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Warnemünder Wetterfrösche tauchen ab

Warnemünder Wetterfrösche tauchen ab

Der Deutsche Wetterdienst baut Personal ab / Automatisch arbeitende Messnetze ersetzen die Meteorologen / Auch Wetterwarten Greifswald und Kap Arkona bald unbemannt

Warnemünde. Warnemündes Wetterbeobachter haben den perfekten Arbeitsplatz: Aus dem Fenster ihrer Dienstvilla können sie Wolken, Wind und Wellen mit einem einzigen Blick erfassen – gleich mehrere wichtige Wettererscheinungen zugleich. Rund um die Uhr werfen sieben Mitarbeiter ihr wachsames Auge auch auf Sonne, Regen, Nebel, Hagel, Schnee.

Doch Ende dieses Jahres ist damit Schluss: Ab 1. Januar 2017 ersetzen Sensoren und andere vollautomatische Messgeräte die Wetterbeobachter. Aus der Wetterwarte wird eine „unbemannte“ Station, die Wetterfrösche tauchen ab. „Bis Ende 2021 wird der Deutsche Wetterdienst nach und nach die Beobachter von den Stationen abziehen“, bestätigt Uwe Kirsche, Pressesprecher des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach (Hessen).

Noch gibt es in Mecklenburg-Vorpommern drei amtliche Wetterdienst-Stellen, neben Warnemünde auch am Kap Arkona an der Nordspitze Rügens sowie in Greifswald. Kap Arkona wird noch bis Mitte 2017 mit drei Mitarbeitern besetzt sein, allerdings schon jetzt nicht mehr rund um die Uhr. Als letzter wird der Greifswalder Stützpunkt, noch mit sechs Mitarbeitern besetzt, auf vollautomatischen Betrieb umgestellt. Ihm bleibt eine Frist bis 2019/2020.

„Schon jetzt laufen die Messungen ja weitgehend automatisch“, sagt Rudolf Kemnitz, Leiter der Warnemünder Wetterwarte. Ständig seien Messtechnik und Datenerfassung verbessert worden. Nicht nur die Geräte auf dem Dach der Villa, wo beispielsweise Sonnenscheindauer und diffuse Himmelsstrahlung gemessen werden, wurden erneuert, berichtet der Diplomingenieur für Meteorologie, der seit 1980 im Seebad Dienst tut. Warnemünde bekam auch ein neues Dünenmessfeld, übrigens das einzige an der deutschen Ostseeküste. Daten aus dem Grenzbereich zwischen Land und See seien in der Meteorologie besonders wichtig, so Wetterfrosch Kemnitz.

„Die Ausstattung der Stationen mit Sensoren und hochmoderner Datenerfassung erlaubt inzwischen den Betrieb ohne Wetterbeobachter“, sagt der Offenbacher Behördensprecher Kirsche. In anderen Stationen in MV, wie in Schwerin, Boizenburg, Ueckermünde, Marnitz und in Kirchdorf auf Poel werde dies bereits so praktiziert.

Mecklenburg-Vorpommerns bekanntester Wetterfrosch, Stefan Kreibohm, sieht das kritisch. „Kein Automat kann die Augenbeobachtung ersetzen“, meint der Meteorologe, der täglich aus dem ARD-Wetterstudio auf der Insel Hiddensee berichtet und vor allem Medien mit aktuellen Informationen versorgt. Ob Hagel, Graupel, Schnee – da gebe es Details, die Automaten bisher nicht so exakt registrieren könnten wie das menschliche Auge. Für seine Wettervorhersagen stütze er sich ganz stark auf die Daten des amtlichen Wetterdienstes, sagt Kreibohm. „Wenn die Augenbeobachtung wegfällt, ist das in jedem Falle ein Verlust.“

Immerhin: Den vom Personalabbau betroffenen Mitarbeitern werden andere Jobs angeboten. „Arbeitslos wird niemand“, versichert Warnemündes Wetterwarten-Chef Kemnitz. Das wissen auch die Mitarbeiter in Greifswald und am Kap Arkona. In Regionalzentren wie Hamburg oder Potsdam werde qualifiziertes Personal gebraucht, heißt es aus der Zentrale in Offenbach. Auch Telearbeit sei möglich. „Einige gehen vorher in Pension, aber andere werden wechseln müssen“, bestätigen Uwe Rammoser und Burkhard Just aus den Teams in Greifswald und am Kap Arkona.

Für Warnemündes Wetterwarte geht damit nach 70 Jahren eine Ära zu Ende. Seit Anfang 1946, als nach der Unterbrechung durch den Krieg dort die erste Meteorologische Station ihre Arbeit aufnahm, wurde von Warnemünde aus für ganz MV der Meteorologische Dienst der DDR neu aufgebaut. Seit 1. Juli 1946 liegen für das Seebad lückenlose Beobachtungstagebücher vor, vom Kap Arkona ab 1. August 1946.

Wenn Warnemünde auch künftig keine Wetterbeobachter mehr hat, zwei Mitarbeiter bleiben. Radioaktivitätsüberwachung funktioniert, als letzte ihrer Aufgaben, nicht vollautomatisch – noch nicht.

Elke Ehlers

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