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„Wir dürfen die Rechtspopulisten weder ignorieren noch kopieren“

Rostock „Wir dürfen die Rechtspopulisten weder ignorieren noch kopieren“

Aiman A. Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD) über Trump, die AfD in neun Landtagen und den Kampf gegen Rechtspopulismus

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Aiman A. Mazyek bei der OZ

Quelle: Frank Söllner

Rostock. „Was macht ein Muslim an Weihnachten?“ So heißt das Buch, aus dem Ayman Mazyek am Mittwochabend in Rostocks Thalia-Buchhandlung las. Zuvor hatte der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD) die OSTSEE-ZEITUNG besucht.

Dort ging es aber um aktuelle Fragen, etwa: „Was denkt ein Muslim am Tag des Wahlsiegs von Donald Trump, eines Islamophoben?“

Mazyek (47), geboren in Aachen, Sohn eines Syrers und einer Deutschen, fürchtet, dass in den USA, einer der von vielen Völkern und Religionsgemeinschaften gegründeten „Herzkammern der Demokratie“, mit Trumps Wahl eine „Politik des Sündenbocks“ fortgesetzt wird. Als eine Ursache für Trumps Triumph sieht Mazyek den in Amerika über Jahre gewachsenen „unbändigen Hass gegen das Establishment“. Ist das ein Weckruf für die Eliten in Europa? „Wird sich zeigen“, meint Mazyek mit Blick auf rechte identitäre Bewegungen in Frankreich (Front National) oder Deutschland (Pegida, AfD).

Skeptisch sieht er den Einzug der AfD in den Landtag von MV; damit ist sie bundesweit in neun Landesparlamenten präsent. Als er über Facebook seine Sorge über die AfD postete, erntete er einen Shitstorm. Einen Grund für AfD-Erfolg und Fremdenfeindlichkeit in MV sieht Mazyek in der „Kombination von Unbedarftheit und Unreflektiertheit“, die werde ausgenutzt. Allerdings verorte er das Thema keinesfalls nur im Osten Deutschlands – auch bei seinem Auftritt in einer evangelischen Kirche im fränkischen Altdorf habe er – am Reformationstag – einen Aufmarsch „von 20 versprengten Pegidisten“

erlebt und einen 3. Bürgermeister, der von „Islamschweinerei“ sprach. Doch traten dort auch gut 100 Menschen auf, die für den christlich-islamischen Dialog demonstrierten.

Ein Schweinekopf vor Merkels Wahlkreisbüro in Stralsund, eine zugemauerte Moschee in Parchim, sogar ein Sprengstoffanschlag gegen die Wohnung eines Imams in Dresden: nicht nur in „Meck- Pomm“, wie Mazyek sagt, in ganz Deutschland sieht er die Demokratie unter Beschuss, Rechtspopulismus und Antisemitismus nähmen zu. Dennoch: Deutschland sei eher der „ Spätzünder in Europa“, stecke nicht – wie Frankreich – in der Zange zwischen Islamismus und rechten Identitären. So habe es in der Rostocker Moschee zeitweise neosalafistische Tendenzen gegeben, die gemäßigten Kräfte seien aber stärker. Was tun gegen Rechtspopulisten? „Wir dürfen sie weder ignorieren noch kopieren“, fordert Aiman Mazyek. Er plädiert für Argumentieren, Ächten, schlimmstenfalls für Sanktionen. Gefragt seien nicht nur Politiker, auch Kirche und Wertegemeinschaft.

Mazyek sieht nicht nur in Europa den Anbruch einer „postfaktischen Ära“. Emotionen würden Empirie und Argumentation ersetzen, die sozialen Medien würden als Katalysator wirken, meint der Medienberater und Publizist. Und die „political correctness“ bleibe auf der Strecke. Dabei, meint Mazyek, sei diese doch „nichts anderes als gutes Benehmen, Netiquette“.

Thomas Pult und Jürgen Schultz

ZMD

Unter den vier großen und wichtigsten islamischen Dachverbänden (auch Moscheeverbände genannt) ist der Zentralrat der Muslime in Deutschland e.V. (ZMD) der kleinste. Zu ihm gehören überwiegend nichttürkische Muslime, vor allem arabischer, deutscher, multiethnischer Herkunft. Der ZMD hat seinen Sitz in Köln und finanziert sich vor allem durch Mitgliedsbeiträge und Spenden. Er hat etwa 20000 Mitglieder bundesweit.

OZ

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