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Wirtschaft Backhaus: Bauern müssen gegen Dürre versichert werden
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00:01 15.09.2018

Mühlengeez. Auszeichnungen und Debatten über die Zukunft der Landwirtschaft in MV bestimmten gestern den Tag auf der Agrarmesse Mela in Mühlengeez bei Güstrow. Renate Schuster, Geschäftsführerin des Hybridschweinezuchtverbands Nord/Ost aus Malchin wurde für ihr Engagement zur Erhaltungszucht des Deutschen Sattelschweins mit dem Tierzuchtpreis geehrt. Bernd Schachler, Ex-Produktionsleiter der Firma Saatzucht Steinach, bekam den Pflanzenzuchtpreis – weil er sich für den Anbau der Eiweißpflanze Lupine einsetzt.

Umgang mit Ernteausfällen und Ferkel-Kastration sorgen für Debatten auf der Mela

Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) FOTO: C. KETTLER

Bauernverband und Politiker forderten unterdessen nach dem Dürre-Sommer und der schlechten Ernte für die Landwirte Hilfe zur Selbsthilfe. Bauernpräsident Detlef Kurreck sagte auf dem Landesbauerntag, der auf der Mela stattfand: „Wir sind es leid, ständig als Bittsteller aufzutreten.“ Er bedauerte, dass der Landtag am Donnerstag die Forderung des Berufsstandes nach der Schaffung einer steuerfreien Risikoausgleichsrücklage für Agrarbetriebe abgelehnt hat.

Agrarminister Till Backhaus (SPD) sagte, die steuerbegünstigte Rücklage für Landwirte sei tot. Sie sei in Deutschland nicht umzusetzen, weil auch andere Branchen, wie Tourismus oder Bauwirtschaft, danach verlangen würden. Backhaus plädierte für ein neues Modell ähnlich der Tierseuchenkasse oder für eine Fondslösung. Auch gebe es erste Modelle für eine Dürreversicherung.

„Wir werden darüber auf der Agrarministerkonferenz beraten“, kündigte er an.

Bei einer Podiumsdiskussion sagte der FDP-Bundestagsabgeordnete Gero Hocker, seine Fraktion werde im Bundestag einen Antrag zu dem Thema einbringen. „Das Warten auf Dürrehilfen ist unsagbar“, meinte er. Die Landwirte müssten in die Situation versetzt werden, in guten Jahren für schlechte Jahre vorzusorgen und unabhängig von der Politik zu sein.

Die Diskussion entzündete sich zudem am Thema Ferkelkastration. Ab Januar 2019 soll die betäubungslose Kastration der männlichen Ferkel verboten sein, voraussichtlich wird der Termin verschoben.

Viele Bauern befürworten statt der drei von der Politik vorgegebenen Optionen einen vierten Weg der schmerzfreien Kastration. Sie wollen die Ferkel selbst betäuben und damit Tierarztkosten sparen.

Sonst wären deutsche Ferkel zu teuer und auf dem Markt nicht wettbewerbsfähig. Die FDP wolle erreichen, dass der Gesetzgeber auch diesen vierten Weg akzeptiert, sagte Hocker. Unklar ist noch, wie verhindert werden soll, dass aus anderen Ländern nicht schmerzfrei kastrierte Ferkel auf den deutschen Markt kommen. Backhaus will das mit dem staatlichen Tierwohllabel erreichen.

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Claudia Müller brachte das Thema Betriebsnachfolge in die Diskussion. Junge Menschen müssten in die Lage versetzt werden, landwirtschaftliche Betriebe zu gründen oder zu übernehmen. Beim Verkauf von Flächen durch die bundeseigene BVVG sollten junge Landwirte bevorzugt werden. Bei der Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft müssten andere Kriterien als der Höchstpreis gelten. Sie befürchtet, dass Arbeitsplätze durch Betriebsaufgaben verloren gehen.

Backhaus schimpfte, bei der Privatisierung habe es nach der Wende eine Fehlentwicklung gegeben, an der die damalige Bundesregierung aus Union und FDP schuld gewesen sein.

Jetzt würden die Privatisierungsgrundsätze wieder geändert. In MV seien noch 43 000 Hektar zu verkaufen, davon 13 000 in Trinkwasserschutzgebieten. Es gebe eine Zusage, dass diese Flächen von Land und Kommunen übernommen werden können, so dass dort Bewirtschaftungsauflagen zum Schutz des Grundwassers erteilt werden können.

Preisexplosion bei Ackerflächen in MV

Agrarboden-Preise haben sich in MV innerhalb von zwölf Jahren verfünffacht. Nach Angaben des Statistischen Amts kostete ein Hektar im Jahr 2005 im landesweiten

Durchschnitt 4306 Euro. 2017 waren es im Schnitt 21 822 Euro. Am teuersten waren Flächen im Landkreis Rostock, dort wurden im Schnitt 25 000 Euro pro Hektar gezahlt. In diesem Landkreis wechselten 2017 die meisten und die größten Flächen den Besitzer – im Durchschnitt 15 Hektar pro Verkauf, insgesamt 3900 Hektar. In Vorpommern-Rügen und Mecklenburgische Seenplatte lagen die Preise im Vorjahr bei 20 000 bis 25 000 Euro je Hektar, in Vorpommern-Greifswald und Ludwigslust-Parchim wurden unter 20 000 Euro je Hektar gezahlt.

Birgit Sander

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