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MV aktuell „Wir sind nicht die Partei, die sich irgendwo ankettet“
Nachrichten MV aktuell „Wir sind nicht die Partei, die sich irgendwo ankettet“
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00:00 09.06.2017
Rostock

Wenn Katrin Göring-Eckardt nach einem langen Tag abschalten will, geht sie in den Keller. Dort kurbelt sie die „Flotte Lotte“, um Marmelade zu kochen. Ihre Mitarbeiter hätten ihr das Gerät zum Passieren von Obst geschenkt, damit sich ihre Chefin mal für eine Pause ausklinkt. „Ich kann gut abschalten und einfach schweigen“, sagte die grüne Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl gestern Abend beim „Politischen Salon“ der OSTSEE-ZEITUNG.

Bei nur noch sieben Prozent sehen Meinungsforscher die Partei zurzeit, vor einem Jahr war es noch fast doppelt so viel. Es sei nicht klar, wofür die Grünen stehen, ist oft zu hören. „Woran liegt das?“, fragte OZ-Chefredakteur Andreas Ebel, „sind Sie zu zahm?“. Göring-Eckardt widerspricht, Auffallen um jeden Preis sei nicht ihre Sache. „Wir sind nicht die Partei, die sich irgendwo ankettet.“

Aber bis zum Wahltermin am 24. September sei noch viel Zeit, in der noch „sehr viel passieren kann“. Die Wahl sei eine Richtungsentscheidung. „Und die Richtung wird am dritten Platz festgemacht.“ Wo geht die Reise hin? Auf Kurs der AfD, wirtschaftsliberal mit der FDP, oder macht die Linke das Rennen, die jetzt schon sage, dass sie nicht mitregieren werde? Oder machen es doch die Grünen, die sich auf den Klimawandel fokussieren? „Die Erderwärmung geht weiter. Wir sind die erste Generation, die das bemerkt“, meint die Politikerin. Schon jetzt gebe es Klimaflüchtlinge. Die „grüne Bewegung“ sei „unbequem“, etwa für die Landwirtschaft, „die keine mehr ist“.

Kohle-Ausstieg, Speicher und neue Leitungen für Öko-Strom sind ihre Kernthemen. Und mehr E-Mobilität: flächendeckende Ladestationen, bessere Akkus. Die Industrie habe erkannt, dass sie sich ändern müsse. Dass in Zukunft nicht mehr Autos gekauft werden, „sondern Kilometer“, je nach Situation zurückgelegt mit Rad, Pkw oder öffentlichen Verkehrsmitteln.

Wichtigstes soziales Thema sei das Wohnen. „Die Mietpreisbremse ist wirkungslos“, meint die Thüringerin. Nötig seien sozialer Wohnungsbau, aber auch Programme für mehr Wohneigentum. In Ostdeutschland gebe es „einen braunen Sumpf“ – das habe sie in einem Interview gesagt, wirft ein Besucher Göring-Eckardt vor. Das sei nicht ihre Wortwahl, entgegnet die Politikerin. Aber es habe in der DDR „in der Tat“ zu wenig Aufarbeitung des Nationalsozialismus gegeben. Im Westen waren die 68er, dort sei es anders gelaufen. „Das ist ein Befund, über den wir reden sollten.“

Das Thema schneidet sich mit ihrer Biografie – ihr Vater bewahrte Hitlers „Mein Kampf“ auf dem Kleiderschrank auf und redete die Nazi-Diktatur schön. Eine Versöhnung habe es nie gegeben.

Nächste Frage: Was tun gegen kriminelle Flüchtlinge? Verlieren die Grünen mit ihrer Toleranz nicht den Anschluss an die Mehrheitsmeinung? Katrin Göring-Eckardt verneint. Straftaten müssen verfolgt werden, „egal, wo Täter herkommen“. Sie verteidigte die grüne Blockade, die Maghreb- Staaten zu sicheren Herkunftsländern zu erklären. Das sei falsch und würde auch nicht dazu führen, dass mehr zurückgeschickt würden.

Gerald Kleine Wördemann

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