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18:41 03.05.2018
Die Diskussion um günstigeren Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in MV nimmt wieder Fahrt auf. Im Bild: ein Stadtbus in Greifswald (Symbolfoto) Quelle: Peter Binder
Schwerin

Bus und S-Bahn im Sonderangebot: Die Diskussion um günstigeren Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in MV nimmt wieder Fahrt auf. Nicht kostenlos, aber für einen Euro pro Fahrgast und Tag wäre dies denkbar, sagt Wilfried Eisenberg, Chef der Nahverkehr Schwerin GmbH. Vorbild könnte die österreichische Hauptstadt Wien sein. Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) erklärt dagegen: Dann müssten landesweit die Zuschüsse um viele Millionen Euro erhöht werden.

Einen wahren Ansturm habe es auf Busse und Bahnen in Wien gegeben, seitdem die Stadt das Jahresticket für 365 Euro einführte, Verbindungen ausbaute und das Parken für Autos verteuerte, berichten Medien. Einen Euro pro Tag bezahlten derzeit 760 000 Wiener – 40 Prozent.

Auf dem Land nicht umsetzbar

Ein Vorbild für MV? „Das kann funktionieren“, sagt Schwerins Nahverkehrschef Eisenberg. In der Stadt, nicht aber auf dem Land. Offen, aber skeptisch reagieren andere Verkehrsunternehmen. „Das ist ein Thema, mit dem wir uns gedanklich beschäftigen“, sagt Jan Bleis, Rostocker Straßenbahn AG. Allerdings wäre „ein ganzes Bündel von Maßnahmen“ nötig, damit Autofahrer in Bus und Bahn umsteigen. Das Wiener Modell nennt er „phänomenal gut“.

Auch Jörg Lettau, Nahbus Nordwestmecklenburg GmbH, sieht Potenzial für mehr Fahrgäste. Allerdings sei seine Erfahrung: Bei Sparangeboten wechselten Kunden meist nur innerhalb der Tarife. „Den großen Run sehe ich nicht.“ Der „Knackpunkt“ in MV sei die große Fläche. Lettau: „Wir müssen einfach gute Angebote haben.“

Zuschüsse müssten erhöht werden

Verkehrsminister Pegel begrüßt „die Debatte über eine Stärkung des ÖPNV“. Allerdings sei der Fahrpreis „nur eine Komponente“. Es sei zu bezweifeln, „dass der Vorschlag im klassischen Sinne unter betriebswirtschaftlichen Aspekten sinnvoll ist“. Heißt: Ein Euro pro Fahrgast am Tag rechne sich in einem Flächenland mit nur 1,6 Millionen Einwohnern schlicht nicht. Das dürfte einige Busgesellschaften in Schwierigkeiten bringen. Laut Verkehrsministerium wären dann nämlich landesweit 584 Millionen Euro aufzubringen. Derzeit zahlten Bund, Land und Kreise rund 340 Millionen Zuschüsse für Bus- und Bahnverkehr pro Jahr.

Grünen-Landeschefin Claudia Schulz lobt den Vorschlag zum Wiener Modell und fordert einen Verkehrsverbund für ganz MV: „Es wäre sicher ein guter Weg, um den ÖPNV attraktiver zu machen. Derzeit zahlen die Bürger verhältnismäßig hohe Preise, da Busse und Bahnen zum großen Teil nicht miteinander gekoppelt sind“, so Schulz. „Aber saubere und bezahlbare Mobilität muss für alle verfügbar sein.“ Einige Regionen arbeiten bereits am Null-Tarif für Bus und Bahn, etwa zwischen Ribnitz-Damgarten und Dierhagen (Vorpommern-Rügen) oder an der Müritz, wo Urlauber mit Gästekarten gratis pendeln können. In Stralsund und Rostock scheiterten Vorstöße zur Etablierung von Modellregionen knapp.

Frank Pubantz

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