war am Samstag der Zentrale Krisenstab Tierseuchen mit Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) zusammengetroffen. Ein Beschluss sieht ein bundesweit einheitliches Vorgehen vor: Laut Ministerium soll die Stallpflicht für Geflügel in besonders gefährdeten Gebieten gelten. Das seien „insbesondere Feuchtgebiete, Rastgebiete von Zug- und Wildvögeln, aber auch Gebiete mit einer hohen Dichte von Geflügelbetrieben“. MV-Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) hatte die Stallpflicht für MV ab heute festgelegt.

Nach dem Nachweis von Geflügelpest in einem Betrieb für Brut-Eier in Schleswig-Holstein sollten dort alle 30 000 Hühner getötet werden. Der Standort bei Schleswig ist die bundesweit erste Massentierhaltung, die von der aktuellen Epidemie betroffen ist. Wie der Erreger in den von der Außenwelt abgeschotteten Bestand gelangen konnte, blieb zunächst unklar.

Das Greifswalder Friedrich-Loeffler-Institut wollte ein Team von Experten schicken, die klären sollten, wie das Virus in die Ställe gelangen konnte. Um den Hof wurde ein Sperrbezirk von drei Kilometern eingerichtet.

Auch in MV häufen sich die Fälle. Das Agrarministerium bestätigte am Wochenende den Nachweis des H5N8-Virus bei mehreren verendeten Tieren: Betroffen sind Reiherenten am Schweriner See, Wildvögel-Kadaver von der Insel Ruden und eine Möwe aus Rostock. 31 tote Enten und Hühner von einem Geflügelhof mit 57 Tieren bei Mesekenhagen (Vorpommern-Greifswald) waren ebenfalls infiziert, der Rest des Bestands wurde gekeult. Eine Ministeriums-Sprecherin sagte gestern: „Wir sind froh, dass wir keinen weiteren Nachweis in einem Nutztierbestand haben.“ Zudem wurden weitere tote Wildvögel mit Verdacht auf den Virus gefunden: zwei Mantelmöwen in Tarnewitz bei Boltenhagen (Nordwestmecklenburg) und ein Mäusebussard auf Ummanz (Rügen). Bei allen drei Tieren bestätigte ein erster Test die Infektion mit dem H5-Virus. Ob die Vögel auch vom Subtyp N8 befallen waren, wird zurzeit auf Riems geprüft.

Freilandputen-Halter Kremer hält die Stallpflicht für richtig: „Der Erreger ist in der Luft und kann jeden treffen.“

Kann man die Weihnachtsgans noch essen?

Greifswald. Die Vogelgrippe mit dem hochpathogenen Erreger H5N8 ist erstmals in Deutschland in einer Massentierhaltung ausgebrochen. 30 000 Hühner in einem Betrieb im schleswig-holsteinischen Grumby werden getötet. Antworten auf wichtige Fragen:

Woran erkennt ein Geflügelhalter eine Infektion in seinem Nutzgeflügelbestand?

Symptome sind zunächst ein drastischer Rückgang des Futterverbrauchs. Dann folgen grippetypische Symptome wie Apathie, Durchfall oder auch ein Einbruch der Eierproduktion. Meist sterben zeitgleich viele Tiere. Es kann aber auch zu einem Massensterben ohne vorherige Symptome innerhalb von 24 bis 72 Stunden nach der Infektion kommen.

Kann H5N8 auf den Menschen übertragen werden?

Bislang sind weltweit keine Übertragungen des H5N8-Erregers auf Menschen nachgewiesen, im Gegensatz zu den Vogelgrippe-Erregern H5N1 und H7N9.  Eine Übertragung des Erregers H5N8 über infizierte Lebensmittel ist laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) „theoretisch denkbar, aber unwahrscheinlich“.

Sind Fleisch und Eier sicher?

Laut BfR gibt es für die Möglichkeit einer Infektion des Menschen durch rohe Eier oder Rohwurst-Erzeugnisse mit Geflügelfleisch von infizierten Tieren bisher keine Belege.

Bei der Verarbeitung sollten die allgemein geltenden Hygieneregeln (Händewaschen, rohe Geflügelprodukte getrennt von anderen Lebensmitteln aufbewahren, gründliches Durchgaren etc.) beachtet werden.

Kann man die Weihnachtsgans

noch essen?

Um gar zu werden, benötigt die Weihnachtsgans eine Kerntemperatur von 90 Grad. Wird die Gans rosa gebraten, braucht es eine Kerntemperatur  von 75 bis 80 Grad. Bei diesen Temperaturen ist der Vogelgrippe-Erreger – sollte das Fleisch tatsächlich infiziert sein – abgestorben. Geflügel sollte grundsätzlich gründlich durchgegart werden.

Grit Büttner

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