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Widerstand gegen „alternative Fakten“

Rostock/Greifswald Widerstand gegen „alternative Fakten“

650 Menschen demonstrieren in MV für Freiheit der Wissenschaften

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„Make my brain great again“ (Mach’ mein Gehirn wieder groß) steht auf dem Schild beim Rostocker „Marsch für die Wissenschaft“.

Quelle: Foto: B. Wüstneck/dpa

Rostock/Greifswald. In den Universitätsstädten Rostock und Greifswald haben am Sonnabend mehr als 650 Wissenschaftler und Studenten für die Freiheit der Wissenschaft und gegen alternative Fakten demonstriert. Ziel des weltweiten „March for Science“ sei es zu zeigen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse als Grundlage des gesellschaftlichen Diskurses nicht verhandelbar sind, sagt Organisatorin Wiebke Peters vom Rostocker Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung. „Die Demonstration soll ein Bekenntnis zur Wissenschaft sein“, erklärt Mitorganisator Prof. Uwe Freiherr von Lukas vom selben Forschungsinstitut.

Veranstalter und Polizei in Rostock sprachen von rund 250 Teilnehmern. In Greifswald wurden rund 400 Teilnehmer gezählt. Der Greifswalder Philosophieprofessor Micha Werner warnte auf dem Marktplatz der Hansestadt vor einem Fakten negierenden Nationalismus. „Autokraten haben ein Interesse an einer unaufgeklärten Öffentlichkeit“, betont er. Denn Angst, Zweifel und Unsicherheit seien dort am wirksamsten, wo sie nicht durch Fakten begrenzt würden.

Wissenschaftler des Greifswalder Max-Planck-Instituts demonstrierten mit Plakaten wie „Science Research for All – Today. Technology for All – Tomorrow“ für das Anerkennen von wissenschaftlichen Fakten. „Fakten sind manchmal unbequem“, sagt Institutsleiter Thomas Klinger. Sie zu leugnen, ändere aber nichts an den Fakten. Am Max-Planck-Institut arbeiten Wissenschaftler aus etwa 20 Nationen. Ein Teil von ihnen war am Sonnabend zur großen Demonstration nach Berlin gefahren. 

Ähnliche Argumente auch in Rostock: Wissenschaft liefere die Befunde, die Grundlage für informierte Entscheidungen sind – im Privaten wie in der Politik, sagt Organisatorin Peters. Wenn es egal sei, ob Aussagen auf solider Forschung beruhen oder frei erfunden sind, habe das weitreichende Konsequenzen.

Für den Rostocker Universitäts- Rektor Wolfgang Schareck geht es um die Hochschulautonomie und den internationalen Austausch. Es gebe zwar auch finanzielle Gründe, warum die Autonomie eingeschränkt ist, dies dürfe aber nicht durch politische Einflüsse geschehen. Schareck erinnert dabei an mögliche Einreiseverbote, die die USA verhängen will, an Einschränkungen türkischer Forscher oder extrem starke finanzielle Engpässe an griechischen Universitäten. „Wir sind auf Weltoffenheit und internationalen Austausch angewiesen.“ Die Hochschule für Musik und Theater Rostock brauche die Möglichkeit, Menschen aus allen Teilen der Welt aufzunehmen, ergänzt Rektorin Susanne Winnacker.

Besonders ärgert Wissenschaftler das Gerede von „alternativen Fakten“, das zurzeit in vielen Ländern zunimmt. „Wissenschaftliche Befunde sind das Beste,was wir haben“, sagt Cornelius Hammer, Präsident des Internationalen Rates für Meeresforschung. Von „alternativen Fakten zu reden sei „die moralische Legitimierung der Unwahrheit“. Ulrich Bathmann, Chef des Warenmünder Instituts für Ostseeforschung, spricht von Lügen. „Fakten sind das Beste, was wir haben.“ Sie müssten akzeptiert werden, bis das Gegenteil bewiesen sei. Wissenschaft liefere auch empirische Befunde, die Grundlage für informierte Entscheidungen sind – im Privaten wie in der Politik. Darüber waren sich die Teilnehmer von Studenten bis zum Uni-Rektor einig.

Weltweite Proteste

600 Städte beteiligen sich weltweit am „Marsch für die Wissenschaft“ („March for Science“). Wissenschaftler demonstrieren für eine unabhängige Forschung. Vor allem in den USA sorgen sie sich, unter Präsident Trump nicht mehr frei forschen zu können, etwa zu Klimawandel oder Impfungen. Unter anderem in Argentinien, Island, Indien, Neuseeland und Uganda gab es Aktionen.

In Deutschland wurden Aktionen in mindestens 18 Städten angekündigt: in Berlin, Bonn, Dresden, Frankfurt, Freiburg, Göttingen, Greifswald, Hamburg, Heidelberg, Jena, Koblenz, Köln, Leipzig, München, Münster, Rostock, Stuttgart, Tübingen – sowie auf der Nordseeinsel Helgoland.

Joachim Mangler und Thomas Niebuhr

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