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Von der Wehrmacht verbuddelt: Tonnenweise Munition geborgen

Schwerin Von der Wehrmacht verbuddelt: Tonnenweise Munition geborgen

Bomben, Zünder und Granaten: Munitionsberger holen gefährliche Kriegsrelikte aus dem Erdboden und dem Meer

Schwerin. Explosive Relikte aus dunkler Vergangenheit kommen ans Tageslicht: Fast zwei Tonnen Munition der Wehrmacht wurden bei Bauarbeiten im Ort Grambow, zwischen Stettin und Pasewalk, entdeckt. Die Experten des Munitionsbergungsdienstes Mecklenburg- Vorpommern (MBD) rückten sofort aus und bargen das größte Lager, das im vergangenen Jahr im Nordosten entdeckt wurde. Gut möglich, dass die Wehrmacht auf dem Rückzug dort Sprengstoff, Handgranaten, Infanteriemunition und Panzerfäuste verbuddelt hatte.

Nicht nur bei Grambow nahe der polnischen Grenze wurden im vergangenen Jahr gefährliche Kampfmittel entdeckt. Auch mehr als 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg schlummern gefährliche Überreste im Erdboden oder auf dem Grund der Ostsee. Insgesamt barg der MBD 74 Tonnen Munition (2014: 58 Tonnen) – von Handwaffenmunition bis zu mehreren hundert Kilogramm schweren Bomben. Etwa in Rostock: Dort wurden im Sommer eine 125 Kilogramm schwere Brandbombe sowie im August Teile einer Sprengbombe von 500 Kilogramm gehoben.

„Menge oder Gewicht der geborgenen Munition sagen allerdings nichts über die Brisanz der Kampfmittel aus“, erklärt der Schweriner Innenminister Lorenz Caffier (CDU). Oft sei es die „kleine, äußerlich eher unscheinbare Munition, die ein wesentlich höheres Gefahrenpotenzial birgt“. Denn kleine Kampfmittel würden häufig unterschätzt. Caffier warnt: Eine tödliche Wirkung könne bereits eine nur zwei Zentimeter große Granate haben.

Auf einem 40 Hektar großen Gelände der ehemaligen Munitionsanstalt Torgelow (Vorpommern- Greifswald) fanden die Experten insgesamt 38 Tonnen Zünder, Infanteriemunition, Granaten und Bomben. Für Aufsehen sorgten die Granatenfunde am Strand von Boltenhagen (Nordwestmecklenburg). Auf der Insel Hiddensee wurde der Strand erstmals mit einem Siebverfahren aufgespült. Das Ergebnis: Im Siebkorb mit einer Maschenweite von 1,2 Zentimeter blieben mehr als 300 Kampfmittel hängen, darunter Flugzeug-Bordwaffenmunition und Zünder.

Es werde noch viele Jahre dauern, bis die gefährlichen Hinterlassenschaften aus Wäldern, ehemaligen Militärflächen oder den bombardierten Städten beseitigt sind, betont Caffier. Grundsätzlich gehe für die Bevölkerung von diesen Flächen aber „keine unmittelbare Gefahr aus“. Wer verdächtige Gegenstände entdeckt, solle diese nicht berühren, sondern sofort die Polizei oder Ordnungsbehörde informieren. Die 35 Mitarbeiter des Munitionsbergungsdienstes waren im vergangenen Jahr zu 375 sogenannten Soforteinsätzen ausgerückt. Caffier: „Wo Gefahr im Verzug ist, wie im letzten Jahr an den Stränden, wird sofort beräumt.“

Älteren Angaben zufolge sei in MV von knapp 150000 Hektar bekannt, dass die Flächen mit Kampfmitteln belastet sind. Davon lägen 83000 Hektar an Land und fast 65000 Hektar in der Ostsee.

Axel Meyer

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