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An der Ostsee drohen fatale Sturmfluten

Rostock An der Ostsee drohen fatale Sturmfluten

Klimawandel steigert die Gefahr von hohen Schäden. Mecklenburg-Vorpommern rüstet sich für die Zukunft.

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Nach einer schweren Sturmflut am Jahresanfang wird im Ostseebad Graal-Müritz eine schwer beschädigte Düne repariert.

Quelle: Bernd Wüstneck

Rostock. Mecklenburg-Vorpommern rüstet sich für Klimawandel und Überschwemmungen: Am Alten Strom in Warnemünde entsteht bis 2019 für neun Millionen Euro eine neue Schutzwand vor Sturmfluten. Das gab Umweltminister Till Backhaus (SPD) am Montag bekannt. Erstmals setzt MV dabei auf eine neue Technik: Die Schutzwand kann wegen ihrer Modulbauweise später aufgestockt werden – falls ein steigender Meeresspiegel dass erfordern würde. Erst kürzlich kündigte das Land zwei neue Deiche in Peenemünde auf Usedom an.

Die Ankündigung des Schutzwandbaus fiel auf ein historisches Datum: Am 13. November 1872 – gestern vor 145 Jahren – erlebte die Ostseeküste das verheerendste Hochwasser, das jemals dokumentiert wurde. Mindestens 271 Menschen verloren damals ihr Leben.

Die Küste wird ihr Gesicht verändern

Forscher gehen davon aus, dass der Klimawandel die Folgen solcher Stürme noch verstärken wird. Nach Angaben von Prof. Markus Meier vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung in Warnemünde erwarten Klimaexperten einen Anstieg des Meeresspiegels zwischen 20 Zentimetern und einem Meter bis zum Jahr 2100. „Dieser Wert würde bei einer Sturmflut noch dazu gerechnet. Und ein Meter zusätzlich ist sehr viel“, sagt Meier. Die zerstörerische Wirkung einer Flut würde enorm steigen.

DCX-Bild

Das schwerste Ostsee-Sturmhochwasser seit 2006 verursachte vor allem auf Usedom und Rügen große Schäden an den Küsten. Die Städte kamen glimpflicher davon. Touristische Wahrzeichen, wie die Rügener Kreidefelsen, blieben unversehrt.

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Damit nicht genug: „Der Klimawandel könnte auch dazu führen, dass durch höhere Windgeschwindigkeiten häufiger Extremwasserstände auftreten“, erläutert der Experte für regionale Klimasysteme. Bislang gebe es keine Belege für systematische Änderungen des Windes über der Ostsee. Meier hält es zudem für wahrscheinlich, dass die Küste ihr Gesicht verändern wird – auch wenn der Meeresspiegel nur wenig steigt. „Schon bei einem Anstieg um 20 Zentimeter könnte sich der Sediment-Transport ändern“, meint der Wissenschaftler. Die Folge: Manche Strände würden deutlich schrumpfen, andere dagegen wachsen.

„Wir wollen nicht, dass Usedom wieder entzwei bricht“

In Bonn debattieren noch bis Freitag rund 25 000 Experten aus aller Welt bei der UN-Klimakonferenz darüber, wie sich der Klimawandel bremsen lässt. „Küstenschutz spielt in Bonn eine sehr große Rolle“, sagt Franziska Tanneberger vom Greifswalder Moor Centrum, das heute bei der Konferenz für seine Beteiligung an einem Projekt zur Moor-Restauration in Russland ausgezeichnet wird.

Auf Usedom werden indes Forderungen nach mehr Küstenschutz laut. „Wir wollen nicht wieder zwei getrennte Teile der Insel haben, wie bei der Sturmflut von 1872“, sagt Karl-Heinz Schröder, Amtsvorsteher im Amt Usedom-Süd. Damals brach die Insel. In der Gemeinde Zempin sind noch nicht alle Schäden des letzten Sturms vom Januar beseitigt. Für eine Strandaufspülung liegt ein Gutachten vor.

Das Land plant bis 2020 insgesamt 36 Küstenschutzmaßnahmen für 120 Millionen Euro. Manche Projekte, wie das Sperrwerk in Greifswald-Eldena, sind bereits fertig.

 Gerald Kleine Wördemann

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