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Wachdienste in Asylheimen: Nette Worte statt Befehlston

Rostock Wachdienste in Asylheimen: Nette Worte statt Befehlston

Nachts in der Flüchtlingsunterkunft: Die Bewohner schlafen, dennoch ist das Licht in manchen Räumen und Fluren noch an.

Rostock. Nachts in der Flüchtlingsunterkunft: Die Bewohner schlafen, dennoch ist das Licht in manchen Räumen und Fluren noch an. „Viele Flüchtlinge sind wegen ihrer Erlebnisse auf der Flucht traumatisiert und wollen nicht im Dunkeln schlafen“, erklärt Hikmat Al-Sabty. Der Wachdienst weiß Bescheid und lässt das Licht brennen.

 

OZ-Bild

Michael Stiewe (46) vor einer Flüchtlingsunterkunft im Rostocker Seehafen.

Quelle: Frank Söllner

Der gebürtige Iraker Al-Sabty ist migrationspolitischer Sprecher der Linksfraktion im Schweriner Landtag. Er berät unter anderem die Rostocker Sicherheitsfirma ABS, wie sie mit muslimischen Flüchtlingen umgehen kann. „Frauen sollten nicht angefasst und verheiratete Frauen nur in Begleitung ihrer Ehemänner angesprochen werden“, rät Al-Sabty. Besondere Rücksicht bräuchten traumatisierte Bewohner. Neben dem Nachtlicht empfiehlt Al-Sabty den Wachleuten vor allem, nicht zu laut zu sprechen.

Bei ABS wurden die Ratschläge umgesetzt, konstatiert Al-Sabty. Geschäftsführer Jörg Hübner hat die Anregungen auch gerne aufgegriffen – mit Erfolg: „Wie man in den Wald ruft, so schallt es zurück. Und wir haben erstaunlich wenige Probleme zwischen Bewohnern und unseren Mitarbeitern.“

ABS war unter anderem für die Sicherheit in der Notunterkunft Mühlengeez (Landkreis Rostock) zuständig, in der zeitweise bis zu 1150 Menschen untergebracht waren. Beschwerden habe es dort gar keine gegeben, dafür aber viele positive Kontakte, sagt Hübner. „Wir halten unsere Mitarbeiter an der Wache dazu an, Flüchtlinge zu grüßen, wenn sie vorbeigehen. Teilweise waren diese davon sehr überrascht. Manche haben auch gesagt: ,Danke, dass ihr da seid.’“

Konflikte gab es vor allem rund um die Essenausgabe: „Die Flüchtlinge sind ohnehin in einer schwierigen Situation. Wenn dann auch noch das Essen nicht passt, wird es irgendwann unangenehm“, sagt Hübner. Zweimal gab es Probleme mit weiblichen Mitarbeitern: „Einige Männer wollten sich von Frauen nichts sagen lassen“, erinnert sich Hübner. „Ich bin dann persönlich hingefahren und habe den Betroffenen erklärt, dass das nicht geht.“

2015 waren im nordrhein-westfälischen Burbach skandalöse Zustände in einer Asylunterkunft bekannt geworden: Sicherheitsleute hatten Flüchtlinge gedemütigt und regelrecht gefoltert. Um so etwas zu verhindern, achtet Hübner genau auf die Auswahl seiner Mitarbeiter: „Wir setzen zu 80 Prozent Kollegen ein, die schon seit Jahren bei uns sind. Sie müssen belastbar und kommunikativ sein, um in Stresssituation ruhig bleiben zu können.“

Ausländerfeindlichkeit werde nicht geduldet, betont Hübner. „Eine neue Mitarbeiterin hatte sich auf Facebook rechtsextrem geäußert. Ein Kollege hat das gesehen und uns gemeldet. Daraufhin wurde der Frau sofort gekündigt.“

Die Vorsitzende des Flüchtlingsrats MV, Ulrike Seemann-Katz, kennt noch weitere Fälle: „Es gab Wachdienst-Mitarbeiter, die sich bei Einwohnerversammlungen abfällig über Flüchtlinge geäußert haben.

Manche haben Einstellungen, die nicht gerade fremdenfreundlich sind.“ Manchmal würden Flüchtlinge im Kasernenhofton angeherrscht. Das seien aber Einzelfälle.

Seemann-Katz verweist auf die Firma WSD: In einer Schweriner Unterkunft arbeitet Asmala Musuf als Wachmann. Der 51-jährige Nigerianer war 1991 selbst als Asylbewerber nach Schwerin gekommen und kümmert sich jetzt um Neuankömmlinge: „Mein Vorteil ist, dass ich das, was diese Leute durchmachen, selbst erlebt habe“, sagt Musuf. Einige seiner deutschen Kollegen hätten durchaus Vorbehalte gegen Asylbewerber gehabt: „In solchen Fällen versuche ich, Vorurteile im Gespräch abzubauen.“

Linken-Politiker Al–Sabty ist mit der Entwicklung zufrieden: „Ich war immer ein Gegner von Sicherheitsfirmen, aber inzwischen habe ich meine Meinung geändert: Es ist wichtig, dass jemand nach dem Rechten schaut und da ist, falls etwas passiert.“

Axel Büssem

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