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Weltkriegs-Pilot: Ich zerlegte in Ribnitz Teile des Bernsteinzimmers

Ribnitz-Damgarten Weltkriegs-Pilot: Ich zerlegte in Ribnitz Teile des Bernsteinzimmers

Deutsch-Kanadier bereichert Debatte um Verbleib des „Achten Weltwunders“ mit neuer Variante

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Die originalgetreue Nachbildung des Bernsteinzimmers befindet sich im Katharinenpalais in St. Petersburg.

Quelle: Fotos: Dpa/edwin Sternkiker

Ribnitz-Damgarten. Heerscharen von Abenteurern, Schatzjägern und Hobbyforschern suchten es, Wissenschaftler auch, die Stasi buddelte sich durch die Republik, um es zu finden, und auch der sowjetische Geheimdienst mischte kräftig mit. Aber alle Spuren führten ins Leere. Das Bernsteinzimmer bleibt verschollen. Und daran wird sich wohl auch nichts ändern, jedenfalls wenn man Jonny Johanny aus Kanada glaubt. Dem 85-Jährigen zufolge wurden nämlich zumindest Teile des „Achten Weltwunders“ in Tausende Stücke zerlegt.

Und das ist seine Geschichte: Jonny Johanny wurde 1931 in Kanada als Sohn von Johann Johanny geboren. Der war im Ersten Weltkrieg Pilot. Da es für Flieger nach Kriegsende in Deutschland nur wenige Möglichkeiten gab, unterzukommen, übersiedelte er nach Kanada. Später kam Johann Johanny zurück nach Deutschland.

Johann Johanny war von Oktober 1937 bis 1945 im Ribnitzer Flugzeugwerk als Einflieger tätig. Nach Kriegsende schulte er sowjetische Piloten auf der Arado (Ar) 196. Sein Sohn Jonny kam zur Firma von Goldschmiedemeister Walter Kramer in Ribnitz. Und genau dort soll laut Jonny Johanny von Holzpaneelen der Bernstein entfernt worden sein, um ihn dann anderweitig verarbeiten zu können.

Das Loslösen der Bernsteinstücke geschah übrigens auf recht brachiale Weise: Die Paneele seien kopfüber auf Matratzen gelegt worden, so dass die Holzseite nach oben zeigte. Auch die sei abgepolstert worden, bevor auf diese mit Vierkantknüppeln geschlagen wurde, um die Bernsteinstücke zu lösen. Zu denen, die für diese Arbeit eingeteilt worden seien, habe er gehört, so Jonny Johanny. Dass es sich bei diesen Paneelen um Teile des Bernsteinzimmers handeln könnte, sei ihm allerdings erst sehr viel später bewusst geworden. „Alles, was damals bei Kramer passierte, geschah auf Befehl sowjetischer Offiziere“. Warum sie den Auftrag gaben, den Bernstein von den Holzpaneelen zu entfernen, ist unklar. Vielleicht sollte die Herkunft des Bernsteins verschleiert werden. Die Bernsteinpaneele seien in Kisten mit der Aufschrift „Reichseigentum“ angeliefert worden, erzählt Johanny. Abgegangen seien sie vom Bahnhof Güstrow.

Bleibt bei all dem die Frage: Warum ließen die sowjetischen Offiziere diese Arbeiten ausgerechnet in Ribnitz ausführen? Vielleicht, weil es bei der Firma Kramer die technischen Voraussetzungen und Fachleute gab. Denn Kramer fertigte seit 1932 den Fischlandschmuck. Charakteristisch für diesen sind die Verwendung von Naturbernsteinen und deren Einfassung aus Silber mit aufgelöteten Applikationen maritimer Motive. Im Übrigen musste die Ribnitzer Firma auch für die Besatzungsmacht arbeiten. Die Mitarbeiter stellten neben Schmuck auch Koppelschlösser und Knöpfe für die Russen her. Wie das geht, kann Johanny noch heute bis ins kleinste Detail schildern.

Wenn dann alles stimmt, dann würde das bedeuten: Das legendäre Kunstwerk ist weder in Königsberg verbrannt noch mit der „Wilhelm Gustloff“ in der Ostsee versunken, wie einige vermuten, sondern doch noch vor Einrücken der Roten Armee in Königsberg ins Landesinnere gebracht worden. Eine Möglichkeit, die Autor Günter Wermusch nicht ausschließt. Er behauptete 2009 gegenüber OZ, einen Wehrmachtspiloten ausfindig gemacht zu haben, der die Kisten mit dem Bernsteinzimmer per Flugzeug auf die Halbinsel Wustrow transportiert haben will.

Auch das DDR-Ministerium für Volksbildung schloss nicht aus, dass das Bernsteinzimmer 1945 weiter nach Deutschland gebracht worden sein könnte. Das Ministerium verschickte im Januar 1950 ein Schreiben, in dem es heißt: „Nachdem ursprünglich mit einem völligen Verlust des wertvollen Objektes gerechnet wurde, gibt es neuerlich Hinweise, die erneute Nachforschungen notwendig machen“. Der Text befindet sich im Landeshauptarchiv Schwerin.

Alle Suchaktionen führten ins Leere

Das Bernsteinzimmer wurde im Auftrag des ersten preußischen Königs Friedrich I. gefertigt. König Friedrich Wilhelm I. schenkte es dann 1716 dem russischen Zaren Peter dem Großen.

Fast zwei Jahrhunderte lang befand sich das Bernsteinzimmer dann im Katharinenpalast in Zarskoje Selo bei Sankt Petersburg. Im Oktober 1941 wurde es demontiert und in 28 Kisten verpackt von der Wehrmacht nach Königsberg gebracht und ab 1942 im Königsberger Schloss ausgestellt. Nach einem Brand 1944 soll die Wandverkleidung demontiert und im Keller des Schlosses in Kisten eingelagert worden sein. Danach verliert sich die Spur. Seit 2003 befindet sich im Katharinenpalast eine Nachbildung. Nach dem Original wird bis heute gesucht.

Von Edwin Sternkiker

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