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MV aktuell Wilderer beim Jagen von der Polizei erwischt
Nachrichten MV aktuell Wilderer beim Jagen von der Polizei erwischt
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00:01 02.11.2016

Krimineller Jagdausflug: Die Polizei hat am Sonnabend bei Hagenow (Ludwigslust-Parchim) zwei mutmaßliche Wilderer gefasst. Die beiden Männer stammen aus Dänemark und hatten ohne Erlaubnis in einem Wald nahe Scharbow gejagt. Anwohner hörten die Schüsse und alarmierten die Polizei. Als die Beamten wenig später im Wald eintrafen, brachten die Wilderer sie sogar selbst auf die richtige Fährte: Die Polizisten hörten einen Schuss, gingen dem Geräusch nach und erwischten die 47 und 70 Jahre alten Dänen mit ihren Jagdwaffen in Händen. Tags darauf fand der heimische Jäger ein erlegtes Reh in seinem Revier. Erste Ermittlungen haben ergeben, dass einer der kriminellen Waidmänner das Jagdgebiet unweit der A 24 zwar kannte, wegen grober Sicherheitsverstöße dort jedoch nicht mehr jagen durfte. Den Männern droht jetzt eine Geld- oder eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren.

Wilderer haben es auf Trophäen und Fleisch abgesehen.“Ulf Peter Schwarz, Landesjagdverband

67 Fälle von Jagdwilderei hat das Landeskriminalamt im vergangenen Jahr in Mecklenburg-Vorpommern registriert. Tatsächlich dürften es weit mehr sein, denn Wilddiebe bleiben häufig unentdeckt. Zum einen weil sie ihre Beute nicht direkt im Wald zerlegen und so kaum Spuren hinterlassen. Zum anderen würden sie bevorzugt in Neumondnächten zuschlagen, erklärt Ulf Peter Schwarz vom Landesjagdverband. Dann müssten sie nicht befürchten, von echten Waidmännern erwischt zu werden. Damit es mit dem Abschuss im Stockdunkeln klappt, nutzten die Wilderer Nachtsichtgeräte. „Bei Jägern ist das absolut verpönt“, sagt Schwarz. Wahre Waidmänner würden nur bei Büchsenlicht, also bei Mondschein oder während der Dämmerung, in ihre Reviere gehen. Wenn’s dann doch mal knalle, während sie im Wald sind, würden viele Jäger dennoch nicht die Polizei einschalten. Der Schuss hätte ja auch vom Kollegen aus dem Nachbarrevier stammen können.

Schwarz ist überzeugt: Die Wilderer haben es vor allem auf Jagdtrophäen und wertvolles Wildfleisch abgesehen. Für ein Kilo veredeltes Reh zum Beispiel gebe es um die 20 Euro. „Vor Weihnachten noch wesentlich mehr. Das lohnt sich.“ Er vermutet, dass in vielen Fällen jene hinter den illegalen Abschüssen stecken, die zuvor bei der Jagdprüfung durchgefallen sind.

Wilderer müssen in Deutschland kaum Angst haben, geschnappt zu werden: Im vergangenen Jahr sind dem Bundeskriminalamt zufolge insgesamt 968 Fälle von Jagdwilderei gemeldet worden, nur jeder dritte davon wurde aufgeklärt. In Mecklenburg-Vorpommern sah die Bilanz zumindest im vergangenen Jahr besser aus: Zwei von drei angezeigten Jagdwildereifällen konnte die Polizei lösen.

Deutschland habe erheblichen Nachholbedarf bei der Strafverfolgung von kriminellen „Jägern“, beklagt die Naturschutzorganisation WWF. Während in Ländern wie Österreich oder den USA Wilderei von speziell ausgebildeten und ausgerüsteten Sondereinheiten verfolgt werde, sei in Deutschland die örtliche Polizeibehörde meist auf sich allein gestellt.

Rekord beim Rotwild

1 Jäger pro 137 Einwohner: Im vergangenen Jahr waren in Mecklenburg-Vorpommern fast 12000 Menschen im Besitz eines Jagdscheins.

Im Jagdjahr 2015/16 haben die Waidmänner fast 8000 Stück Rotwild erlegt – ein Rekord seit Beginn der Wildstatistik im Jahr 1972. Hinzu kamen rund 12000 Stück Damwild, etwa 55000 Stück Rehwild und mehr als 57600 Wildschweine. Insgesamt wurden 4000 Tonnen Wildbret erzeugt. Das meiste Fleisch ist in heimischen Betrieben veredelt worden.

Antje Bernstein

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