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Vom Starkwind verweht: Erosion gefährdet Äcker in MV

Schwerin Vom Starkwind verweht: Erosion gefährdet Äcker in MV

Fünf Jahre nach der Massenkarambolage in einem Sandsturm bei Rostock mit acht Toten legt Agrarminister Till Backhaus das bundesweit erste Bodenerosionskataster vor

Schwerin. Rund ein Drittel der Ackerflächen in Mecklenburg-Vorpommern sind nach Angaben von Agrarminister Till Backhaus (SPD) durch Winderosion gefährdet. Die Bewirtschafter dieser Flächen sollten die damit verbundenen Gefahren mit verschiedenen Maßnahmen verringern, sagte Backhaus gestern in Schwerin. Dazu gehöre der Verzicht auf das Unterpflügen der Stoppeln. Außerdem sollte die Saat nicht mit Walzen angedrückt werden, da der Boden dadurch sehr feinkörnig werde. Felder sollten im Winter begrünt werden, um dem Wind weniger Angriffsmöglichkeiten zu bieten.

Backhaus verwies auf Fördermöglichkeiten durch die sogenannten Agrar-Umwelt-Maßnahmen. Aktuell nutzten Bauern diese für 57000 Hektar Ackerflächen. Backhaus legte das nach seinen Worten bundesweit erste Bodenerosionskataster vor. Die darin geleistete Erfassung und Bewertung einzelner Erosionsereignisse sei die Grundlage, um den Bauern Empfehlungen zur Bearbeitung und Gestaltung ihrer Flächen zu geben, sagte der Minister. Dies werde angesichts zunehmender Frühjahrsstürme in noch vegetationslosen Zeiten immer wichtiger. Vor fünf Jahren, am 8. April 2011, hatte ein Sandsturm auf einem Feld eine Staubwolke auf die A 19 bei Rostock geweht. Daraufhin kam es zu einer Massenkarambolage mit acht Toten. In das Kataster sind Backhaus zufolge bislang 35 Wasser- und 30 Winderosionsereignisse aufgenommen worden. Das Kataster gebe erstmals einen strukturierten Überblick darüber, welche Flächen besonders in den Blick genommen werden müssten. Von Winderosion seien vor allem sandige Standorte betroffen, wie sie in den Landkreisen Ludwigslust-Parchim, Vorpommern-Greifswald und Vorpommern-Rügen vorkommen. Wassererosion könne überall gerade im Sommer auftreten, wenn die Böden hart seien und große Mengen Wasser eines starken Niederschlags nicht aufnehmen könnten.

Die Umweltschutzorganisation BUND kritisierte das Kataster als nicht weitreichend genug. „Was wir brauchen und worauf alle seit langem warten, ist der Bodenzustandsbericht für Mecklenburg-Vorpommern“, sagte BUND-Agrarexperte Burkhard Roloff. Dieser Bericht sollte Roloff zufolge schon 2013 vorgelegt werden und sei jetzt auf 2017 verschoben worden. Darin müsse stehen, wie der Zustand der Böden ist und welche Maßnahmen ergriffen werden müssen.

Auch der Vorsitzende der Grünen im Landtag, Jürgen Suhr, zeigte sich unzufrieden. Das Erosionskataster bringe keine neuen Erkenntnisse. Es bringe nichts, der Öffentlichkeit zu zeigen, wie tief und breit durch Wasser verursachte Erosionsrinnen auf Maisfeldern sind. Das sei bekannt. „Viel wichtiger ist es zu erfahren, was die Landesregierung zu tun gedenkt, um die Wind- und Wassererosion von Ackerböden endlich wirksam zu unterbinden.“ Da bleibe der Minister Antworten schuldig.

Von Iris Leithold

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