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MV aktuell Wald wird fit für Klimawandel
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00:01 11.12.2017
Rostock

Der Wald ist in Gefahr: Mit dem Klimawandel droht für viele Bäume sogenannter Trockenstress, der ihren Fortbestand gefährdet. In Mecklenburg-Vorpommern wollen die Forstbehörden deshalb ihre Wälder fit für die Zukunft machen. Wichtig: die Überwachung des Waldes im Rahmen eines europaweiten Umweltmonitorings. Ziel ist, Informationen zum Waldzustand zu sammeln und die unter veränderten Umweltbedingungen in den Wäldern ablaufenden Prozesse zu verstehen. Hierzu unterhält die Landesforstverwaltung MV mehrere sogenannte Großrauminventurnetze, auf denen Kronenzustände, Baumschäden, Vegetationsänderungen sowie das Zuwachsverhalten der Bäume untersucht werden.

Der sogenannte Gespensterwald an der Steilküste des Ostseebades Nienhagen: Hier wachsen überwiegend Buchen, die den Stürmen trotzen müssen. Quelle: Foto: Dietmar Lilienthal

Und: Die Zusammensetzung des Baumbestandes in Mecklenburg-Vorpommern soll verändert werden. „Noch sind wir ein Kiefernland, doch die Kiefer, die derzeit etwa 45 Prozent unserer Wälder ausmacht, soll langfristig auf 30 Prozent gesenkt werden. So wollen wir unsere Wälder artenreicher und vielfältiger machen“, sagt der Leiter des Forstlichen Versuchswesens der Landesforste MV, Uwe Gehlhar.

Mit dem Waldumbau wurde in MV bereits Ende der 1990er Jahre begonnen. „So haben wir beispielsweise die für Großschädlinge anfälligen reinen Kieferbestände durch das Einbringen von Laubbäumen wesentlich stabiler gemacht,“ meint Gehlhar.

Auch die Anbauflächen für die trockenheitsanfälligen Fichten sollen zurückgefahren werden. Die Fichten sollen teilweise von wachstumsstarken Baumarten, wie der Douglasie, ersetzt werden. Diese aus Nordamerika stammende Nadelholzart ist für die Holzwirtschaft ebenso ertragreich wie die Fichte, reagiert aber weitaus stabiler bei Trockenstress.

Und es gibt noch ein weiteres Projekt, an dem sich die Landesforstverwaltung von MV beteiligt: Mit dem aus dem Waldklimafonds geförderten Vorhaben FitForClim soll der deutsche Wald nachhaltig mit jungen Pflanzen und Saatgut versorgt werden. Dieses Saatgut soll genetisch vielfältig sein, um unter den Bedingungen des Klimawandels ein stabiles Wachstum zu ermöglichen. „Wichtig ist uns dabei, die Wuchsleistung der Bäume zu steigern, um dadurch mehr CO2 im Holz zu speichern“, sagt der Leiter des Projekts, Wolfgang Voth. Denn nur wenn das Holz als Rohstoff verwendet wird, kann es das Kohlendioxid langfristig binden und so der Atmosphäre entziehen.

Außerdem wollen die Forscher Samenplantagen für wichtige Waldbaumarten wie Eiche oder Kiefer aufbauen, die aus vitalen und gut wachsenden Bäumen zusammengesetzt sind. Deshalb werden die Bäume sorgfältig in vorbildlichen Waldbeständen von ganz MV ausgewählt. Ziel: hohe genetische Vielfalt.

Um herauszufinden, welche Baumarten für welches Klima besonders gut angepasst sind, haben Forstwissenschaftler begonnen, ein Netz mit twitternden Bäumen einzurichten. Europaweit. Sechs davon twittern bereits in Belgien und den Niederlanden, einer in Brandenburg. Und es sollen noch viel mehr werden: „Wir wollen so herausfinden, welche Baumarten für welches Gebiet am besten geeignet sind und wie sie miteinander gedeihen können“, sagt der Leiter des Thünen Instituts für Waldökosysteme in Eberswalde, Andreas Bolte.

Die Bäume twittern jeden Tag Daten zu ihrem Wasserhaushalt und Holzzuwachs. Wenn den Bäumen das Wasser fehlt, zieht sich ihr Holz zusammen und der Baumumfang schrumpft, da das im Stamm gespeicherte Wasser genutzt wird, um den Wassermangel in der Baumkrone auszugleichen.

„Wenn es zu trocken ist, schließen sich die Spaltöffnungen, über die der Baum auch CO2 aufnimmt und Photosynthese betreibt“, erklärt Bolte. Der Baum fährt seinen Wassertransport und seine Photosynthese herunter. Dauert die Trockenheit zu lange, kann er dadurch absterben: Er verdurstet wegen Wassermangels, oder er verhungert wegen CO2-Mangels. „Wenn es hier immer trockener wird, müssen wir auch irgendwann damit anfangen, Bäume anzupflanzen, die damit besser zurechtkommen als unsere heimischen Arten. Das können südländische Herkünfte heimischer Baumarten oder Baumarten aus benachbarten trockeneren Regionen wie die Flaumeiche oder die Douglasie sein. Je mehr unterschiedliche Baumarten in Europa twittern, desto mehr können wir über ihre Anpassungsfähigkeit lernen“, hofft Bolte.

Wälder verbessern Luft und schonen das Klima

Wälder sind besonders stark vom

Klimawandel betroffen – und dabei selbst Teil der Lösung:

Sie haben die Fähigkeit sowohl Kohlenstoff zu binden als auch Sauerstoff zu produzieren und so das Klima zu schonen und die Luftqualität zu verbessern.

3,5 Tonnen CO2 in etwa kann eine alte Buche beispiels-

weise speichern. Das sind etwa 1,7 Kilogramm produzierter Sauerstoff pro Stunde – damit können 50 Menschen eine Stunde lang atmen.

Eckart Granitza

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