Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell So wild ist MV
Nachrichten MV aktuell So wild ist MV
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:56 16.03.2019
Wildschweine in Greifswald. Quelle: privat
Greifswald/Rostock

Eine ganze Rotte Wildschweine quert die Straße. Mitten in Greifswald. Am helllichten Tag. Gut, dass die Autofahrer zuvor an der roten Ampel stoppen mussten. OZ-Leserin Regina Lenke, die in der Nähe wohnt und uns das Foto zusandte, betont: „Das ist kein Einzelfall.“ Schweinische Spaziergänge seien hier häufig zu beobachten. Und nicht nur an dieser Stelle: Erst im September wühlten Wildschweine das Greifswalder Volksstadion um. In den Ortsteilen Ladebow, Wiek und Eldena, am Ryck, im Elisenhain und im Stadtpark sind die Schweine immer mal wieder ungebetene Gäste. Und: Solche Besucher kennt man in vielen Orten in Mecklenburg-Vorpommern: Auf der Insel Rügen, insbesondere in Sellin, Binz und auf der Insel Hiddensee, so der Jagdverband Rügen. Auch rund um Rostock, in Nordwestmecklenburg und in der Nähe der polnischen Grenze sind sie häufig in Ortschaften zu sehen – bundesweit Schlagzeilen machten zum Beispiel Wildschweine auf Usedom, die zwischen den Badegästen am Strand der Kaiserbäder herumliefen.

Wildschweine: Fruchtbar und schlau

Hintergrund: Wildschweine haben sich in den letzten Jahren stark vermehrt und neue Lebensräume erschlossen. In der Nähe von Menschen suchen sie vor allem Nahrung. Denn: Wildschweine sind Allesfresser. Neben Klee und Gras, Eicheln, Mais, Schnecken und Würmern sind Komposthaufen in Gärten, Abfalltonnen und Müllsäcke vor Häusern und Picknickreste in Parks für sie ein gefundenes Fressen.

Und: Die Tiere gewöhnen sich schnell an diese leicht zugänglichen Nahrungsquellen und „schulen“ ihren Nachwuchs. Zudem merken sie, dass sie im Umland gejagt werden, in der Stadt aber nicht. Denn: In so genannten „befriedeten“ Bezirken, wie Wohnsiedlungen, Grünanlagen, Friedhöfen oder Gärten, ist die Jagd aus Sicherheitsgründen verboten. Nur in Ausnahmefällen, insbesondere zur Gefahrenabwehr oder zur Tierseuchenbekämpfung, und nur, wenn gefahrlos geschossen werden kann, dürfen Wildschweine im Stadtgebiet erlegt werden. Dazu nötig: besonders geschulte Jäger und eine Ausnahmegenehmigung. Beispiel Greifswald: Hier könnte künftig ein sogenannter Stadtjäger tätig werden.

Tipp: Ruhe bewahren!

Was tun, wenn man plötzlich einem wilden Schwein gegenübersteht? Ruhe bewahren! Um weibliche Tiere mit Frischlingen „besser einen großen Bogen machen“, rät die Stadtverwaltung Greifswald auf ihrer Internetseite. Und: Die Tiere nicht in die Enge treiben, Gelegenheit zur Flucht lassen, den Hund an die Leine nehmen. „Fahrradfahrer sollten sich mit ihrer Klingel bemerkbar machen.“ Im Normalfall endet solch eine Begegnung mit der Flucht des Schweins. Falls nicht: die Polizei rufen.

Eine echte Gefahr, die von wilden Schweinen ausgehen könnte: die Afrikanische Schweinepest. Sollte sie in MV ausbrechen, „sind wir handlungsfähig“, erklärt Umweltminister Till Backhaus (SPD). Um dieses Risiko zu verringern, wurden in Mecklenburg-Vorpommern im sogenannten Jagdjahr 2017/2018 fast 86000 Wildschweine geschossen, 41 Prozent mehr als im Vorjahr (61000).

Waschbären an der Mülltonne

Doch wilde Schweine sind längst nicht die einzigen Kulturfolger, die die Nähe der Menschen und ihrer Gärten suchen: Waren einst Hessen und Brandenburg die deutschen Waschbär-Hochburgen, so sind die Tiere längst in ganz Deutschland heimisch und breiten sich auch in MV schnell aus. Zehntausende der kleinen Räuber leben zwischen Ahlbeck und Zarrentin – und plündern immer öfter auch hier Mülltonnen. „Eine Bejagung ist sinnlos“, betont Corinna Cwielag, Landesgeschäftsführerin beim Naturschutzverband BUND MV. „Die Kleinbären reagieren dann mit erhöhter Reproduktion.“

Städte bieten Platz für Elstern und Raben

Doch in der Nähe der Menschen fühlen sich auch immer mehr Elstern, Raben und Haussperlinge wohl. „Mauersegler nisten, in Ermangelung von Höhlenbäumen, immer häufiger in Gebäuden“, betont Cwielag. Gleiches gelte für Eulen und Fledermäuse, die in den vergleichsweise überschaubaren Städten in MV zunehmend Nistplätze finden und heimisch werden.

Elche lieben Gärten auf Usedom

Auch Elche schrecken nicht vor bewohnten Gebieten zurück. Die – vorwiegend jungen männlichen – Tiere machen sich vor allem aus Polen auf den Weg nach MV – und lieben den Imbiss in gepflegten Gärten. Im September 2018 war der bislang letzte Elchbulle im Süden der Insel Usedom unterwegs. Auch 2017 sorgte ein Elch, der später von Lesern der OZ „Pommes“ getauft wurde, auf der Insel für Aufregung. Seine neue Heimat ist die Uckermark in der Elch- und Rentierfarm Kleptow, direkt an der A 20 (Abfahrt Prenzlau Ost).

Thomas Luczak

In Mecklenburg-Vorpommern wird das Bau-Potenzial nicht komplett ausgenutzt. Das Land versucht, besonders den sozialen Wohnungsbau mit verschiedenen Modellen zu fördern.

16.03.2019

4600 Schüler demonstrierten am Freitag in MV für den Klimaschutz. Politiker sind sich indes uneinig im Umgang mit den streikenden Schülern: Schwesig lobt. Hesse droht mit Konsequenzen. Amthor sorgt für Empörung.

20.03.2019

Der Jungstar der SPD diskutierte in Schwerin mit Interessierten über das neue Sozialstaatskonzept seiner Partei.

15.03.2019