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Wirtschaft Bittet ganz MV bald Urlauber zur Kasse?
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13:52 06.03.2018
Auch im Winter beliebt: Spaziergänger auf der Seebrücke in Binz auf der Insel Rügen Quelle: Stefan Sauer/dpa
Schwerin

So schnell kann es gehen: MV hat 2017 als einziges Bundesland in der Gunst der Urlauber verloren. Während nach Angaben des Deutschen Tourismusverbandes alle anderen 15 Länder höhere Übernachtungszahlen verzeichnen, sank die für MV um 1,8 Prozent gegenüber 2016. Bayern bleibt mit 94,4 Millionen Übernachtungen an der Spitze, MV sinkt auf 29,8 Millionen.

MV als erstes Bundesland offizieller Partner der ITB in Berlin

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Mit dieser Bürde präsentiert sich der Nordosten, einstiger Branchen-Primus, ab heute auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin als offizielles Partnerland. Experten fordern seit Langem ein Umsteuern hin zu mehr Qualitätsangeboten im Tourismus. Eine Idee: Kurabgaben sollten in mehr Orten für touristische Attraktionen kassiert werden. Kritiker warnen jedoch davor, Urlauber abzuzocken.

Marode Straßen und Radwege, Fachkräftemangel, sinkende Gästezufriedenheit – die Liste der Kritikpunkte ist lang, die Gutachter der DWIF Consulting GmbH aus Berlin im neuen Tourismuskonzept der Landesregierung an die Hand gaben (die OZ berichtete). Im Frühjahr will Tourismusminister Harry Glawe (CDU) es offiziell vorstellen. Eine Idee: Anerkannte Kur- und Erholungsorte sollten nicht mehr allein Abgaben für besondere Tourismusangebote kassieren dürfen. Dafür müsste das Kurortgesetz des Landes geändert werden. Glawe begrüßt die Idee. Andere Länder machten es vor. „Diesen Wettbewerbsnachteil, der auf kommunaler Ebene direkt wirkt, gilt es auszugleichen“, so Glawe. Eine „Fokussierung auf bestimmte Ortstypen“ sei „nicht mehr zeitgemäß“. Er sei nicht überrascht, dass MV bei Zuwächsen schwächelt. „Rekorde sind kein Automatismus.“

Bislang dürfen nur anerkannte Orte Kurabgaben kassieren. Das könne „bis in die Millionen gehen“, sagt Andreas Kuhn, Präsident des Bäderverbandes MV. Das Geld sei nötig für die Instandhaltung von Stränden, Radwegen, Blumenbeeten, Deichen oder für besondere touristische Angebote. Kuhn warnt vor Gleichmacherei: „Wir sind nicht gegen eine Öffnung der Kurabgabe“, sagt er. „Aber gegen eine qualitätslose Öffnung.“ Heißt: Sollen auch andere Orte, etwa im Binnenland, davon profitieren, müssten zuvor bestimmte Kriterien aufgestellt werden. Urlauber hätten ein Recht darauf zu erfahren, was mit dieser Sonderabgabe geschieht.

Andreas Wellmann, Geschäftsführer des Städte- und Gemeindetages, schlägt einen Kompromiss vor: „Unseres Erachtens sollte es eine Abgabe nach Kurortgesetz und eine Fremdenverkehrsabgabe für alle geben.“ Wichtige Urlaubsorte hätten auch größeren Aufwand. Stefan Fassbinder (Grüne), Greifswalder Oberbürgermeister, stimmt ein: „Grundsätzlich begrüße ich alle Regelungen, die den Kommunen erlauben, in größerer Eigenständigkeit zu handeln.“

Skepsis in der Landespolitik. „Es sind neue Finanzierungswege notwendig, um die Qualität im Tourismus zu steigern“, sagt Henning Foerster (Linke). Neue Abgaben dürften aber nicht dazu führen, dass Kommunen ihre Haushaltslöcher damit stopfen. „Die Gäste, die eine zusätzliche Abgabe zahlen, müssen auch etwas davon haben.“ Susann Wippermann (SPD) erklärt: „Eine Aufweichung im Gesetz darf nicht zu Lasten der Qualität des Angebots vorgenommen werden.“ Das Prädikat Kur- und Erholungsort sei verbunden „mit besonderen touristischen Angeboten“.

Thomas de Jesus Fernandes (AfD) hält eine „landesweit einheitliche Regelung“ für „sinnvoll“. Allerdings spricht er sich für keine oder nur geringe Abgaben überall aus. Fernandes: „Wenn man Urlaubsbundesland Nummer eins sein will, darf man Menschen, die hier ihre Ferien verbringen möchten, nicht noch zusätzlich bestrafen.“

80 Künstler aus MV sind heute Abend bei der Eröffnungsgala der Internationalen Tourismusbörse in Berlin dabei. Darunter DJ Felix Jaehn aus dem Klützer Winkel, das Rostocker Model Franziska Knuppe oder die Shantychöre „Breitlings“ und „The Blowboys“. Mehr als 3000 Gäste werden erwartet, darunter Kanzlerin Angela Merkel und MV-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig .

Als erstes Bundesland überhaupt darf MV Partnerland der größten Tourismus-Fachmesse weltweit sein. „Es wird der größte Auftritt des Landes, den es jemals vor internationalem Publikum gab“, sagt Tobias Woitendorf, Tourismusverband MV, der die Gala mit Tagesschau-Sprecherin Judith Rakers moderiert. Zur Messe werden bis zu 120000 Besucher erwartet. Ziel sei es, „eine Aufbruchstimmung zu erzeugen“, sagt Wolfgang Waldmüller, Präsident des Landestourismusverbandes.

Die Tourismusbörse ITB auf dem Berliner Messegelände ist von Mittwoch bis Sonntag, jeweils 10 bis 18 Uhr, geöffnet, nur am Wochenende für jedermann. Rund 10000 Austeller aus 180 Ländern sind vertreten, davon 26 aus MV, die in der Halle 6.2 zu finden sind.

Frank Pubantz

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