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Von der Huf- zur Hightech-Schmiede

Altkalen Von der Huf- zur Hightech-Schmiede

Die Familie Freudenfeld führt ihren Betrieb in vierter Generation – mit Sinn für Tradition und Mut zu Neuem

Altkalen. Ein jeder ist seines Glückes Schmied, und wer rastet, der rostet: Was klingt wie Binsenweisheiten, ist das Erfolgsgeheimnis der Freudenfelds. Seit 110 Jahren führt die Familie ihren Handwerksbetrieb im beschaulichen Altkalen (Kreis Rostock). Vier Generationen haben es geschafft, Tradition und Innovation zu verschmelzen und so eine kleine Dorfschmiede zum hochmodernen Metallbau-Unternehmen zu machen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hämmerte Opa noch Hufeisen in Form und lötete Kochtöpfe von Bauersfrauen. Heute bearbeiten 30 Mitarbeiter mit Schweißrobotern und Laser-Rohrschneidern Edelstahl und Blech für die Kfz-Industrie. Geglückt ist der Wandel, weil es die Freudenfelds seit jeher verstehen, wirtschaftliche Herausforderungen und politische Widrigkeiten mit eisernem Willen und Mut zu meistern.

Firmenchef und Meisterschmied Christian Freudenfeld brennt seit Kindertagen für sein Handwerk. „Ich hab’ mich nach der Schule immer durch Vaters Werkstatt geschlichen. Mutter hat geschimpft, weil ich dann so dreckig war. Aber ich konnte nicht anders. Ich musste in die Schmiede.“ Aus kindlicher Neugier wird beruflicher Ehrgeiz. Zusammen mit seinem Bruder Ulrich packt der Schmied im väterlichen Betrieb mit an. „Mit der Revolution im Kopf“, scherzt Freudenfeld. Kümmerte sich der Senior bis dato noch um Drillmaschinen, Eggen und Pumpenanlagen, setzen die Gebrüder alles daran, neue Geschäftsfelder zu erschließen. Ob beim Bau von Rindermastanlagen oder als Zulieferer der Warnowwerft – wo immer sich eine Tür auftut, gehen die Altkalener hindurch. Ihre Bereitschaft, etwas zu riskieren, zahlt sich meistens aus.

Und doch muss die Familie gleich mehrmals um die Existenz der Firma bangen. Beide Weltkriege hat die von Opa Robert gegründete Schmiede zwar überstanden. Doch zu DDR-Zeiten hing die Selbstständigkeit am seidenen Faden: Erst wollte man den Betrieb 1961 in eine LPG zwingen, 1972 dann mit anderen Firmen zum VEB verschmelzen. Die Freudenfelds aber blieben standhaft und zeigten renitenten Bonzen sprichwörtlich, wo der Hammer hängt. „Glücksmomente“ nennt Christian Freudenfeld solche Augenblicke, in denen die Familientradition so leicht hätte zu Ende sein können. Dabei sind es wohl mehr als nur Beweise dafür, dass es Fortuna gut mit ihnen meint. Sie zeigen, dass die Handwerker für ihren Betrieb und das Erbe ihre Vorfahren glühen.

1978 übernehmen Christian und Ulrich die Geschäfte vom Vater. Das Wohnungsbaukombinat wird einer ihrer größten Kunden. Als die Mitbewerber zunehmen, satteln die Freudenfelds abermals um und steigen in die Fahrzeugindustrie ein. Heute fertigen die Altkalener Stahl- und Aluminiumkonstruktionen, beliefern Kfz-Bauer und die Windindustrie. Hammer und Amboss kommen dabei nur noch selten zum Einsatz. Dafür Hightech. Neuzugang im Maschinenpark ist ein Laser-Rohrschneider, mit dem Treppengeländer und Kastenprofile gefertigt werden. Das Gerät hat Christian Freudenfelds Neffe Stefan (36) angeschafft. Mit dem leitet der 63-Jährige die Firma, seit sich Bruder Ulrich vor acht Jahren zur Ruhe setzte. Wie einst er selbst hat auch sein junger Kompagnon viele neue Ideen. Einen brandneuen Onlineauftritt zum Beispiel. Den Segen des Altmeisters hat er. „Stillstand ist Rückstand“, sagt Christian Freudenfeld. Das gilt für den Betrieb wie für ihn selbst.

Ende des Jahres übergibt er seine Geschäftsanteile an seine Tochter. Zum alten Eisen gehöre er dann trotzdem nicht, stellt der sympathische Schmied klar. „Ich bin kein Mann, der sich auf ’ne Bank setzt und von der Sonne bescheinen lässt.“ So wird er den Metallbauern auch weiter einheizen. Zum Beispiel den Lehrlingen, von denen der Betrieb erstmals seit Jahren wieder einen hat. Der muss, bevor er in die Produktion darf, an die Esse. „Kann ja nich’ schaden. Er soll wissen, wie traditionelles Handwerk geht“, sagt Christian Freudenfeld und lacht. Und schließlich hat auch bei ihm das Schmiedefeuer einst die Leidenschaft für den Beruf entfacht.

Antje Bernstein

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