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Wald-Therapeuten könnten Burnout-Patienten helfen

Rostock/Heringsdorf Wald-Therapeuten könnten Burnout-Patienten helfen

Initiatoren der Idee, die auf Usedom erprobt wird, sind der Rostocker Mediziner Horst Klinkmann und der Landesbäderverband.

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„Der Heilwald ist das natürliche Sanatorium für die gesamte Bevölkerung.“ Horst Klinkmann, Professor aus Rostock

Rostock/Heringsdorf. Seit einem knappen Monat darf sich ein etwa 50 Hektar großes Waldstück auf der Insel Usedom als erster europäischer Heilwald bezeichnen – nun wird fleißig an einem offiziellen Berufsbild des „Waldtherapeuten“ gefeilt.

OZ-Bild

Initiatoren der Idee, die auf Usedom erprobt wird, sind der Rostocker Mediziner Horst Klinkmann und der Landesbäderverband.

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Der Initiator der Heilwald-Idee, der Rostocker Mediziner Horst Klinkmann, und der Landesbäderverband führen derzeit Gespräche mit der österreichischen Fachhochschule Krems über ein Ausbildungskonzept zum Waldtherapeuten und einen Studiengang der Waldpädagogik. „Der Heilwald ist das natürliche Sanatorium für die gesamte Bevölkerung“, sagte Klinkmann, der in Krems die Ehrenprofessur der Donau-Universität erhalten hat. „Wir wollen für das Ausbildungsprofil einen EU-weiten gleichen Standard.“ Anfang September trafen sich rund 150 Experten aus zehn europäischen Ländern sowie Japan und Australien zum weltweit ersten Heilwald-Kongress in Heringsdorf. Dort vorgestellte wissenschaftliche Studien bescheinigen dem Wald einen therapeutischen Nutzen bei Atemwegs- und psychosomatischen Erkrankungen sowie zur Stabilisierung des Immunsystems. So habe eine kanadische Studie über 30000 Einwohner der Stadt Toronto belegt, dass die Bewohner der Stadt, die näher an Wäldern wohnten, gesünder waren und eine höhere Lebenserwartung hatten. Der Kongress hat nach Einschätzung Klinkmanns eine große internationale Wirkung erzielt. Der Mediziner zeigte sich überzeugt, dass jetzt in anderen Ländern Studien angeschoben werden. In Heringsdorf sei auch festgelegt worden, das weitere Kongresse in Österreich (2018), Spanien (2019) und in Dänemark stattfinden werden.

Das Berufsbild eines Waldtherapeuten sei weit gefächert von der Physio- bis zur Psychotherapie, sagte Klinkmann. Zu den zu behandelnden Indikationen gehörten Störungen des Bewegungsapparates, Atemwegserkrankungen, Allergien oder psychische Beschwerden wie Burnout-Syndrome. „Wir können den Wald nicht an die Ausbildung anpassen, sondern müssen die Ausbildung an den Wald anpassen.“ Am Rande des Kongresses unterschrieben die Initiatoren aus Mecklenburg-Vorpommern und die Fachhochschule Krems einen „Letter of Intend“ – eine Absichtserklärung –, um das Berufsbild des Waldtherapeuten voranzutreiben, sagte Klinkmann. In Europa gibt es bislang keine Ausbildungsstätte, die den Beruf anbietet. Deutsche Ausbildungseinrichtungen tun sich nach Einschätzung Klinkmanns mit dem Berufsbild noch schwer, weil die Idee des Heilwaldes neu und ungewöhnlich sei und weitere wissenschaftliche Studien erwartet würden. Von den Krankenkassen gebe es hingegen außergewöhnlich positive Signale.

In einem ersten Schritt könnte die Ausbildung als Weiterbildung für Physio- und Psychotherapeuten angeboten werden, sagte Klinkmann. Später sollte sich aber daraus ein eigenständiges Berufsbild entwickeln.

In acht weiteren Kur- und Heilorten in MV – in Bad Doberan, Graal-Müritz, Sassnitz, Baabe, Waren, Krakow am See, Plau am See und Klink – sollen ebenfalls Waldgebiete zu Heilwäldern ausgebaut werden.

In den Waldstücken befinden sich Bewegungsstationen und spezielle Ruheplätze. Zudem sind die Wege barrierefrei.

15. Ehrenpromotion für Rostocker Mediziner

Der Rostocker Mediziner und frühere Chef der Gesundheitswirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern, Horst Klinkmann, hat seine 15. Ehrenpromotion erhalten. Er wurde von der Donau-Universität im österreichischen Krems für sein wissenschaftliches Lebenswerk ausgezeichnet. Der 82-jährige Internist hatte in seiner aktiven Zeit vor allem auf dem Gebiet künstlicher Organe geforscht.

Laut Universitätsmedizin Rostock gibt es in ihren Reihen niemanden, der eine solche Zahl von Ehrendoktortiteln vorweisen kann. Klinkmann war der letzte Präsident der Akademie der Wissenschaften der DDR. Seit Gründung des Kuratoriums Gesundheitswirtschaft MV 2004 bis 2015 war er Präsident des 60-köpfigen Gremiums.

Martina Rathke

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