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MV aktuell Weißstörche kehren MV den Rücken
Nachrichten MV aktuell Weißstörche kehren MV den Rücken
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15:47 27.11.2018
Zwei Weißstörche stehen in einem Horst im Norden. Die Vögel kehren MV jetzt den Rücken. Quelle: Wolfgang Runge/dpa
Schwerin

Die Zahl der Weißstörche hat in diesem Jahr in Mecklenburg-Vorpommern erneut drastisch abgenommen. Im ganzen Land seien nur 659 besetzte Nester gezählt worden, teilte die Landesarbeitsgruppe Weißstorchschutz im Naturschutzbund (Nabu) am Dienstag mit. Das seien in den Dörfern 40 Nester weniger als 2017. „2014 gab es noch 801 besetzte Storchennester, 2008 waren es 863 und im Jahr 2004 waren die Störche sogar mit 1142 Paaren noch gut vertreten“, sagte Arbeitsgruppenleiter Helmut Eggers. Damals gehörte der Nordosten mit Brandenburg zu den storchenreichsten Bundesländern. Inzwischen sei Mecklenburg-Vorpommern das Land mit der schlechtesten Bestandsentwicklung. „In 15 Jahren wurden beinahe 500 Nester aufgegeben“, bilanzierte Eggers.

In anderen Bundesländern steigt die Zahl

In den westlichen Bundesländern nahm die Zahl der Störche nach Angaben des Nabu dagegen weiter zu. Diese Störche ziehen zumeist nicht mehr nach Afrika, sondern überwintern bereits in Spanien. Dort finden sie Eggers zufolge in Reisfeldern und auf offenen Müllkippen reichlich Nahrung. Die Oststörche nehmen dagegen den weiten und gefährlichen Weg über den Bosporus ins südliche Afrika.

Von den Brutpaaren in Mecklenburg-Vorpommern blieb 2018 wieder mehr als ein Viertel (28 Prozent) ohne Nachwuchs. Das sei seit zehn Jahren so, sagte Eggers. Ein solcher Wert zeige einen schlechten Erhaltungszustand der Population. Die Gesamtzahl der Jungstörche sei zwar mit 1140 größer als 2017, doch im Vergleich zu 2004 sei die Zahl der Jungen nur noch halb so groß: Damals wurden 2427 Küken großgezogen.

Es gibt zu wenige kleine Gewässer und Wiesen

„Daher werden wir uns in den kommenden Jahren auf weiter sinkende Bestände einstellen müssen, wenn nicht dafür gesorgt wird, dass der Storch bessere Lebens- und Nahrungsbedingungen vorfindet“, stellte Eggers klar. Es mangele an Nahrungsbiotopen. So gebe es weniger kleine Gewässer und natürliche Grünflächen. Hinzu komme der drastische Schwund von Insekten. „Weniger Insekten bedeuten weniger Insektenfresser. Der Storch lebt von diesen Insektenfressern in der nächsten Stufe der Nahrungspyramide“, sagte Eggers. Daher sei es ein Alarmsignal, wenn der Storchenbestand einbreche.

Birgit Sander