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Wann Rentner Steuern zahlen

OZ-Telefon-Forum Wann Rentner Steuern zahlen

Bundesweit rutschen aktuell Zehntausende von Rentnern in die Steuerpflicht. Auch in MV sind viele Bürger davon betroffen. Beim OZ-Telefon-Forum konnten Leser ihre Fragen stellen.

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Auch Rentner müssen Steuern zahlen.

Quelle: Fotolia

Rostock. Neben Fragen zur Besteuerung der Renten ging es beim OZ-Telefon-Forum am vergangenen Mittwoch unter anderem um Probleme beim Fahrtenbuch, beim Arbeitszimmer und zur Absetzbarkeit von Spenden sowie Handwerkerleistungen. Die Telefondrähte glühten. Die Leser benötigten viel Geduld, um mit Frank-Peter Maaß, Geschäftsführer der BBO Steuerberatung Rostock, Steuerberater Ulf Knorr von Ecovis Grieger Mallison und Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Neuen Verbandes der Lohnsteuerhilfevereine e.V., sprechen zu können. Hier einige wichtige Probleme und die Antworten:

Frage: Wer 2005 und früher in Rente gegangen ist, muss 50 Prozent seiner Rente versteuern. Gilt das auch für das vergangene Jahr?

Antwort: Die 50-prozentige Steuerfreiheit bezieht sich lediglich auf die Brutto-Rente, die Sie in 2005 bezogen haben. Sämtliche Rentensteigerungen seit 2005 sind dagegen voll steuerpflichtig. Der steuerfreie Betrag aus 2005 wird quasi lebenslänglich fortgeschrieben und mindert die steuerpflichtigen Renteneinkünfte für jedes Folgejahr und damit auch 2015.

Frage: Erhalte ich als Rentner die jährliche Mitteilung zur Vorlage beim Finanzamt – Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung – automatisch?

Antwort: In der Regel muss diese Bescheinigung beim Rententräger zu Beginn einmalig beantragt werden. In den Folgejahren wird sie dann automatisch zugeschickt. Die gleiche Mitteilung erhält das Finanzamt auf elektronischem Wege vom Rentenversicherungsträger.

Frage: Ich bekomme seit 2014 Rente und erhalte 400 Euro monatlich aufgrund einer geringfügigen Beschäftigung. Muss ich Steuern zahlen?

Antwort: Zunächst kommt es auf die Höhe Ihrer Bruttorente an. Bei einem Rentenbeginn im jahre 2014 beträgt der steuerpflichtige Anteil 68 Prozent. Die Einkünfte aus der geringfügigen Beschäftigung zählen in der Regel nicht dazu, wenn diese pauschal vom Arbeitgeber versteuert werden. Liegt der steuerpflichtige Teil der Rente nach Abzug der Sozialversicherungsbeiträge als Sonderausgaben unter dem Grundfreibetrag von 8354 Euro, fällt keine Steuer an.

Frage: In meinem Haus verfüge ich über einen Tele-Arbeitsplatz. Dieser befindet sich aber in einem Durchgangszimmer. Kann ich den Werbungskostenabzug trotzdem geltend machen?

Antwort: Nach der jüngsten Entscheidung des Großen Senates des Bundesfinanzhofes dürfte hier eine sogenannte schädliche Mischnutzung vorliegen. Wenn möglich, sollten Sie einen separaten Raum als Arbeitszimmer einrichten.

Frage: Mein Mann starb 2014 und ich beziehe Witwenrente. Daneben erhalte ich meine eigene Rente. Bisher waren wir nicht steuerpflichtig, ändert sich das ab 2015?

Antwort: Für 2015 gilt in Ihrem Fall noch eine Sonderregelung, danach kann ist eine fiktive Zusammenveranlagung aus sogenannten Billigkeitsgründen möglich. Wenn sich die Einkünfte gegenüber 2014 nicht wesentlich geändert haben, besteht keine Veranlagungspflicht 2015. Aber aufgepasst: Diese Billigkeitsregelung entfällt ab 2016, sodass eine Veranlagungspflicht neu geprüft werden muss.

Frage: Mein zu versteuerndes Einkommen betrug 2015 etwa 12000 Euro. Was muss ich an Steuern zahlen?

Antwort: Der Eingangssteuersatz beträgt 14 Prozent. Je höher das Einkommen ausfällt, desto höher ist auch der Steuersatz. Der Spitzensteuersatz beträgt derzeit 42 Prozent und die sogenannte Reichensteuer liegt bei 45 Prozent. Hinzu kommt jeweils der Solidaritätszuschlag. Sie müssen mit Steuern voraussichtlich in Höhe von etwa 639,00 Euro rechnen.

Frage: Ich bin privat krankenversichert und erhalte vom Rententräger einen Zuschuss. Wie trage ich diesen in die Steuererklärung ein?

Antwort: Wichtig ist, dass dieser Zuschuss nicht als Renteneinnahme erfasst wird. Er ist steuerfrei. Sie müssen den Zuschuss aber in die Anlage Vorsorgeaufwand eintragen. Er wird vom Gesamtversicherungsbeitrag abgezogen.

Frage: Kann ich als Rentner die Steuererklärung auch online erstellen?

Antwort: Ja, das ist möglich. Sie können im Elster-Online-Portal der Finanzverwaltung die Daten der Steuererklärung online eingeben. Dafür benötigen Sie jedoch ein elektronisches Zertifikat, das Sie ebenfalls in diesem Portal beantragen können. Alternativ können Sie auch das kostenfreie Programm der Finanzverwaltung Elster-Formular auf Ihren Rechner herunterladen. Mit diesem ist es möglich, die Steuererklärung zu erstellen und danach elektronisch abzuschicken. Ohne Zertifikat müssen Sie dann noch einen Ausdruck mit Unterschrift beim Finanzamt abgeben.

Frage: Ich habe im vergangenen Jahr geheiratet. Gebe ich für dieses Jahr die Steuererklärung noch einzeln ab oder reichen wir eine gemeinsame Erklärung ein?

Antwort: Steuerlich zählen Sie bereits als Ehepaar und können, da das gesamte Jahr einheitlich betrachtet wird, bereits eine Zusammenveranlagung mit der gemeinsamen Steuererklärung zusammen beantragen. Diese ist meist günstiger. Allerdings haben alle Ehepaare und gesetzliche Lebenspartner stets auch die Chance, eine Einzelveranlagung zu beantragen. Diese kann bei bestimmten steuerlichen Sachverhalten günstiger sein. Das kann eintrten, weil dadurch zum Beispiel der zumutbare Eigenanteil bei außergewöhnlichen Belastungen, wie Krankheitskosten, niedriger ausfällt. Um eine Entscheidung treffen zu können, sollte man ein Steuerprogramm nutzen und beide Varianten berechnen.

Frage: Ich gehe kommendes Jahr in Rente. Benötige ich andere Formulare für meine Steuererklärung?

Antwort: Die Steuererklärung selbst ist dieselbe wie für Berufstätige. Sie benötigen ebenfalls den Mantelbogen und die Anlage Vorsorgeaufwand. Anstelle der Anlage N für Arbeitnehmer werden Renten in der Anlage R berücksichtigt. Eine Firmen- oder Beamtenpension wird weiterhin in die Anlage N angegeben.

Frage: Meine Tochter hat im vergangenen Jahr ein Haus gebaut. Was könnte sie steuerlich absetzen?

Antwort: In den meisten Fällen zunächst gar nichts. Es sei denn, ein Teil des Hauses wird vermietet oder sie haben ein steuerlich anzuerkennendes Arbeitszimmer. Die reine Privatnutzung ist steuerlich ohne Bedeutung. Falls in den Folgejahren Reparaturen oder Erhaltungsaufwendungen anfallen, kann dafür jedoch eine Steuerermäßigung für haushaltsnahe Dienstleistungen beantragt werden. Private Kreditzinsen sind übrigens nicht absetzbar.

Frage: Ich bekomme verschiedene Renten: eine Altersrente, eine Unfallrente und eine Rente aus einer Zusatzversorgungskasse. Kann ich diese zum Prüfen der Besteuerung zusammenrechnen?

Antwort: Das ist nicht möglich, weil die Renten steuerlich unterschiedlich behandelt werden. Die Altersrente ist wegen des Beginns im Jahr 2017 zu 74 Prozent steuerpflichtig. Unfallrenten aus der Berufsgenossenschaft sind dagegen völlig steuerfrei. Für Betriebsrenten hängt die Versteuerung davon ab, ob die Einzahlungen aus steuerfreien oder versteuerten Geldern erfolgten. Je nachdem kann die Auszahlung zu 100 Prozent steuerpflichtig oder nur mit einem Ertragsanteil von beispielsweise 18 Prozent (Rentenbeginn mit dem 65. Lebensjahr) steuerpflichtig sein.

Frage: Was muss bei der Führung eines Fahrtenbuches im Zusammenhang mit der Nutzung von Firmenwagen beachtet werden?

Antwort: Das Fahrtenbuch muss zeitnah, sorgfältig und lückenlos geführt werden. Es muss neben dem Datum und dem Zweck der Fahrt (dienstlich, Wohnung-Arbeitsstätte, privat) den Kilometerstand bei Fahrtbeginn und den Kilometerstand bei Fahrtende, die gefahrenen Kilometer, die konkrete Reisestrecke und das Reiseziel sowie den aufgesuchten Geschäftspartner enthalten. Die Aufzeichnungen sollten in einem gebundenen Heft/Buch oder in einem im Handel erhältlichen vorgedruckten Fahrtenbuch geführt werden. Excel-Listen oder ähnliche Aufzeichnungen werden von der Finanzverwaltung nicht anerkannt. Daneben können auch elektronische Fahrtenbücher genutzt werden, die nachträglich im Kfz eingebaut werden können. Hier sollte darauf geachtet werden, dass eine Software genutzt wird, die auch vom Finanzamt anerkannt wird.

Frage: Wie erfolgt die Besteuerung von Lebensversicherungen?

Antwort: Für vor dem 1. Januar 2005 abgeschlossene Verträge ist die Auszahlung als Einmalbetrag steuerfrei, soweit der Vertrag mindestens zwölf Jahre durchgeführt, fünf Jahre Beiträge gezahlt und ein Mindesttodesfallschutz beachtet wurde. Im Falle der Auszahlung als laufende Rente erfolgt die Besteuerung nach dem günstigen Ertragsanteil. Bei einem 65-jährigen beträgt dieser zum Beispiel 18 Prozent.

Bei später abgeschlossenen Verträgen werden die Erträge bei Auszahlung als Einmalbetrag zu 50 Prozent versteuert. Und zwar soweit sie wiederum mindestens zwölf Jahre durchgeführt werden, die Auszahlung nach Vollendung des 60. Lebensjahres erfolgt (bei Verträgen ab dem 01.01.2012 gilt die Vollendung des 62. Lebensjahres) und weitere Bedingungen hinsichtlich Todesfallschutz und Risikoleistung für Verträge nach dem 31.03.2009 eingehalten werden.

In beiden Fällen können daneben zusätzlich Sozialversicherungsbeiträge anfallen.

Frage: In welcher Form kann ich meine Steuererklärung abgeben?

Antwort: Die Steuererklärung kann zum einen auf amtlichen Vordruck in Papierform beim zuständigen Finanzamt eingereicht werden. Die Erklärungsformulare kann man in jedem Finanzamt erhalten oder von den Internetseiten der Finanzverwaltung runterladen. Daneben können die Steuererklärungen auch elektronisch, zum beispiel mit dem amtlichen Elster-Programm oder anderer Software, übermittelt werden. Andererseits ist auch eine Abgabe der Erklärung durch Niederschrift an Amtsstelle möglich, wenn der Steuerpflichtige nicht in der Lage ist, die gesetzlich vorgeschriebene Selbstberechnung vorzunehmen oder durch Dritte vornehmen zu lassen.

Frage: Welche Besonderheiten muss ich bei einer verbilligten Vermietung von Wohnungen zum Beispiel an nahe Angehörige beachten?

Antwort: Bei der Vermietung zu Wohnzwecken ist ein vollständiger Abzug der Werbungskosten seit 2012 nur gewährleistet, wenn die Kaltmiete mindestens 66<TH>Prozent der ortsüblichen Miete beträgt. Anderenfalls ist die Miete in einen entgeltlichen und unentgeltlichen Anteil aufzuteilen. Dann ist nur ein teilweiser Abzug der Werbungskosten möglich. Die Ermittlung der jeweiligen ortsüblichen Miete ist oft problematisch, da diese von vielen Faktoren wie Lage und Ausstattung der Wohnung abhäng



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