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MV aktuell Vorsicht rutschig: Biker jetzt besonders gefährdet
Nachrichten MV aktuell Vorsicht rutschig: Biker jetzt besonders gefährdet
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03:38 07.09.2013
Patrick Bublat (22) überlebte einen Unfall und fährt jetzt nur noch auf Rennstrecken. Quelle: Matthias Trenn
Schwerin

Quietschende Reifen, ein dumpfer Aufprall und dann gespenstige Stille. Minuten vergehen, bevor Sirenenlärm die Ruhe durchbricht. Eigentlich wollte Patrick Bublat das herrliche Wetter nutzen und den Spätsommer auf seinem Motorrad genießen. Sein Vorhaben wurde jäh gestoppt — ein Auto erfasste ihn an einer Kreuzung in Vorpommern. Bublat hatte Glück im Unglück. Er brach sich beide Handgelenke und erlitt schwere Prellungen. „Das hätte anders ausgehen können“, sagt der 22-Jährige heute. Immer wieder kommt es zu Motorradunfällen, bei denen es Tote und Schwerverletzte gibt. „Bei schönem Herbstwetter verzeichnen wir einen Anstieg von Zweiradunfällen“, sagt Peter Hinz, leitender Oberarzt der Abteilung Unfall- und Wiederherstellungschirurgie am Universitätsklinikum Greifswald.

Vor drei Wochen starben innerhalb nur weniger Stunden drei Motorradfahrer auf den Straßen Mecklenburg-Vorpommerns. „Das war ein schwarzer Tag. Alle drei waren sogenannte Alleinunfälle, bei denen kein anderer Verkehrsteilnehmer beteiligt war“, berichtet Detlev Mahlke. Seit 1999 ist Mahlke Polizei- und Gerichtsgutachter bei der Sachverständigenorganisation Dekra in Schwerin. Die Zahl nimmt zu.

„Dafür gibt es verschiedene Erklärungsmodelle“, sagt Michael Lenzen. Für den Vorsitzenden des Bundesverbandes der Motorradfahrer steht fest: „Unerfahrenheit, immer schlechter werdende Straßen, Selbstüberschätzung und die hohe Zahl an älteren Quereinsteigern sind die Hauptgründe.“

Patrick Bublat blieb nach seinem Unfall eine Woche im Krankenhaus. Die Trümmerbrüche in den Handgelenken wurden mit Platten stabilisiert. „Seitdem fahre ich nicht mehr auf öffentlichen Straßen — die Angst ist zu groß“, sagt er. Stattdessen lebt Bublat seine Leidenschaft auf Motocrossstrecken aus und nimmt an Rennen teil.

Die Unfallchirurgen der Uniklinik Greifswald unterscheiden bei den Opfern zwei Kategorien. „Es gibt die jungen rasanten Fahrer und die ältere Gruppe der über 50-Jährigen“, bilanziert Oberarzt Hinz.

Die jüngere Fraktion sei häufig mit Maschinen unterwegs, die in der Spitze 300 Kilometer pro Stunde erreichen. „Passiert etwas, verletzen sich die Fahrer meist an der Wirbelsäule, im Hals- und Brust- oder Beckenbereich“, berichtet Hinz. Häufig seien die Schäden irreparabel und führten zu einer Querschnittslähmung — und oft zum sofortigen Tod. Auch Beckenbrüche seien eine typische Folge, „die Patienten verlieren viel Blut und schweben in akuter Lebensgefahr.“ Die Wucht des Aufpralls sorge außerdem dafür, dass Organe wie Milz, Leber, Darm oder Lunge Schäden davontragen können. „Dank der neuartigen Helme verzeichnen wir einen Rückgang der schweren Schädel-Hirn-Traumata“, so Hinz. Die ältere Bikerfraktion sei hingegen meist auf bis zu 300 Kilogramm schweren Maschinen unterwegs.

Hinz: „Bei einem Unfall sind dort Quetschungen sowie Arm- und Beinbrüche zu beobachten.“

Sachverständiger Mahlke sieht im Herbst das Laub, die Nässe und die tief stehende Sonne als zusätzliche Risikofaktoren. Motorradunfälle in der Zukunft ganz zu verhindern sei fast ausgeschlossen. „Der Bundesverband der Motorradfahrer bietet die Teilnahme an Sicherheitstrainings und appelliert in Form von Aufklärungsarbeit an die Vernunft der Zweiradführer“, sagt Lenzen. Fahrlehrer John Wudtke meint: „Wir als Ausbilder sind genauso in der Pflicht — nur eine gute Ausbildung kann Unfälle verhindern.“

Ministerium sieht Rückgang bei verletzten Fahrern

571 motorisierte Zweiradfahrer verunglückten insgesamt 2012 auf den Straßen Mecklenburg-Vorpommerns.
11 Kradfahrer verloren dabei ihr Leben.

185 verletzten sich schwer und 375 wurden leicht verletzt.

Die Tendenz in diesem Jahr ist insbesondere bei den schwer und leicht verletzten Kradfahrern rückläufig. Genauere Zahlen konnte das zuständige Ministerium für Inneres und Sport noch nicht mitteilen. Die Mehrzahl der tödlichen Verkehrsunfälle motorisierter Zweiradfahrer ereignet sich auf Landstraßen. Häufig ist individuelles Fehlverhalten der einzelnen Verkehrsteilnehmer unfallursächlich.

Matthias Trenn

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