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Walforscher: Delfine könnten sich dauerhaft in der Ostsee ansiedeln

Walforscher: Delfine könnten sich dauerhaft in der Ostsee ansiedeln

Laut Wissenschaftler Boris Culik tummeln sich derzeit fünf der Meeressäuger im Binnenmeer / Die Lebensbedingungen für die Tiere haben sich stark verbessert

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Stralsund In der Ostsee könnten sich dauerhaft Delfine ansiedeln. Diese Hoffnung hegt der Kieler Walforscher Boris Culik. Die beiden Großen Tümmler, die seit einigen Tagen in der Kieler Förde für Aufsehen sorgen (die OZ berichtete), seien nicht die einzigen Delfine in der Ostsee. Culik nimmt an, dass sie nur zwei von mindestens fünf Tieren sind, die schon im Vorjahr zwischen Deutschland und Schweden gesehen wurden. Das würden Bilder von Sichtungen an der schwedischen, litauischen und deutschen Küste nahelegen. „Ich denke, es gibt Bilder von fünf Tieren.

Neben denen in Kiel scheint es ein Pärchen zu geben, das sich weiter im Osten herumtreibt und an dessen Finnen sich keine Merkmale befinden“, sagt Culik.

Die Delfine, die sich gerade in der Kieler Förde tummeln, seien anhand eines weißen Fleckes an der Spitze der Finne sowie einer Kerbe auf mittlerer Höhe der Sichel eindeutig zu identifizieren.

Außerdem wurde im Mai 2015 in Südschweden ein Einzeltier ohne erkennbare Merkmale gesichtet.

Eigentlich leben Große Tümmler in der Nordsee. Dass sie jetzt vermehrt in der Ostsee gesichtet werden, hänge vermutlich mit Salzwassereinbrüchen 2014/2015 zusammen. Das sauerstoff- und salzreiche Wasser habe die Bedingungen für Delfine und ihre Nahrung in der Ostsee erheblich verbessert. Walforscher Culik hält es deshalb für möglich, dass sich Delfine dauerhaft ansiedeln. „Es müssten noch einige mehr werden, damit es keine Inzucht-Population wird.“

Es sei durchaus denkbar, dass die beiden vor Kiel gesichteten Tümmler Dauergäste in der Ostsee werden, bestätigt auch der dänische Walforscher Carl Kinze. „Große Tümmler vertragen Süßwasser — sie wurden immer wieder in Flussmündungen gesehen.“ Zudem gebe es derzeit „wohl genug Nahrung in der Ostsee“. Und er hofft: „Vielleicht sind die beiden Tiere ja Vorboten der wachsenden Population in der Nordsee.“ Jedoch glaube er nicht, dass die Fotos auf fünf unterschiedliche Tümmler schließen lassen. „Bei der Auswertung von Bildern muss man sehr aufpassen: Delfine wechseln ständig die Haut — und permanent kommen neue Narben und Kratzer hinzu.“ Die beiden männlichen Tiere vor Kiel seien dieselben, die bereits zwischen Mai und August in dänischen und schwedischen Gewässern und später vor Litauen gesehen wurden. Zudem wurde ein dritter Tümmler, ein Weibchen, im August 2015 tot auf der schwedischen Ostseeinsel Öland gefunden.

Auch Michael Dähne, Kurator für Meeressäuger am Meeresmuseum Stralsund, hält derzeit „die Bedingungen für Delfine in der Ostsee für günstig“. Ob sich eine dauerhafte Population ansiedeln könnte, sei jedoch schwer zu sagen. Gefahren drohten unter anderem von Stellnetzen.

Von Merle Schaack und Thomas Luczak

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