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Wenn das Schwimmen ins Wasser fällt

Wenn das Schwimmen ins Wasser fällt

Viele Schulen in MV bitten Eltern zur Kasse: Mehrheit der OZ-Leser fordert kostenfreien Unterricht

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Schwimmunterricht für die Jüngsten: An 45 von knapp 270 befragten Schulen in MV werden Eltern für den Kurs zur Kasse gebeten.

Quelle: Bosslet

Rostock. Mädchen und Jungen sollen schwimmen lernen, das ist gesund, sollte man meinen. Auch gibt es den Kindern gerade in Mecklenburg-Vorpommern, dem Land der Küste und Seen, die nötige Sicherheit. Doch für den Besuch im Hallenbad fehlt es etlichen Grundschulen in MV an Zeit und Geld. So müssen viele Eltern für den Schwimmunterricht ihrer Kinder zahlen.

An 45 von knapp 270 befragten staatlichen Grundschulen ist der Schwimmunterricht kostenpflichtig – meist geht es um den Transport und das Eintrittsgeld. Auf der OZ-Facebook-Seite äußert sich ein Großteil unserer Leser empört über die Abgabe, während andere wiederum Argumente für den bezahlten Unterricht finden.

So hinterlässt Monika Dinse die Nachricht, dass der Schwimmunterricht zum Sportunterricht gehöre und dass es schon traurig genug sei, dass er nur in der dritten Klasse stattfinde.

„Es wird so viel Geld in andere Sachen gesteckt. Warum nicht in unsere Kinder?“ Und auch Karsten Kolbe plädiert für den kostenfreien Unterricht: „Selbstverständlich sollten die Kosten nicht die Eltern tragen, schließlich ist der Unterricht in MV Pflicht. Es käme doch auch keiner auf die Idee, dass Kinder ihre eigenen Chemikalien mit zum Chemie-Unterricht nehmen oder es Gebühren für die Benutzung der Mikroskope im Bio-Unterricht gibt.“ Conny Selby fügt an: „Wenn der Schwimmunterricht Geld kostet, werden künftig weniger Kinder schwimmen können, und es wird mehr Badeunfälle geben“, ist unsere Leserin überzeugt.

Dialla Bescht fragt entsetzt: „Für was zahlen wir Steuern? Diese sollten doch die Aufgaben, die der Staat für die Bürger zu erfüllen hat, abdecken.“ Dazu gehört für Bescht an erster Stelle die Schulbildung. „Wir zahlen immer mehr Steuern, doch reicht es nicht einmal für den Schwimmunterricht?“

Für Manuela Bruder ist das Bezahlen für den Unterricht keine Option: „Ich bin definitiv dagegen. Es ist wichtig, dass die Kinder schwimmen lernen. Es ist schon schlimm genug, dass viele nicht richtig schwimmen können. Da besteht Nachholebedarf.“ Sparen sollten nach ihrer Ansicht indes die Politiker an ihren Diäten. Und Kerstin Gibat wirft ein, dass man im Moment doch nur froh sein könne, wenn sich die Kinder überhaupt noch bewegen. „Wieso wird immer bei den Kleinsten gespart?“

Ebenfalls kein Verständnis zeigt Sabine Dörwald : „Der Unterricht dient der Sicherheit. So viele Kinder ertrinken, weil sie nicht schwimmen können.“ Auch OZ-Abonnentin Susanna Schmidt fordert: „Solange das Schwimmen verpflichtend zum Unterricht gehört, müssen die Kosten auch vom Staat getragen werden.“ Schon alleine das Ansinnen sei in Zeiten wie diesen ein absoluter Hohn und ein weiterer Schlag ins Gesicht der zahlreichen, steuerzahlenden Einheimischen, meint Roberto Sass .

Für Leserin Romana Romana könnte sich eine gefährliche Entwicklung auftun. „Sobald weiterhin Kosten für das Schwimmen erhoben werden, melden weniger Eltern ihre Kinder beim Unterricht an – vor allem die, die weniger Geld zur Verfügung haben.“ Dann gebe es noch mehr Nichtschwimmer.

Marion Gerstmeyer hingegen zählt zu jenen, die in der Kostenübernahme durch die Eltern kein Problem sehen. Sie nimmt Bezug auf die eingangs erwähnte Darstellung: „Ob der Schwimmunterricht zum Sportunterricht gehört, ist fraglich. Ich bin der Meinung, dass ein Obolus von den Eltern geleistet werden müsste. Für Sozialschwache könnte er ja kostenlos angeboten werden.“

Wenke Baumgart berichtet, dass sie gerade erst 200 Euro für den Schwimmunterricht ihres Sohnes für zwei Monate bezahlt hat. „Ich finde es gerade hier an der Ostsee wichtig für unsere Kinder, dass sie schwimmen können.“

Und Kristina Töbich beendet die Debatte an dieser Stelle mit der Frage: „Wollte der Staat die Kinder oder ihr selbst?“

Nichtschwimmer-Land

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) warnt: Jeder vierte Erwachsene kann nicht oder nur schlecht schwimmen. Bei den Kindern können fast 40 Prozent im Alter von zehn Jahren nicht schwimmen. Die DLRG beklagt, dass seit 2007 bundesweit mehr als 300 Schwimmbäder geschlossen wurden.

Im Jahr 2015 starben laut DLRG 488 Menschen beim Baden in Deutschland, die meisten in Flüssen und Seen. Das ist der höchste Stand seit neun Jahren. An der deutschen Nord- und Ostseeküste gab es im vergangenen Jahr 14 Badetote.

Juliane Lange

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