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00:00 10.09.2018
Rostock/Syktywkar

In Russland träumt man von einem Haus im Süden, wo es ganzjährig warm und sonnig ist. Dementsprechend ziehen viele Menschen aus dem Norden weg, riesige Gebiete bleiben dünn besiedelt zurück. In Deutschland ist es umgekehrt: Viele Rentner wollen ihren Lebensabend an der Küste verbringen. Die Moskauer Journalistin und OZ-Praktikantin Uliana Bondarenko, die in der Taiga im europäischen Teil Russlands aufwuchs, hat Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den nördlichen Regionen der beiden Länder untersucht.

Norden trifft Norden: OZ-Praktikantin Uliana Bondarenko vergleicht ihre Heimat mit ihrem deutschen Gastland

Fischeis statt Fischbrötchen

In Norddeutschland stehen – vor allem bei Touristen – Fischbrötchen hoch im Kurs.

Auch in Nordrussland wird viel Fisch gegessen: Maräne, Hecht, Stint oder Weißfisch. Man kann ihn kalt geräuchert, getrocknet oder roh genießen – je nach Geschmack. Populär ist Stroganina – frisch gefrorener Fisch in dünne Streifen geschnitten. Eine weitere Spezialität in Nordrussland ist Hirsch. Jukola ist getrocknetes Hirschfleisch mit Gewürzen, daneben gibt es Wurst aus Hirschfleisch oder Fleischchips. Als Beilagen werden meist Preiselbeeren, Blaubeeren, Moosbeeren, Moltebeeren oder Pilze gereicht.

Mehr Geld statt weniger

Die Regionen in Russland, in denen das Klima extrem rau ist und die Verbindung mit dem Rest der Welt im Winter oft abgeschnitten wird, bezeichnet man als Extremnorden. Aufgrund der harten Arbeits- und Wohnbedingungen erhalten die Arbeitnehmer vom Staat einen „Nord-Bonus“. Damit sollen die Menschen in diese dünn besiedelten Gebiete gelockt werden. Die Zusatzleistungen umfassen einen längeren Urlaub (40 Tage statt 28), früheren Rentenbeginn und Wohngeld. Der Hauptbonus ist der Zuschlag zum Gehalt. In der Stadt Workuta, ein ehemaliges Arbeitslager, bekommen Arbeiter bis zu 80 Prozent mehr Geld als anderswo in Russland. Auch die Immobilienpreise sind hier die niedrigsten im Land. Trotzdem nimmt die Bevölkerung von Workuta prozentual am stärksten in Russland ab.

Die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern erhalten keine Lohnzuschläge, stattdessen müssen sie mehr arbeiten als in allen anderen Bundesländern (im Schnitt 1353 Stunden im Jahr). Im Nordosten verdienen die Arbeitnehmer auch deutschlandweit am wenigsten – 27520 Euro pro Jahr. Und die Zahl der Urlaubstage liegt zwischen 21 und 25 Tagen – nur rund halb so viele wie in Nordrussland.

In Schleswig-Holstein liegt Arnis, die mit 0,45 Quadratkilometern flächenmäßig kleinste Stadt Deutschlands. Derzeit leben dort 280 Menschen.

Im Norden Russlands wiederum liegt die größte Stadt des Landes: Norilsk ist mehr als viermal so groß wie Moskau und genau 10000- mal größer als Arnis: 4500 Quadratkilometer. Die Einwohnerzahl der nördlichsten Stadt der Erde liegt bei 178000. Aufgrund der Nickel-Produktion leidet die Stadt unter einer starken Umweltverschmutzung.

Verständigung statt Sprachgewirr

Die niederdeutsche Sprache ist als Plattdeutsch bekannt. Im Teilen Schleswigs wird daneben noch Dänisch und Nordfriesisch gesprochen. Hier finden sich häufig zweisprachige Ortsschilder. Probleme gibt es vor allem, wenn Norddeutsche auf Bayern oder Schwaben treffen: Hier ist eine Verständigung oft nur schwer möglich.

Auch in Nordrussland gibt es Dialekte. Generell sind sie weniger ausgeprägt als im deutschen Sprachraum. Die Unterschiede liegen nur in einigen lokalen Wörtern und in der Aussprache. Daher verstehen sich Russen eigentlich immer gut – zumindest sprachlich. In der nordischen Republik Komi wird außer Russisch noch Komi gesprochen. Deswegen gibt es in diesem Gebiet zweisprachige Ortsschilder und lokale Fernsehsendungen werden teils auf Russisch, teils auf Komi ausgestrahlt.

Weiße Nächte statt kalter Ostsee

Der russische Norden ist kein beliebtes Reiseziel. Die Russen bevorzugen Urlaub in der Wärme, etwa in Sotschi am Schwarzen Meer. Die westlichste Großstadt Russlands, Kaliningrad (früher Königsberg), liegt zwar an der Ostsee, aber auch im Sommer ist die Wassertemperatur nicht immer angenehm. Und Russen wollen im warmen Meer schwimmen und sich am Strand in der Sonne bräunen.

In Deutschland ist dagegen Mecklenburg-Vorpommern mit Badeorten wie Warnemünde oder Kühlungsborn das beliebteste Sommerreiseziel des Landes. Nord- und Ostsee sind trotz ihrer meist kühlen Temperaturen bei Touristen sehr gefragt – was nicht verwunderlich ist, sind sie doch die einzigen Meere des Landes.

Aber auch die Attraktivität der nördlichen Reiseziele in Russland wächst. Kultur- und Wandertourismus nimmt zu. In den Republiken Karelien und Komi liegen viele Naturschutzgebiete und Nationalparks.

Beliebt sind in Nordrussland die „weißen Nächte“ rund um die Sommersonnenwende. Weltberühmt sind sie in St. Petersburg, aber am längsten ist dieses Phänomen in nördlichen Städten wie Murmansk zu sehen.

Übrigens kann es im Sommer auch im Norden Russlands richtig heiß werden – heißer sogar noch, als es im Supersommer 2018 in Norddeutschland war.

Uliana Bondarenko

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