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MV aktuell Wärmedämmung: Studie sorgt für Ärger
Nachrichten MV aktuell Wärmedämmung: Studie sorgt für Ärger
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04:07 13.04.2013
Wolfgang Waldmüller (CDU) Quelle: Dirk Mathesius

Hick-Hack um Energie- Studie: Der Energieverbrauch in Wohnhäusern soll bis 2050 um 80 Prozent gesenkt werden. So will es die Bundesregierung. Eine im Auftrag der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) erarbeitete Studie sorgt jetzt für Streit: Die Kosten der energetischen Sanierung von Häusern in den nächsten 37 Jahren — dafür müssten 838 Milliarden Euro investiert werden — überstiegen deutlich die Einsparungen bei den Heizkosten in Höhe von 370 Milliarden Euro. Davon hat sich der Auftraggeber KfW distanziert: Die Energiekostenersparnis würde die Mehrausgaben der energieeffizienten Sanierung finanzieren. In MV wollen Verbraucherschützer und Parteien, dass mehr Häuser als bisher wärmegedämmt werden, neue Fenster und effiziente Heizungen erhalten.

„Pauschale Beurteilungen, die auf einzelnen Studien beruhen, sind immer mit Vorsicht zu genießen“, sagt Horst-Ulrich Frank, Fachberater Bauen/Energie der Verbraucherzentrale MV. Es sei von Vorteil, das ganz konkrete Sanierungsprojekt zu sehen. Zwei Fragen müssten geklärt werden: Ist die Sanierung sinnvoll? Und ist sie wirtschaftlich?

Für die energetische Sanierung von Häusern seien in MV seit 2008 rund 4,5 Millionen Euro EU-Mittel ausgereicht worden, sagt Steffen Wehner vom Energieministerium in Schwerin. Jedoch nur bei Wohnungsbauunternehmen und nur über den gesetzlichen Standard hinaus. „Ein Beispiel ist eine neue Biomasse-Heizungsanlage für einen Wohnblock“, sagt Wehner.

Das reicht bei weitem nicht aus, heißt es von der Linken in MV. Um die Sanierungsquote wesentlich zu erhöhen, müssten Bund und Land deutlich mehr fördern, erklärt Mignon Schwenke, energiepolitische Sprecherin der Landtagsfraktion. „Die KfW-Programme sind von 1,8 auf fünf Milliarden Euro jährlich aufzustocken.“ Die Landeswohnraumförderung sei mindestens zu verdoppeln. Bislang fange der sinkende Verbrauch von Heizenergie die explodierenden Energiekosten nicht auf. Um die horrenden Nachzahlungen abzufedern, müssten beim Wohngeld die Heizkosten berücksichtigt werden.

Etwa 80 Prozent des Gebäudebestands in MV seien vor 1995 errichtet worden, berichtet Rudolf Borchert, energiepolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion. „Auch wenn davon mittlerweile einige saniert worden sind, besteht hier weiterhin ein großes Energieeinsparpotential.“ Die energetische Sanierung müsse als Gesamteinheit betrachtet werden. Eine neue Heizungsanlage entfalte etwa ihre volle Wirkung erst, wenn auch das Gebäude optimal gedämmt ist.

„Die Ausgaben der Hauseigentümer und Mieter lassen sich durch die erzielbare Energieeinsparung nicht refinanzieren“, betont Wolfgang Waldmüller, wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion. Effiziente Heizsysteme, solide Fenster und Wärmedämmung müssten zwar weiter gefördert werden. Im Altbau jedoch gehöre die teure Fassadendämmung auf den Prüfstand, zumal es wegen Schimmelbildung, Algenbewuchs und Problemen des Brandschutzes massive Fragezeichen gebe.

„Bei einem zuvor ungedämmten Haus rechnet sich eine Wärmedämmung schon durch die eingesparten Energiekosten“, sagt Johann- Georg Jaeger, energiepolitischer Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Energie lasse sich durch verbesserte Wärmedämmung, neue Fenster, regelbare Heizungen und ein verändertes Nutzerverhalten einsparen. Die Energiereduzierung müsse zukünftig stärker aus Steuermitteln finanziert werden, um so die Mieter zumindest teilweise zu entlasten.

Brandgefährlich: Dämmung aus Styropor
Wärmedämmungen aus Polystyrol (Styropor) können brandgefährlich werden. Versetzt mit Flammschutzmitteln und oberflächlich geschützt durch Putz, gelten Wärmedämmverbundsysteme mit Styropor zwar als schwer entflammbar. Doch sie sind brennbar, ergaben Versuche. Noch gefährlicher ist es, wenn kein Brandschutzstreifen aus nicht brennbarer Mineralwolle mit eingebaut wird. In der Praxis geschieht dies oft ganz oder teilweise. Das hat verheerende Folgen: Im November 2011 brennen in Delmenhorst (Niedersachsen) deshalb fünf Mehrfamilienhäuser gleichzeitig. Und im Mai 2012 wird in Frankfurt/M. ein Fassadenbrand zum Feuerwehrgroßeinsatz.

Bernhard Schmidtbauer

Laut Banken-Papier übertreffen die Kosten die Einsparungen weit. Verbraucherschützer und Parteien in MV widersprechen.

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