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MV aktuell Westpakete wurden systematisch geplündert
Nachrichten MV aktuell Westpakete wurden systematisch geplündert
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14:55 03.12.2018
Am Fließband werden Pakete sortiert (Archivbild vom Dezember 1975). Quelle: Herbert Rogge
Leipzig

Seit 1972 wurden in der DDR Westpakete systematisch ausgeraubt. Das berichtet der letzte DDR-Minister für Post- und Fernmeldewesen aus der de Maizière-Regierung, Hans-Jürgen Niehof, im Gespräch mit dem MDR-Magazin „Umschau“.

Auch korrekte Pakete durchsucht

Geplündert wurden nach Auskunft von Niehof nicht nur Irrläufer, die nicht zugestellt werden konnten, sondern auch korrekt beschriftete Pakete, die von der Stasi als unzustellbar deklariert wurden. Nach Dokumenten aus der Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU) waren es mehrere hunderttausend Pakete pro Jahr, die der Staat bestohlen hat.

Pakete für die DDR werden auf Transportwagen (Archivbild vom Dezember 1976) Quelle: Herbert Rogge

Wie aus Aufzeichnungen der Stasi hervorgeht, soll der Geheimdienst zwischen 1986 bis 1990 Bargeld und Waren im Wert von 32 Millionen D-Mark (10 Millionen Ost-Mark) aus den Paketen entnommen haben.

Alles, was man gebrauchen kann

„Was man aus den Paketen irgendwie gebrauchen konnte, wurde entweder zur Devisenerbringung zugeführt oder es fand sich in der Waldsiedlung bei den Politbonzen in Wandlitz wieder“, erzählt Niehof.

Er berichtet, dass mittlere und höhere Führungskräfte die Waren aus den Paketen im Kurs 1:1 kaufen konnten. Dafür gab es die Möglichkeit in bestimmten Geschäften und im geheimen Zentrallager der Staatssicherheit in Freienbrink. In dem Ort bei Berlin fand auch die Paketkontrolle statt.

Mehr zu Hans-Jürgen Niehof

Hans-Jürgen Niehof wurde nach der Volkskammerwahl im März 1990 ins DDR-Ministerium für Post- und Fernmeldewesen berufen und war dort stellvertretender Minister.

Nach dem Rücktritt seines Vorgesetzten im August 1990 wurde er zum geschäftsführenden Minister ernannt und war bis zum 3. Oktober 1990 im Amt.

Vor 1989 war er Fernmeldetechniker bei der Deutschen Post.

Bereits ab 1967 wurden viele Westpakete durchleuchtet und deren Inhalte durch die staatlichen Organe verwertet, allerdings noch nicht systematisch. Zwar garantierte die DDR-Verfassung das Postgeheimnis, doch es gab Ausnahmen. „Wenn es die Sicherheit des sozialistischen Staates erforderte, durften auch Sendungen kontrolliert werden“, so Niehof.

Unter bestimmten Vorwänden gab es Ausnahmen

Unter dem Vorwand, die DDR vor Staatsfeinden und Hetze aus dem Westen zu schützen, habe die Stasi dann die Ausnahmen zur Regel gemacht, so der Ex-Minister.

Von RND/lin

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