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MV aktuell Wintersaat: Trockenheit in MV gefährdet auch die Ernte 2019
Nachrichten MV aktuell Wintersaat: Trockenheit in MV gefährdet auch die Ernte 2019
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14:33 28.11.2018
Auch nach dem Dürresommer hält die Trockenheit an. Landwirte sorgen sich um die neue Saat. Quelle: Matthias Wiemer
Neubrandenburg

Für viele Landwirte in MV geht ein durchwachsenes Jahr 2018 schlecht zu Ende: Nachdem die anhaltende Trockenheit schon die Ernte in diesem Jahr dezimiert hat, bedroht sie nun auch die Erträge der Winterkulturen. Wo es lange zu wenig geregnet hat, gedeihen Winterraps und Wintergetreide nur schlecht. Die Rapsblüte im Frühjahr 2019 wird wohl weniger imposant ausfallen als sonst.

„Vor allem im Osten des Landes gibt es größere Probleme“, sagt Frank Schiffner, Leiter des Fachausschusses Pflanzenproduktion beim Bauernverband MV. „Teilweise mussten die Felder umgebrochen und neu ausgesät werden.“ Die Situation sei regional sehr unterschiedlich, mancherorts habe es inzwischen immerhin so viel geregnet, dass es zum Keimen und für den ersten Trieb gereicht habe. „Wo es aber weiterhin trocken ist, gibt es große Lücken in den Beständen.“

Kommentar zum Thema: Weniger Raps ist ein Dilemma

Die geringen Regenmengen, die seit Sommer gefallen seien, reichten aber lange nicht aus, warnt Schiffner. „Das hat nur die Oberfläche befeuchtet, darunter sind die Böden zum Teil bis in mehrere Meter Tiefe ausgetrocknet.“ Getreide werde in zwei bis drei Zentimeter Tiefe gesät. „Aber wenn das Saatkorn in den Staub gelegt wird, passiert gar nichts.“ Auf manchen Feldern drohe gar der wirtschaftliche Totalausfall. „Dann müssen die Landwirte nächstes Jahr Sommergetreide, Kartoffeln, Mais oder Rüben anbauen. Aber das ist mit Verlusten verbunden“, so der Experte. „Wir brauchen jetzt einen Winter mit ordentlich Niederschlag, damit die Pflanzen Wasser haben, wenn sie im Frühjahr richtig anfangen zu wachsen.“

MV ist wichtigstes Anbaugebiet für Raps

Auf 204 500 Hektar wurde in diesem Jahr in MV Raps angebaut. Damit war das Land wieder wichtigste Anbauregion der Ölfrucht in Deutschland. Wegen des verregneten Herbstes 2017 war die Gesamtfläche allerdings rund zehn Prozent kleiner als im Vorjahr. Zu Spitzenzeiten waren es rund 250 000 Hektar.

Christa-Maria Wendig, Geschäftsführerin der Landbetriebsgesellschaft Rehberg in Woldegk (Mecklenburgische Seenplatte), nennt die Lage „katastrophal“. Alle Wasserreserven seien aufgebraucht. Teiche ausgetrocknet. „Für die Ernte 2019 müssen wir wieder mit Verlusten rechnen“, sagt Wendig. „Wir mussten bereits hundert Hektar Winterraps umbrechen und Weizen neu aussäen. Die jungen Pflanzen, die noch stehen, sind sehr klein, da müssen wir schauen, wie wir die über den Winter kriegen.“ Bereits jetzt liege der Schaden bei 50 bis 70 000 Euro. Sorgen bereite auch die Grasvermehrung, bei der Samen für Rasen gewonnen wird. „Das beobachten wir derzeit. Wenn hier die Ernte ausfällt, sind es noch einmal 50. 000 Euro Schaden“, so die Geschäftsführerin.

Landwirt Johannes Breidel aus Allershagen bei Rostock hatte da noch Glück im Unglück. „Auch bei uns war es zu trocken. Es braucht Feuchtigkeit, damit die Erde am Saatkorn haften kann.“ Die Entwicklung der jungen Pflanzen habe sich dadurch verzögert. Das warme Wetter bis in den November habe dies jedoch ausgleichen können. Breidel hat dafür ein anderes Problem: Nach dem feuchten Herbst 2017 konnte er im vergangenen Herbst nicht so viel Saatgut auf den durchnässten Böden ausbringen wie geplant. Das übrig gebliebene, feuchte Saatgut musste er lagern und diesen Herbst ausbringen. „Die Triebkraft war dadurch geringer und ich musste nachsäen.“ Das habe ihn mehrere Tausend Euro gekostet. Schiffner bestätigt: „Der Herbst 2017 war sehr feucht, 2018 dafür viel zu trocken. Gegensätzlicher können Jahre nicht sein.“

Axel Büssem