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Wie viel Grün brauchen Bio-Hühner?

Fürstenhof Wie viel Grün brauchen Bio-Hühner?

Die Ökoaufsicht des Landes wirft dem Eiervermarkter Fürstenhof Verstöße gegen die EU-Öko-Verordnung vor. Auf den Freiflächen soll zu wenig Gras wachsen.

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Hühner in der Fürstenhof-Farm Walkendorf (Kreis Rostock). Der Boden ist fast kahl. Fotos (2): Norbert Fellechner

Fürstenhof. Ausgiebig scharren und picken die Hennen der Fürstenhof-Farm Walkendorf bei Tessin (Landkreis Rostock) im Sand. Einige versuchen auch, ein paar Blätter von den Weiden zu erhaschen, die ihnen Schatten spenden. Wollen die Tiere jedoch Gras fressen, müssen sie den Hals durch den Zaun stecken und ein paar Hälmchen von außerhalb knabbern.

OZ-Bild

Die Ökoaufsicht des Landes wirft dem Eiervermarkter Fürstenhof Verstöße gegen die EU-Öko-Verordnung vor. Auf den Freiflächen soll zu wenig Gras wachsen.

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Genau deshalb beschäftigt der Bio-Erzeugerverbund Fürstenhof erneut die oberste Ökoaufsicht des Landes. In Walkendorf, vereinzelt auch in den Farmen von Woltow, Siedenbrünzow, Sponholz und Bresewitz gebe es Kritik „wegen der unzureichenden Vegetationsdecke“ im Auslauf der Tiere, bestätigt das Landesamt für Landwirtschaft und Lebensmittelsicherheit in Rostock auf Anfrage der OSTSEE-ZEITUNG.

Die derzeit gültige EU-Öko-Verordnung sieht vor, dass Freiflächen zu mindestens 50 Prozent von Grün bedeckt sein müssen. Vorgeschrieben sind auch Bäume und Sträucher, die Schatten spenden und Schutz vor Greifvögeln bieten. Nach einem Bericht in der Berliner Tageszeitung taz soll es in Brandenburg und Niedersachsen ähnliche Probleme mit der Begrünung auf Öko-Hühnerhöfen geben.

Die Lage in den fünf Fürstenhof-Farmen sei bereits seit 2015 bekannt, teilt der Direktor des Amtes, Frerk Feldhusen, mit. Die Auslaufflächen sind deshalb auch 2016 Schwerpunkt von Stichprobenkontrollen. Auffassung der Kontrolleure: „Wenn das Freigelände für Geflügel nicht überwiegend aus einer Vegetationsdecke besteht, liegt ein Verstoß gegen das EU-Öko-Recht vor.“ Die Betriebe müssten dann Bewirtschaftungspläne vorlegen, die zu mehr Grün führen sollen. Würden die Auflagen nicht erfüllt, drohen Sanktionen wie Zwangsgelder oder Ordnungswidrigkeitsverfahren – bis zur Aberkennung des Öko-Status.

Der Geschäftsführer des Erzeugerverbundes, Friedrich Behrens, räumt Gespräche mit der Behörde ein. „Es geht um die Optimierung der Ausläufe. Wir haben einen Maßnahmekatalog, an dessen Umsetzung wir arbeiten“, sagt der Unternehmer. Einen Verstoß gegen die Öko-Verordnung will er sich aber nicht nachsagen lassen. „Bußgelder, Ordnungswidrigkeitsverfahren – gegen uns läuft nichts“, stellt Behrens klar.

Die Behörde reagiert zurückhaltend: Bisher gebe es tatsächlich „kein Bußgeldverfahren wegen unzureichender Vegetationsdecke“, heißt es in einem Schreiben, das der OZ vorliegt. Die Einleitung eines solchen Verfahrens werde aber durch das Landesamt geprüft.

Für Friedrich Behrens ist die Sache mit den Grünflächen eine „Auslegungsfrage“. Man sei verschiedener Meinung darüber, „ob Weiden zur Vegetationsdecke gezählt werden können“, schildert er seine Sicht auf die Dinge. „Warum sollen Weiden weniger Wert sein als Holunderbüsche? Die zählen nämlich.“ Andere Bundesländer würden Weiden als Begrünung anerkennen, meint Behrens. „Warum nicht auch Mecklenburg-Vorpommern?“ Diese Frage will der EierVermarkter geklärt haben. Behrens: „Notfalls vor Gericht.“

Das wäre nicht der erste Fall, bei dem Behrens sich gerichtlich mit den Behörden streitet. Denn Ende 2014 hatte das Rostocker Landesamt 13 Fürstenhof-Betriebe mit einem Öko-Vermarktungsverbot belegt, weil ihr Mischfutterwerk über einen holländischen Importeur belastetes Bio-Sonnenblumenfutter aus der Ukraine eingesetzt hatte. Behrens hält diese Sperrung für „nicht EU-konform“ und klagt deshalb vor dem Schweriner Verwaltungsgericht, bisher ohne Ergebnis. Der wirtschaftliche Schaden aus der Sperrung war beträchtlich: mehr als zwei Millionen Euro.“

Schon 2013 hatte Agrarminister Till Backhaus (SPD) mehrere Fürstenhof-Farmen wegen Unregelmäßigkeiten im Auslauf der Tiere sperren lassen. Ein Teil der Vorwürfe ging an die Rostocker Staatsanwaltschaft, die aber kein strafrechtlich relevantes Vergehen feststellen konnte. Damals büßte das Unternehmen laut Behrens rund 70000 Euro ein. Noch schwerwiegender aber ist vermutlich der Image-Verlust. „Wenn wir immer wieder ins Negative gezogen werden, verunsichert das die Verbraucher und unsere Kunden“, weiß der Firmenchef. Deshalb will er sich gegen die „öffentliche Demontage“

der Unternehmensgruppe weiter zur Wehr setzen.

Bis zu 38000 Legehennen in einer Anlage

14 Farmen mit etwa 300000 Legehennen gehören zum Erzeugerverbund Fürstenhof (Landkreis Rostock). Der Öko-Vermarkter gehört bundesweit zu den größten Bio-Eieranbietern und ist überregional in vielen Handelsketten gelistet. Doch es gibt Kritik: Die Hühner werden in Großanlagen mit bis zu 38000 Legehennen gehalten. Die einzelnen Herden (jeweils 3000 Hühner) sind im Stall nur durch dünne Wände getrennt. Die Öko-Branche streitet, ob solche Großanlagen künftig noch erlaubt sein sollen. Der Anbauverband Biopark in Güstrow (Landkreis Rostock) hat festgelegt, dass ab 2018 ein Stall maximal 6000 Tiere beherbergen darf.

Elke Ehlers

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