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MV aktuell Weniger Pleiten in MV als im Bundesschnitt
Nachrichten MV aktuell Weniger Pleiten in MV als im Bundesschnitt
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00:01 13.12.2017
Rostock

Gute Nachricht zum Jahresende: 2017 haben in Mecklenburg-Vorpommern weniger Firmen Insolvenz angemeldet als im Vorjahr. 260 Fälle (2016: 300) bedeuteten einen Rückgang um 13,3 Prozent, teilte gestern die Wirtschaftsauskunftei Creditreform mit. Damit lag MV deutlich über dem Bundesdurchschnitt: Deutschlandweit gingen die Pleiten nur um 6,3 Prozent zurück.

Benedikt von der Decken,

Chef der

Wirtschaftsauskunftei Creditreform MV

FOTO: WÜSTNECK / DPA

Besonders selten mussten sowohl in MV als auch bundesweit Unternehmen der Baubranche (- 11,7 Prozent) sowie im verarbeitenden Gewerbe (- 13,9 Prozent) aufgeben. „Die Baubranche profitiert vor allem von der guten Auftragslage“, sagte der Chef der Creditreform MV, Benedikt von der Decken. „Und das verarbeitende Gewerbe trägt schon seit Jahren die positive wirtschaftliche Entwicklung im Land.“

Rückgänge bei den Insolvenzen gab es auch im Handel (- 4,7 Prozent) und bei den Dienstleistungen (- 4,3 Prozent). „Dank höherer Reallöhne können die Kunden viel Geld für den Konsum ausgeben“, sagte von der Decken. Wegen des niedrigen Zinsniveaus gebe es auch kaum attraktive Anlegemöglichkeiten, daher gäben die Menschen ihr Geld lieber aus.

Den Schweriner Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) freut’s: „Der deutliche Rückgang des Insolvenzrisikos bestätigt die positive wirtschaftliche Entwicklung im Land.“ Die gute Auftrags- und Geschäftslage im Verarbeitenden Gewerbe, im Handwerk, in der Gesundheitswirtschaft und bei den touristischen Dienstleistungen verbessere die Bilanzen der Firmen. „Die Unternehmen werden dadurch robuster gegen Auftrags- oder Forderungsausfälle“, so Glawe.

Bundesweit schätzt Creditreform die Zahl der Insolvenzen auf 20200. Das entspricht gegenüber dem Höchststand 2003 fast einer Halbierung. Etwa 198000 Arbeitsplätze fielen 2017 weg oder sind noch bedroht (2016: 221 000).

Angeführt wird das Pleiten-Ranking von der Fluggesellschaft Air Berlin, die im Sommer mit gut 8000 Beschäftigten hart auf dem Boden der Tatsachen landete – eine der größten Insolvenzen der letzten Jahre in Deutschland. Ende November stellte der Küchenhersteller Alno mit 1860 Mitarbeitern den Geschäftsbetrieb endgültig ein. Insolvenzantrag stellte auch die Hamburger Reederei Rickmers, dort gibt es jedoch einen Investor.

In MV musste zuletzt der Heringsdorfer Strandkorbhersteller „Korbwerk“ Insolvenz beantragen. Die Produktion geht weiter, auch die 21 Beschäftigten erhalten zunächst weiter Geld. Im Sommer hatte die Pommersche Fleisch- und Wurstwarenfabrik in Pasewalk (Kreis Vorpommern-Greifswald) erneut Insolvenz angemeldet. Es war nach der Wende bereits die fünfte Insolvenz des Traditionsunternehmens.

Betroffen sind knapp 30 Mitarbeiter. Im Januar ging der Stralsunder Firma ESG Edelstahl und Umwelttechnik beim Bau des Prototypen einer schwimmenden Windkraftanlage das Geld aus.

Firmenzusammenbrüche verursachen Schäden in Milliardenhöhe: Handwerker, Lieferanten, Kreditgeber müssen oft zumindest auf einen Teil ihres Geldes verzichten. Auf bundesweit insgesamt 26,6 Milliarden Euro schätzt Creditreform die Schäden in diesem Jahr. Das sei wegen der Großpleiten kaum weniger als 2016 (27,5 Milliarden Euro).

Auch weniger Privatinsolvenzen

2120 Privatpersonen rutschten 2017 in MV in die Privatinsolvenz. MV lag dabei mit - 4,1 Prozent unter dem der Bundesschnitt (- 6,7 Prozent).

Um eine Privatinsolvenz zu vermeiden, rät die Verbaucherzentrale MV dazu, rechtzeitig eine seriöse Schuldnerberatung aufzusuchen. „Ein Warnsignal ist, wenn man den Überblick über seine Finanzen verliert und mehrere offene Rechnungen hat, die man nicht begleichen kann“, sagt Berater Matthias Wins.

Oft seien die Betroffenen in dem

Irrglauben, sie kämen alleine aus der Schuldenfalle – vielleicht sogar mit

weiteren Krediten.

Wins warnt jedoch vor vollmundigen Versprechen im Internet oder in Kleinanzeigen, die Sofortkredite, Finanzsanierung oder Umschuldung versprechen. Oft würden dem Kunden dabei unnötige Versicherungen oder Kapitalanlagen aufgeschwatzt. „Und einen Kredit bekommt man am Ende doch nicht.“

Axel Büssem

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