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MV aktuell Wiedersehen nach 42 Jahren
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00:05 13.05.2017
Graal-Müritz

Für Alfred Gallin beginnt der vergangene Sonnabend mit einer Überraschung. Am Morgen steht der Nachbar mit der Beilage zum 65. Jubiläum der OSTSEE-ZEITUNG vor der Tür: „Alfred, der auf dem Foto auf der ersten Seite, das bist du doch. Nun bist du eine Berühmtheit.“

Hier irrte der Nachbar, denn Gallin, von Beruf Fischer, war nämlich schon vor 42 Jahren durch dieses Bild des Stralsunders Harry Hardenberg (heute 81) bekannt geworden. Der damalige OZ-Fotoreporter schoss das Bild von Gallin und den Männern des Zwölf-Meter-

Fischkutters „Störtebeker“ im Mai 1975 im Hafen von Stahlbrode. Das veranlasste Hardenberg zur Annahme, dass die Fischer in diesem Ort am Sund beheimatet seien. Ein Missverständnis, das sich auch in unserer ersten Jubiläumsbeilage vom 6. Mai wiederfand. OZ-Leser klärten darüber auf, dass es sich bei dem Mann mit der Schiffermütze um Alfred Gallin handele, der seit 1947 in Graal-Müritz lebe und heute 86 Jahre alt sei. Auch die Schiffsbesatzung habe aus der Region gestammt.

Die OZ schlug Gallin und Hardenberg vor, sich noch einmal zu treffen. Und so erneuerten beide Männer am Donnerstag nach über vier Jahrzehnten ihre Bekanntschaft. „Ich erkenne dich sofort wieder“, freut sich der Fotograf, als ihn der alte Fischer vor seinem Haus in Graal-Müritz herzlich begrüßt. Auch diesmal ist es so ähnlich wie bei ihrer ersten Begegnung. Von der hatte Harry Hardenberg mit den Worten berichtet: „Die Fischer und ich waren uns nicht fremd, auch weil wir eine Sprache sprachen.“ Bei einer Tasse Kaffee kommt das Gespräch erneut sofort in Gang. „Zunächst muss ich dir aber sagen, dass wir zur Ribnitzer Fischereiproduktionsgenossenschaft (FPG) ,Fischland’ gehörten“, klärt Alfred Gallin seinen Gast kurz auf. Gleich darauf ist er bei seinen Erinnerungen: „Ich weiß noch genau, wie du mit der Kamera ankamst. Ich war gerade dabei, mit Joachim Letto – das ist der Mann mit der Pudelmütze –, Hans Dade und dem Ahrenshooper Schmedemann Hering aus den Maschen zu pulen.

Das war keine sehr beliebte Arbeit.“

„Für mich war das natürlich ein tolles Motiv“, beschreibt der Fotograf seine Sicht auf diese Plackerei der Fischer. Es entstanden beeindruckende Aufnahmen von ihrer schweren Arbeit. Die Fotos wurden später auf Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt und haben bis zum heutigen Tag einen besonderen Platz in Hardenbergs Archiv.

„Wir kamen jedes Jahr zum Fischen in diese Gewässer vor Rügen, weil es dort Hering in Hülle und Fülle gab. In unserer Ecke, vor Fischland, Darß und Zingst, waren nur geringe Bestände. Damit hätten wir den Plan nie erfüllen können“, erläutert Gallin, weshalb der Heimathafen der Ribnitzer Kutter von Februar bis Mai Stahlbrode hieß. „In dieser Zeit mussten wir pro Mann 20 Tonnen Hering fangen, unsere Mannschaft also insgesamt 80 Tonnen. Da hatten wir mächtig zu tun“, erinnert sich der alte Fischer. „Und das habt ihr geschafft?“, fragt Harry Hardenberg. „Haben wir! Damals waren wir ja jung, ich 44. Da konnte ich das verkraften, auch wenn ich mal 72 Stunden nicht aus dem Ölzeug kam.“ Aber anschließend sei man todmüde gewesen und habe ohne Ende schlafen können. „Fit gehalten haben wir uns auch damit, dass wir jeden Morgen einen Becher Tran tranken“, sagt Gallin.

Trotz der Härte des Berufs wollte Gallin nie etwas anderes sein als Fischer. Geboren am Kurischen Haff, zog er schon als Kind „solche Hechte“ aus dem Wasser. Nach 1945 in Mecklenburg gelandet, lernte er hier ab 1947 beim Vater das Fischereihandwerk. Von 1952 bis 1962 zog es ihn zur Hochseefischerei, ehe er bei der FPG anheuerte. Als die nach 1990 dichtmachte, fischte er noch zehn Jahre für sich weiter. Dann hing er Netz und Angel an den Nagel. Heute räuchert er im Garten nur noch Fisch, den er zuvor selbst gekauft hat. Sein Herz hängt noch immer an Meer und Fisch. Und natürlich an seiner Liane (80), mit der er vier Kinder und fünf Enkel hat.

Als sich die beiden Männer in der Hoffnung auf ein Wiedersehen verabschieden, verspricht Hardenberg seinem Gastgeber, ihm einen Wunsch zu erfüllen: „Ich schicke dir Bilder, die ich damals von eurer Mannschaft gemacht habe.“

Werner Geske

. Das Landgericht Schwerin hat einen Mann aus Wismar auf unbestimmte Zeit in eine geschlossene psychiatrische Klinik eingewiesen.

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