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Wirtschaft Bienenschutz: Freilandverbot für „Neoniks“ in MV umstritten
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05:33 18.04.2018
Pflanzenschutzmittel, die Neonikotinoid-Wirkstoffe enthalten, sind eine Gefahr für Wild- und Honigbienen. Das hat die Risikoanalyse der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) ergeben. Quelle: trueffelpix
Rostock

Der Schweriner Agrarexperte der Umweltorganisation BUND, Burkhard Roloff, macht aus seiner Freude keinen Hehl. „Ich bin wirklich froh, dass die neue Bundesagrarministerin anerkennt, wie gefährlich diese Gruppe der Insektengifte für Bienen und Hummeln ist“, sagt der promovierte Agraringenieur. 

Auch Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) begrüßt den Vorstoß seiner Berliner Ressort-Kollegin „ausdrücklich“, wie er sagt. Dass die Bundesregierung den Vorschlag der EU-Kommission unterstützt, Neonikotinoide  auf dem Acker zu verbieten, halte er „für absolut richtig und dringend erforderlich“.

Bundes-Agrarministerin Julia Klöckner  (CDU) hatte signalisiert, dass sie in der kommenden Woche für das Freilandverbot so genannter Neonikotinoide stimmen will. Am 27. April sollen die EU-Mitgliedsstaaten darüber  entscheiden. Bei Raps und Mais ist der Einsatz dieser Mittel bereits seit längerem verboten, jetzt soll das auf dem Acker für alle Kulturen gelten, allerdings nicht in Gewächshäusern.

Bienenschutz im Koalitionsvertrag besonders hervorgehoben

Klöckner begründet ihre Haltung mit der wissenschaftlichen Empfehlung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa). „Die Efsa sieht in der Anwendung von Neonikotinoiden ein Risiko für die Bienengesundheit. Und was der Biene schadet, muss weg vom Markt“,  meint die aus Rheinland-Pfalz stammende CDU-Politikerin.  Der Schutz der Bienen sei ihr „ein besonderes Anliegen“. Denn: „Unsere Landwirte sind auf die Bestäubungsleistung angewiesen.“ Allein in Deutschland betrage deren volkswirtschaftliche Nutzen zwei Milliarden Euro pro Jahr. Die Bundesregierung habe den Schutz von Bienen im Koalitionsvertrag besonders hervorgehoben.

Landesbauernpräsident Detlef Kurreck weiß, dass die Landwirte sich politischen Entscheidungen beugen müssen. „Wenn es der Wunsch der Gesellschaft ist, dass wir auf diese Mittel verzichten, werden wir das akzeptieren“, stellt er klar. „Wir brauchen aber Übergangsfristen, bis gegen bestimmte Schädlinge andere Wirkstoffe zur Verfügung stehen“, verlangt der Landwirt. Die Bauern müssten sonst „mit erheblichen Ertrags- und Qualitätseinbußen rechnen“. Und das würde sich für die Verbraucher auswirken - möglicherweise in höheren Lebensmittelpreisen.

Einsatz bei Kartoffeln und Zuckerrüben

Landwirt Hartmut Giermann aus Bentzin (Vorpommern-Greifswald) weiß, dass zum Beispiel für Kartoffeln und Zuckerrüben derzeit noch Neonikotinoide eingesetzt werden. Wenn zum Beispiel Blattläuse die Bestände befallen. Blattläuse können Viruskrankheiten auf die Pflanzen übertragen. „Wir versuchen schon jetzt, den Einsatz von Neonikotinoiden weitgehend zu vermeiden“„, sagt der Chef der Bentziner Ackerbau GmbH. “In schwierigen Jahren würden wir aber nicht gern völlig darauf verzichten.„ Beim Anbau von Saatkartoffeln setzt der Betrieb verstärkt auf Handarbeit.  “Anfang Juni gehen unsere Mitarbeiter durch die Reihen und entfernen kranke Pflanzen, um das Ausbreiten von Viruskrankheiten zu verhindern.„ Bei Zuckerrüben allerdings würden Schädlinge wie der Moosknopfkäfer  ohne Pflanzenschutzmittel viele Rübenkeimlinge schon in der Erde abfressen.

Auch Milben und Nahrungsmangel schuld am schlechten Zustand der Bienen

Die Probleme der Bauern kennt auch der Vorsitzende des Landes-Imkerverbandes, Torsten Ellmann. “Wir stellen uns nicht gegen die Landwirte„, betont er. Dass die europäische Behörde die “Neoniks„ als bienengefährlich einstufte, damit müssten die Bauern leben. Doch der Freizeitimker, der in Pasewalk 25 Bienenvölker hält, sieht nicht allein die Bauern in der Pflicht. Dass es den Insekten so schlecht geht, daran seien auch die gefährlichen Varroamilben, Krankheiten  wie die Faulbrut-Seuche und vor allem der Nahrungsmangel im Spätsommer schuld. Auch Hausbesitzer, Kleingärtner und Kommunen könnten viel dafür tun, dass es den Bienen wieder besser geht. “Bienen brauchen Blüten, Freizeitgärtner sollten wieder mehr Blumen pflanzen„, meint der Imker. 

Umweltschützer Roloff sieht die Hauptursache für das weitläufige Insektensterben in der industrialisierten Landwirtschaft, die großflächig “alles wegspritzt, was die Bauern auf dem Acker nicht haben wollen„. Dass dabei auch Bienen und Hummeln sterben oder wenigstens die Orientierung verlieren, sei billigend in Kauf genommen worden. Roloff pocht auf die Ökologisierung der Landwirtschaft mit weiteren Fruchtfolgen. Roloff: “Das macht den intensiven Einsatz hochgiftiger Pflanzenschutzmittel überflüssig.„

Parlamentarischer Abend zum Insektensterben

Bei einem Parlamentarischen Abend in der Berliner Landesvertretung sucht Agrarminister Backhaus am Donnerstag  den Austausch auf dem Hauptstadt-Parkett: Er habe Agrardiplomaten und Umwelt-Experten eingeladen, um in der  Diskussion mit Bundes-Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) Ursachen für den Insektenschwund zu beleuchten und Wege zu diskutieren, diesen Trend umzukehren. Backhaus: “Wir alle müssen uns im Insektenschutz engagieren: der Bund, die Länder und die Kommunen, die Wirtschaft und die Wissenschaft, Verbände, Stiftungen und jeder einzelne.„

Das Schweriner Agrarministerium lobte am Dienstag außerdem  einen Wettbewerb um den Titel “Bienenfreundliche Gemeinde„  aus. Kommunen seien aufgefordert, in Gärten und auf öffentlichen Flächen, auf Verkehrsinseln oder Friedhöfen mehr Blühpflanzen in den Boden zu bringen und Rasenflächen zum “bienenfreundlichen„ Zeitpunkt zu mähen.

In mehr als 120 Ländern zugelassen

Neonikotinoide wurden vor rund zwei Jahrzehnten erstmals auf den Markt gebracht. In der Landwirtschaft galten sie als “Wundermittel" zur Bekämpfung von Schädlingen, die bereits Resistenzen gegen andere Insektizide entwickelt hatten.  Die Wirkstoffe Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam greifen Nerven- und Immunsystem von Insekten an.

Neonikotinoide sind in mehr als 120 Ländern zugelassen, sie werden als Beizmittel eingesetzt, können aber auch als Kontaktgift gespritzt werden.

Ehlers Elke

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