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Voll unter Strom: 80-Jährige von ihrem Auto elektrisiert

Reinshagen Voll unter Strom: 80-Jährige von ihrem Auto elektrisiert

Pensionärin Margret Köhler-Gutsch fährt ein E-Auto / In Mecklenburg-Vorpommern ist sie damit eine Exotin / Sie sagt: Es ist viel einfacher, als man denkt

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Froh über ihr Elektroauto: Margret Köhler-Gutsch (80). Sie gehört zu den wenigen Privatpersonen, die in MV ein E-Auto besitzen.

Quelle: GKW

Reinshagen. Demnächst gibt es 4000 Euro Kaufprämie für Elektro-Autos. „Das finde ich überhaupt nicht gut“, sagt Margret Köhler-Gutsch. Die Geldspritze sei ein überflüssiges Geschenk an die Industrie, die das nicht verdient habe. Flott steuert die Pensionärin, die im Dorf Reinshagen bei Satow (Landkreis Rostock) lebt, ihren Elektro-Smart über die Landstraße. Links und rechts ziehen die Alleenbäume vorbei, der Motor surrt wie eine sehr leise Turbine.

Teurer Ladenhüter

176 E-Autos sind in Mecklenburg-Vorpommern zugelassen, die meisten von Unternehmen und Behörden. Der Nordosten ist damit bundesweit Schlusslicht beim Fahren mit dem Saft aus der Steckdose. Laut Auto-Händlern und dem Kfz-Verband des Landes liegt das unter anderem an zu hohen Kaufpreisen, zu geringen Reichweiten der Fahrzeuge und fehlenden Ladestationen.

Beim Thema Elektromobilität hat ihr Wort Gewicht: Die 80-Jährige gehört zu einer Handvoll Privatleute in Mecklenburg-Vorpommern, die nur mit Batterieantrieb Auto fahren — trotz fehlender Ladestationen und geringer Reichweite.

Alles halb so wild, meint die ehemalige Grundschullehrerin: „Es ist viel einfacher, als man denkt.“ Vor drei Jahren trennte sie sich von ihrem Diesel-Golf. Dessen Nachfolger betankt sie an einer gewöhnlichen 220-Volt-Steckdose hinter der Scheune. Nach sechs Stunden ist der Akku bereit für 120 Kilometer. Für ihren Alltag reiche das locker. Und sie ist sich sicher: Viele andere kämen auch damit zurecht. Öffentliche Ladestationen benutze sie nie — sie fährt kostenfrei.

Und auch ihre Umweltbilanz ist makellos: In ihrem Haus und in ihren Wagen fließt kein Strom, der womöglich aus schmutzigen Braunkohlekraftwerken stammen könnte. Die Scheuendächer ihres ehemaligen Bauernhofes, in dem sie geboren wurde, hängen voller Solarmodule. Selbstversorgerin ist die Pädagogin schon lange. 1987, als fast nur Experten wussten, was das ist, besorgte sie sich mit ihrem mittlerweile verstorbenen Mann in den USA Solarmodule. Für trübe Tage installierten sie einen Batterienpark im Keller ihres Hauses in Rheinland-Pfalz. Der Entschluss dazu sei durch die Atomkatastrophe von Tschernobyl ausgelöst worden.

Anfang der 1990er-Jahre kehrte Margret Köhler-Gutsch in ihre alte Heimat zurück, die sie 40 Jahre vorher verlassen hatte. Hier lebt sie mit Schafen, Pfauen, Hühnern und Feriengästen — wenn sie nicht gerade unterwegs ist, etwa um in Hannover gegen TTIP zu protestieren.

Die weiteste Fahrt, die die Mecklenburgerin öfter macht, führt sie zu Verwandten nach Parchim. Bevor es von dort zurückgeht, muss sie nachladen. Will sie weiter weg, nimmt sie den Zug. Eine Panne hatte Margret Köhler-Gutsch noch nie mit dem roten Zweisitzer, der inzwischen 30000 Kilometer auf dem Buckel hat. Allerdings sollte man ein Haus haben. Mieter in der Stadt hätten draußen ja keine Steckdose.

Teuer war der Wagen schon, findet sie. 18 000 Euro bezahlte sie für den E-Smart. Der Akku kostet zusätzlich eine monatliche Leasingrate von 65 Euro. Sie hätte ihn auch für 8000 Euro mitkaufen können.

Das verwarf sie nach streng wirtschaftlicher Betrachtung. „Ich weiß ja nicht, ob ich noch lange genug lebe, bis sich das rechnet“, sagt sie und lächelt verschmitzt.

Zu dem Akku hat sie ein besonderes Verhältnis — den hat ihr Sohn quasi erfunden: Der Ingenieur Andreas Gutsch entwickelte mit seiner Firma Li-Tec im sächsischen Kamenz eine neue Akku-Generation, bei der Keramik die theoretisch mögliche Explosionsgefahr in unbedenkliche Bereiche senkt. Später schluckte Mercedes Li-Tec. So kam Gutsches Akku ins Auto von Frau Köhler-Gutsch. Rabatt bekam sie deshalb nicht. Vergangenen Herbst schloss Mercedes das innovative Akkuwerk, was dem Autobauer viel Kritik einbrachte.

Von Gerald Kleine Wördemann

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