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Wildunfälle: Tausende Rehe kommen unter die Räder

Rostock Wildunfälle: Tausende Rehe kommen unter die Räder

ADAC rät: Runter vom Gas und abblenden / Reflektoren sollen Wild warnen

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Der Tod am Straßenrand: Im Flächenland Mecklenburg-Vorpommern ist die Gefahr für Wildunfälle besonders groß.

Quelle: Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Rostock. Die Gefahr lauert oft in der Dunkelheit: Wenn die Nächte länger und die Tage kürzer und grauer werden, kommt es besonders häufig zu Wildunfällen. Dabei sterben in Mecklenburg-Vorpommern offenbar immer mehr Wildtiere. Nach Angaben des Deutschen Jagdverbands (DJV) verendeten im vergangenen Jagdjahr knapp 5400 Rehe auf den Straßen im Nordosten – eine Zunahme um 600 getötete Rehe im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Zudem starben mehr Wildschweine und Damhirsche.

„In einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern ist die Gefahr eines Wildunfalls besonders groß“, erklärt der Sprecher des ADAC für Norddeutschland, Christian Hieff. Viele Autofahrer müssten etwa beim Pendeln zur Arbeitsstelle im Nordosten längere Strecken zurücklegen als in dichter besiedelten Regionen.

In den vergangenen Wochen kam es in MV zu mehreren teilweise verhängnisvollen Wildunfällen. So wurde der Fahrer eines Lkw bei der Kollision mit einem Rothirsch auf der Bundesstraße 110 in der Nähe der Ortschaft Relzow (Kreis Vorpommern-Greifswald) schwer verletzt. Das Tier verendete an der Unfallstelle. Ebenfalls schwer verletzt wurden ein Fahrer und seine Beifahrerin auf der Landesstraße

01 zwischen Hohenkirchen und der Wohlenberger Wiek (Kreis Nordwestmecklenburg), als ihr Auto gegen ein Wildschwein prallte. Das Tier hatte bereits – vermutlich nach einem vorherigen Unfall – auf der Straße gelegen.

„Wildtiere kennen keine Verkehrsregeln, sie müssen über Straßen wandern, etwa um zu fressen oder einen Partner zu finden“, erklärt das DJV-Präsidiumsmitglied Wolfgang Heins. Wenn es wenig Bucheckern und Eicheln gibt, seien mehr Tiere auf Nahrungssuche unterwegs, ergänzt DJV-Sprecher Torsten Reinwald. Rund 20 Kilometer könne ein Wildschwein pro Nacht wandern. Wichtig ist laut Reinwald auch, was an den Straßen wächst: „Wenn dort Buchen, Eichen oder Obstbäume stehen, wird sich das kein Reh entgehen lassen.“ In die Saatgutmischungen für die Straßenränder gehörten daher mehr Pflanzen mit hohem Bitterstoffgehalt, die dem Wild nicht schmecken. Dagegen zieht das mit Tausalz gewürzte Gras Rehe magisch an. Gerade im Frühjahr brauchten die Tiere viel Kalium und andere Mineralien.

„Der beste Schutz gegen Wildunfälle sind angepasste Geschwindigkeit und vorausschauendes Fahren“, betont der Vizepräsident Verkehr beim ADAC, Ulrich Klaus Becker. Wer Tempo 80 statt 100 fährt, reduziere den Bremsweg um 25 Meter. Besonders unfallträchtig seien unübersichtliche Wald- und Feldränder. Wenn Wild an der Straße steht, sollte man abblenden, kontrolliert abbremsen und hupen, sagt ADAC-Sprecher Hieff. Durch Reflektoren, Duftzäune oder Ultraschall sollen Wildtiere zudem beeinflusst werden, die Straßen vorsichtiger zu queren.

Pro Jahr ereignen sich rund 13000 Unfälle mit Wildtieren auf den Straßen im Nordosten. Statistisch erfasst werden aber nur Unfälle, bei denen Personen- oder schwerer Sachschaden entstehen, Drogen oder Alkohol im Spiel sind. Bisweilen kommen die Tiere auch dem Zugverkehr in die Quere. Anfang des Jahres kollidierte etwa ein IC bei Hagenow (Ludwigslust-Parchim) mit einem Reh. 240 Reisende mussten evakuiert werden.

Bundesweit nahmen Jagdunfälle um fünf Prozent zu

5400 Rehe starben im vergangenen Jagdjahr bei Wildunfällen in Mecklenburg-Vorpommern. Im Vorjahreszeitraum waren es 4800 Rehe. Das sogenannte Jagdjahr dauert jeweils vom 1. April bis zum 31. März. Zudem verendeten im Jagdjahr 2016/2017 in MV 1400 Wildschweine (Vorjahr: 1200), 470 Damhirsche (400) und 300 Rothirsche (300).

Bundesweit gab es 228000 Wildunfälle. Gemessen am Durchschnitt der vorangegangenen fünf Jahre ist das laut Jagdverband eine Steigerung von fünf Prozent.

Axel Meyer und Birgit Sander

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