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Wie bitte, Doktor, was hab’ ich?

Rostock Wie bitte, Doktor, was hab’ ich?

Für viele Patienten sind Arztbefunde Bücher mit sieben Siegeln / Ein Übersetzungsportal hilft

Rostock. Es klingt wie eine Tropenkrankheit, dabei ist der Patient kerngesund. Nur entschlüsseln kann er die entscheidende Zeile nicht. „Sono Abdomen o.p.B.“ steht im Ultraschall-Befund. Zu Deutsch: Der Bauch ist frei von krankhaften Veränderungen.

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Für viele Patienten sind Arztbefunde Bücher mit sieben Siegeln / Ein Übersetzungsportal hilft

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Fachbegriffe, Abkürzungen, rätselhaftes Kauderwelsch: Wenn Otto-Normal-Patient einen Arztbefund liest, versteht er in der Regel kaum ein Wort. Das Team vom Online-Portal „Was hab’ ich“ will das ändern. Es hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Medizinerlatein in eine für Laien verständliche Sprache zu übersetzen. Kostenlos. Das Ziel: Der Patient soll begreifen, wie es um seine Gesundheit steht. Nur dann kann er seinem Arzt die richtigen Fragen stellen und bewusst mitentscheiden, wie er behandelt werden will, erklärt Anne Klinkenberg (27). „Der Patient von heute ist mündig und will seine Krankheit verstehen. Wir helfen dabei.“ Die gebürtige Rostockerin hat in Greifswald Medizin studiert und zählt zum siebenköpfigen Stammpersonal von „Was hab’ ich“. Hinzu kommen hunderte Ärzte und Medizinstudenten bundesweit, die ehrenamtlich dolmetschen.

Anwenderfreundlich

Der Service funktioniert kinderleicht: Der Nutzer lädt unter www.washabich.de seinen Befund anonym hoch oder sendet ihn per Fax ein. Studenten, die mindestens im achten Fachsemester Medizin studieren, übersetzen das Dokument in „Patientendeutsch“. Nach wenigen Tagen kann der Nutzer seinen jetzt verständlichen Befund passwortgeschützt online abrufen.

Zum Dolmetscher-Team gehört Lukas Schütz (23). Er studiert an der Uni Rostock im zehnten Semester Medizin. Seit gut einem Jahr übersetzt er nebenher Röntgen- und EKG-Befunde. „Im Studium lernen wir nur aus Büchern. Ich wollte praktische Erfahrungen sammeln und Kontakt zu Patienten haben.“ Dabei ist er nicht allein: Bei komplexen Befunden kann er jederzeit auf das Wissen des „Was hab’

ich“-Ärzteteams zurückgreifen. „Dabei lerne ich selbst noch viel dazu.“ Beim Übersetzen könne er üben, welche Worte er wählen muss, damit ihn nach dem Studium seine Patienten verstehen.

Wie schnell man dem Fachsprech verfalle, weiß Lukas Schütz aus eigener Erfahrung. Dass man Fraktur auch Knochenbruch nennen kann, daran müsse er sich manchmal selbst erinnern. „Was für uns Mediziner selbstverständlich ist, verstehen Laien nicht.“

Medizinstudenten werde verständliches Deutsch im Studium buchstäblich abtrainiert, sagt Anne Klinkenberg. „Schon ab dem ersten Semester werden sie nur danach gefragt, wie dieses und jenes auf ,schlau’ heißt. Wir schulen sie darin, wieder umzudenken.“, sagt Klinkenberg. In Online-Kursen bringt das „Was hab’ ich“-Team angehenden Ärzten bei, wie sie Befunde so erklären, dass sie jeder kapiert.

Ein weiteres Angebot ist der Patientenbrief. Wer aus dem Krankenhaus entlassen wird, bekommt einen Arztbrief. Der ist für den Hausarzt gedacht und entsprechend formuliert. Dabei wäre es für den Patienten wichtig, zu wissen, was bei ihm festgestellt worden ist und wie er sich nun verhalten soll, sagt Klinkenberg. Das sollen individuelle Entlassungspapiere ermöglichen.

Auch nach dem direkten Gespräch mit ihrem Doktor sind viele Patienten kaum schlauer als zuvor. Nachvollziehbar, sagt Anne Klinkenberg. „Wenn man beim Arzt ist, ist man aufgeregt, hat vielleicht Hemmungen, nachzufragen oder wird von seinen Schmerzen abgelenkt. Gut 80 Prozent aller Informationen hat der Patient schon vergessen, wenn er das Behandlungszimmer verlässt.“ Auch der Zeitfaktor spiele dabei eine Rolle: Ein durchschnittliches Arzt-Patient-Gespräch dauere sieben Minuten. Das reiche nicht für lange Erklärungen, sagt Klinkenberg. So mancher sucht sich online Hilfe. „Aber sich mit seinen Symptomen Krankheiten zusammen zu googeln, kann schnell schief gehen.“

Folgenschwere SprachbarriereDie richtige Sprache ist ein wichtiger Faktor, wenns um Gesundheit geht. Für Ärzte seien Fachbegriffe unverzichtbar, erklärt Anne Klinkenberg. Mit ihnen könnten sich Kollegen schnell und unmissverständlich austauschen. Bei dem, der sie nicht versteht, könnten die Worte allerdings unerwünschte Nebenwirkungen hervorrufen: Den einen plagen Ängste um die eigene Gesundheit, der nächste nimmt Medikamente falsch ein, weil er die Arztempfehlungen nicht nachvollziehen kann.An die 1600 Ehrenamtler haben seit der Gründung von „Was hab’ ich“ vor sechs Jahren mehr als 33000 Befunde übersetzt. Die Nachfrage steigt. „Der Informationsbedarf ist sehr groß“, sagt Anne Klinkenberg. Daher müsse, wer seitenlange Schreiben einschicke, auch mal eine Woche Geduld aufbringen. In der Regel würden Übersetzungswünsche binnen eins, zwei Tagen erfüllt. Sorgen, dass Persönliches publik wird, brauchen sich Nutzer nicht zu machen. Die Portalbetreiber legen Wert auf Datenschutz. „Wir empfehlen Patienten, persönliche Daten auf den Dokumenten zu schwärzen, bevor sie sie uns schicken.“ Ferner sollen ärztliche Schweigepflicht und verschlüsselte Verbindungen Sicherheit gewähren. Wer eine Zweitmeinung oder Therapieempfehlung erwartet, ist bei den Übersetzern übrigens an der falschen Adresse. „Wir pfuschen nicht ins Arzt-Patienten-Verhältnis, wir tragen dazu bei, dass Patient und Arzt die gleiche Sprache sprechen“, sagt Klinkenberg. Das sei die Basis für eine erfolgreiche Behandlung. Befund-Übersetzer:

 

www.washabich.de

Kleines Befund-Lexikon: Klingt schlimmer als es ist

Sono Abdomen o.p.B.

Bei der Ultraschall-Untersuchung vom Bauch sind keine krankhaften Veränderungen aufgefallen. Sono ist ein Fachwort für die Ultraschall-Untersuchung. Abdomen bedeutet Bauch. O.p.B. steht für „ohne pathologischen Befund“.

Idem zur Voruntersuchung

Es gibt keine Veränderung im Vergleich zur Voruntersuchung.

Euthyreote

Stoffwechsellage

Die richtige Menge an Schilddrüsen-Botenstoffen ist im Körper vorhanden. Die Schilddrüse ist ein kleines Organ unter dem Kehlkopf. Ihre Botenstoffe beeinflussen zum Beispiel den Herzschlag, die Verdauung, und ob man schwitzt oder friert.

Vesikuläres AG

Das ist das normale Atemgeräusch, wenn die Lunge abgehört wird. AG steht für Atemgeräusch.

Kein KS, kein DS

„Kein KS“ bedeutet kein Klopfschmerz. „Kein DS“ kein Druckschmerz. Bei der körperlichen Untersuchung werden einige Teile vom Körper abgeklopft und gedrückt. Klopfschmerz und Druckschmerz können Hinweise auf Krankheiten sein.

Physiologische Lordose der HWS

Wenn man von der Seite auf die Wirbelsäule schaut, dann ist sie nicht gerade. Sie ist zum Beispiel am Hals nach vorn gebogen. Das nennt man Lordose. Wenn die Halswirbelsäule (HWS) normal nach vorn gebogen ist, dann heißt es physiologische Lordose.

Keine ICB

Das heißt, bei Untersuchungen des Kopfes ist keine Blutung im Gehirn gesehen worden. ICB steht für intra-cerebrale Blutung.

Zystische Raumforderung im IV. Segment

Eine zystische Raumforderung ist ein flüssigkeitsgefüllter Hohlraum im Gewebe, wie eine Blase. Man kann die Leber in verschiedene Abschnitte einteilen. Die Abschnitte heißen Segmente. Bei Ihnen ist besagte Blase im vierten Abschnitt. Der vierte Abschnitt befindet sich eher mittig in der Leber.

Pneumatisiertes

Mittelohrzellsystem

Im Mittelohr gibt es kleine Knochen. Sie sind wichtig fürs Hören. Im Bereich vom Mittelohr gibt es viele kleine Höhlen im Schädelknochen. Das nennt man pneumatisiert. Das ist normal.

Bitte beachten Sie:

Die Abkürzungen können in anderen Zusammenhängen auch andere Bedeutungen haben. „KS“ kann zum Beispiel auch für Kopfschmerz stehen. Fragen Sie im Zweifelsfall nach!

Quelle: washabich.de

Antje Bernstein

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