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00:05 20.10.2016
Hans Peter Wollseifer, Präsident Handwerkszentralverband

Rostock 275 junge Handwerksmeister aus dem Bezirk der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern haben ihre Meisterausbildung absolviert. Heute ab 15 Uhr erhalten sie ihren Meisterbrief in der Rostocker Stadthalle. Ehrengast ist der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, Hans Peter Wollseifer. OZ sprach mit ihm.

Herr Wollseifer, welche Trends gibt es bei Handwerksberufen?

Hans Peter Wollseifer: Einen Boom erleben derzeit Berufe, die mit Gebäudemanagement und Smart Home zu tun haben – zum Beispiel Gebäudetechniker und Elektroniker – sowie Berufe rund um erneuerbare Energien und Gesundheit. Aber wir brauchen mehr Azubis in allen 130 Ausbildungsberufen.

Wie viele Lehrstellen sind in diesem Jahr unbesetzt geblieben?

Wollseifer: Bundesweit etwa 18300. Das sind etwas weniger als 2015. Im Osten Deutschlands haben wir 4,4 Prozent mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen als im Vorjahr, bundesweit sind es ein Prozent mehr. Wir würden gerne mehr ausbilden – denn fast 50 Prozent der Handwerksbetriebe haben bundesweit Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen.

Wie lässt sich dem Fachkräftemangel begegnen?

Wollseifer: Die Ansprüche werden höher. Die Betriebe müssen den jungen Leuten gute Angebote machen. Vor allem aber darf die Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung, von Bachelor und Meister, nicht nur auf dem Papier stehen. Elitenförderung ist nicht nur etwas für Hochschulen! Wir brauchen neben dem Hochschulpakt auch einen Pakt für berufliche Bildung: Berufsschulen und Bildungsstätten haben riesigen Investitionsbedarf – bei Gebäuden, Equipment. Dafür brauchen wir die Mittel.

Apropos Hochschulen: 58 Prozent eines Jahrgangs machen Abi und wollen studieren. Leidet Deutschland unter Über-Akademisierung?

Wollseifer: Es ist ja gut, dass sich junge Leute hohe Ziele stecken. Aber viele fühlen sich in einer beruflichen Ausbildung einfach besser aufgehoben. Und wir schließen höhere Bildung ja nicht aus, im Gegenteil! Das Handwerk bietet sowohl Hauptschulabsolventen als auch Abiturienten tolle Chancen. Schließlich gibt es duale und triale Studiengänge, und ab dem kommenden Jahr auch das Berufsabitur. Da hat man nach vier Jahren sowohl einen Berufsabschluss als auch das Abi.

Viele Unternehmer klagen, dass sie keinen Nachfolger für ihre Firma finden. Wie groß ist das Problem im Handwerk?

Wollseifer: Riesig! In den nächsten zehn Jahren muss jeder fünfte Handwerksbetrieb einen Nachfolger finden. Insbesondere in den ländlichen Regionen wird das schwierig. Umso mehr freuen wir uns über junge Meister wie jetzt in Rostock: Sie werden Start-ups gründen oder Betriebe übernehmen. Sie werden Arbeit und Ausbildung schaffen. Interview: T. Luczak

100 000 Arbeitsplätze

Mehr als 20000 Handwerksbetriebe mit rund 100000 Beschäftigten und über 6000 Lehrlingen erwirtschaften in Mecklenburg-Vorpommern einen jährlichen Umsatz von rund neun Milliarden Euro.

Das Handwerk in Mecklenburg-Vorpommern sorgt für etwa zehn Prozent der Bruttowertschöpfung. Rund 14 Prozent der Erwerbstätigen im Land sind in Handwerksbetrieben tätig, etwa 25 Prozent der Ausbildungen finden im Handwerk statt.

Mit 12,4 Handwerksbetrieben je 1000 Einwohner in MV wird der deutsche Durchschnitt von 11,8 Betrieben pro 1000 Einwohner übertroffen.

OZ

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