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Weniger Scheidungen in MV: Ehen halten wieder länger

Rostock Weniger Scheidungen in MV: Ehen halten wieder länger

Trotzdem streiten Eltern häufiger um das Sorgerecht für die Kinder

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Das liegt wohl an den Verlockungen der Großstadt.“ Chris Müller (SPD), Senator in Rostock, über die hohe Scheidungsrate in der Hansestadt

Quelle: Ove Arscholl

Rostock. Drum prüfe, wer sich ewig bindet, wusste bereits der Dichter Friedrich Schiller. Immer mehr Paare in Mecklenburg-Vorpommern nehmen sich diesen Rat anscheinend zu Herzen, bevor sie vor Altar oder Standesbeamten treten: In MV wird so viel geheiratet wie lange nicht mehr. Gleichzeitig bricht die Zahl der Scheidungen ein.

10700 Eheschließungen meldet das Statistische Bundesamt für 2014 in MV. Seit mehr als zehn Jahren steigt dieser Wert kontinuierlich an. Mittlerweile werden im Nordosten doppelt so viele Ja-Worte gegeben wie noch Mitte der 1990er Jahre, in den schwierigen Zeiten nach der Wende. Auf der anderen Seite geht die Zahl der Scheidungen zurück. Vergangenes Jahr trafen sich 3160 angehende Ex-Paare vor dem Familienrichter – 21 Prozent weniger als noch 2010.

Jeder sechste Scheidungsfall von MV trägt sich in Rostock zu. In der Hansestadt ist der eheliche Frieden anscheinend besonders stark gefährdet, denn hier sinken die Scheidungszahlen nicht.

Ballungsräume wie Berlin und Hamburg weisen ähnliche Tendenzen auf. „Das liegt wohl an den Verlockungen der Großstadt“, sagt Chris Müller (SPD), der für das Rostocker Standesamt zuständige Senator.

Müller spricht möglicherweise aus Erfahrung: Er wurde vergangenes Jahr selbst geschieden, sagt er. Merkwürdig: Obwohl sich landesweit weniger Paare scheiden lassen, wird nach einer Trennung viel häufiger um die Kinder gestritten. Die Zahl der Sorgerechtsverfahren vor den Gerichten in MV hat sich in zehn Jahren fast vervierfacht. Das geht aus einer parlamentarischen Anfrage im Landtag hervor.

„Solche Streitigkeiten sind für Kinder und Eltern meist sehr belastend“, sagt die Sozialpolitikerin Jacqueline Bernhardt, die zusammen mit Barbara Borchardt (beide Linke) die Anfrage gestellt hat.

Seit 2009 haben Väter einen stärkeren Anspruch darauf, nach einer Trennung das geteilte Sorgerecht zu bekommen. Außerdem hat sich das Rollenbild geändert, meint die Rostocker Fachanwältin für Familienrecht, Heike Freiherr: „Viele Väter wollen mehr sein als der Papa für jedes zweite Wochenende.“ Das möchten Mütter mitunter nicht. Folge: Das Amtsgericht muss entscheiden, ob der Vater mitreden darf, wenn es um die Wahl der richtigen Schule oder um den Wohnort geht.

Nicht selten werde der Streit um die Kinder dazu verwendet, den verflossenen Partner „fertigzumachen“, sagt die Stralsunder Familienanwältin Sigrun Kämpf-Möllers. Manchmal sei auch die Kommunikation zwischen den Streithähnen extrem schwierig, weil sich viele Ex-Paare vorher nur für relativ kurze Zeit kannten. Politikerin Bernhardt fordert mehr Unterstützung für die Beteiligten im Vorfeld – damit es zu solchen Konflikten gar nicht erst kommt.

„Die Beratungs- und Hilfeangebote müssen ausgebaut werden, um eine Eskalation von Paarproblemen und eine Trennung der Eltern zu verhindern“, sagt sie.

Hintergrund der Linken-Forderung sind geplante Kürzungen der Landesregierung bei den 39 Schwangerschaft-Konfliktberatungsstellen im Land. Hier bekommen Frauen nach einer Beratung den nötigen Schein für einen Schwangerschaftsabbruch, es werden aber auch Paare in Krisen beraten. Das Land will seinen Personal- und Sachkostenzuschuss für die Einrichtungen von 90 auf 80 Prozent senken.

Träger wie die Awo und Diakoniewerk Kloster Dobbertin befürchten, dass sich auf dieser Basis das Angebot nicht aufrechterhalten lässt. Personalabbau und geschlossene Außenstellen könnten die Folge sein. Schlecht für Paare mit Trennungsgedanken. „Der Wahn ist kurz, die Reu’ ist lang“, warnte schon Friedrich Schiller.

Gerald Kleine Wördemann

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