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Wenn Arbeit krank macht

Rostock Wenn Arbeit krank macht

Körperliche Belastungen haben sich geändert / Psychische Anforderungen wachsen

Rostock. Kaputter Rücken, Burnout-Syndrom, Gleichgewichtsstörungen: Die moderne Arbeitswelt birgt zahlreiche Gesundheitsrisiken. Auch wenn harte körperliche Arbeit, die früher viele Beschäftigte krank gemacht hat, vielfach durch leichtere Tätigkeiten ersetzt wurde, müssen immer noch viele Erwerbstätige behandelt werden. Durch ein gutes Gesundheitsmanagement versuchen viele Firmen, in Zusammenarbeit mit den Krankenkassen, vorzubeugen.

„In zahlreichen Berufen gibt es weiterhin körperliche Belastungen“, sagt Jörg Hinz, Projektkoordinator betriebliche Gesundheit bei der AOK Nordost. Als Beispiele nennt er das Reinigungsgewerbe, Busfahrer, Forstleute und stehende Tätigkeit wie Fließbandarbeit. Aber auch Büroarbeit kann dem Körper schaden, wenn die Arbeitsbedingungen nicht gut sind.

Einen Anstieg gebe es bei den psychischen Belastungen: „Gerade im Dienstleistungsbereich mit Kundenkontakt nehmen sie zu“, so Hinz. Besonders betroffen seien etwa Beschäftigte im Pflegebereich:

„Diese Arbeit ist körperlich anstrengend und gleichzeitig psychisch belastend.“ Erschwerend komme hinzu, dass im Gesundheitswesen viel Schichtarbeit nötig sei. „Wir brauchen soziale Netze, die uns nach der Arbeit auffangen. Aber wenn eine Krankenschwester häufig in Schichten arbeitet, hat sie oft gar keine Möglichkeit, überhaupt jemanden zu finden.“

Und auch mit zunehmenden geistigen Belastungen seien viele Beschäftigte konfrontiert: „Die Verarbeitungsgeschwindigkeit von Informationen wächst und damit wachsen auch die Anforderungen an die Mitarbeiter.“ Die Automation sei hier ein wichtiger Faktor: „Wenn etwa ein Metallarbeiter 20 Jahre lang mit den Händen gearbeitet hat und plötzlich nur noch eine Maschine bedienen soll, ist das eine große Herausforderung“, erklärt Hinz.

Viele Mitarbeiter leiden auch unter der hohen Fluktuation in der modernen Arbeitswelt: „Es ist nicht mehr selbstverständlich, dass ein Kollegenkreis 20 Jahre lang zusammenarbeitet“, sagt Hinz. „Das Wir-Gefühl in Unternehmen wird immer seltener.“

Ein wichtiger Punkt sei die Frage der Wertschätzung. Beispiel: „Für die Unternehmensleitung ist es aus ihrer Sicht ein Zeichen der Wertschätzung, wenn sie den Mitarbeitern gute Arbeitsbedingungen bietet oder bei einer Fortbildung gutes Essen servieren lässt. Für Mitarbeiter ist es aber viel wichtiger, wenn ihre guten Leistungen gewürdigt werden, etwa indem sie beim Feiern von Erfolgen eingeladen werden.“

Wie viele Beschäftigte durch Arbeit krank werden, lasse sich nur schwer sagen, meint der Experte, zumal sich die Zahl nicht nur an den Fehltagen ablesen lasse: „Man schätzt, dass etwa 20 Prozent trotz Krankheit zur Arbeit kommen.“

Damit es nicht so weit kommt, berät die AOK Firmen in Gesundheitsfragen: „Wir entwickeln gemeinsam mit den Unternehmen Angebote, die den Einzelnen stark machen“, sagt Hinz. So werden Mitarbeiter zunächst auf ihre Fitness getestet, um ihre Leistungsfähigkeit einzuschätzen. Unter anderem wird getestet, wie lange die Beschäftigten das Gleichgewicht halten können: „Der Gleichgewichtssinn gilt als wichtigstes Sinnesorgan für die geistige Leistungsfähigkeit“, erklärt der Fachmann. Die psychische Belastung wird mittels eines Fragebogens ermittelt. Die Ergebnisse werden dann gemeinsam mit den Unternehmen ausgewertet, um Missstände durch gezielte Verbesserungen und Übungen zu beseitigen. „Das Gleichgewicht kann etwa dadurch trainiert werden, dass man bei einem Waldspaziergang ab und zu auf gefällten Bäumen balanciert“, empfiehlt Hinz. Bei psychischem Stress biete sich autogenes Training an.

Allerdings liege es auch bei jedem Einzelnen, wie er mit Belastungen umgehe: „Belastung ist nicht an sich negativ, man kann sie auch als Herausforderung sehen“, sagt Hinz. „Wenn ich sie annehme, kann ich mich weiterentwickeln. Wenn man sich dagegen zu lange nicht verändert, ist man irgendwann gar nicht mehr dazu fähig.“

Axel Büssem

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